Kategorie: Arbeitsrecht

Wer elementare Sicherheitsvorschriften nicht einhält, riskiert fristlose Kündigung

, (32 mal gelesen)
Wer elementare Sicherheitsvorschriften nicht einhält, riskiert fristlose Kündigung
Vom Arbeitgeber erlassene elementare Sicherheitsvorschriften, die die Arbeitnehmer vor erheblichen Gesundheitsrisiken schützen sollen, sind von den Arbeitnehmern unbedingt einzuhalten. Andernfalls steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein ausgeführt, dass die Außerachtlassung der Sicherheitsvorschriften eine Pflichtverletzung darstellt, die an sich geeignet ist, eine fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses zu rechtfertigen. Dazu ist nach Auffassung des Gerichts ausnahmsweise sogar keine vorherige Abmahnung notwendig, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Schwere seines Fehlverhaltens von vornherein nicht damit rechnen konnte, dass der Arbeitgeber dieses toleriert.

Im vom Landesarbeitsgericht entschiedenen Fall hatte ein rund 50 Jahre alter, lediger und seit rund 20 Jahren beim Arbeitgeber beschäftigter Maschinenführer mit einem weiteren Maschinenführer eine industrielle Presse gereinigt und dabei die Maschine von Hand wieder angefahren. Der Kollege geriet dabei mit seiner Hand in ein hin- und herfahrendes Maschinenteil und verlor die Kuppe des kleinen Fingers. Der Arbeitgeber kündigte dem Maschinenführer daraufhin fristlos, hilfsweise ordentlich.  
Das Landesarbeitsgericht hielt zwar im konkreten Fall trotz der schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit des Kollegen diese fristlose, hilfsweise ordentliche Kündigung mangels vorheriger Abmahnung für nicht rechtens: Die Sicherheitsvorschriften des Arbeitgebers schlössen im entschiedenen Fall den Betrieb der Maschine während der Reinigung und während des Aufenthalts eines Mitarbeiters im Sicherheitsbereich nicht eindeutig aus. Weiter hätten die Vorgesetzten des Arbeitnehmers dessen Reinigungspraxis früher zumindest stillschweigend geduldet. Schließlich drohe der zeitlich letzte allgemeine Arbeitshinweis des Arbeitgebers als Konsequenz für ein Fehlverhalten lediglich eine Abmahnung, nicht eine Kündigung, an.


War dieser Rechtstipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben:

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
19.11.2014, Autor Joachim Cäsar-Preller (63 mal gelesen)

Die auch auf Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei Cäsar-Preller aus Wiesbaden kann dem aktuellen Urteil zum Thema "Arbeitszeugnisse" gute Seiten abgewinnen. Zwar hat die vor dem Bundearbeitsgericht in Berlin gegen ihr Zeugnis klagende junge Frau einen ...

5.0/5 (1 Bewertungen)
17.11.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice (133 mal gelesen)

Ein Pech kommt selten allein. Manchmal kommt es vor, dass Arbeitnehmer während einer Krankschreibung gekündigt werden – sei es, weil dem Chef die Krankheit zu lange dauert oder weil eine längere Erkrankung in eine betriebliche Umbruchphase fällt. Das ...

3.0/5 (3 Bewertungen)
12.11.2014, Autor Volker Schneider (12 mal gelesen)

Sachliche Kritik ist kein Grund für fristlose Kündigung Behauptet ein für den Betriebsrat kandidierender Arbeitnehmer auf Facebook oder mittels eines Videos auf YouTube, dass im Unternehmen Sicherheitsvorkehrungen ...

5.0/5 (1 Bewertungen)
10.11.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice (92 mal gelesen)

Ist die Erwerbstätigkeit eines Arbeitnehmers infolge eines Unfalls, der im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit geschieht, dauerhaft gemindert, muss die Berufsgenossenschaft eine Unfallrente zahlen. Gilt das aber auch bei später auftretenden posttraumatischen ...

4.0/5 (1 Bewertungen)
07.11.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice (146 mal gelesen)

Fast zwei Millionen Menschen sind aktuellen Statistiken zu Folge in Deutschland alkoholabhängig. Alkoholabhängigkeit kann sich auch auf den Job auswirken. Darf ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer wegen dessen Alkoholsucht kündigen? ...

05.11.2014, Autor Sebastian Böhm (21 mal gelesen)

Mit seiner Entscheidung vom 10.09.2014 zum dortigen Aktenzeichen 12 Sa 505/14 hat das LAG Düsseldorf als Berufungsinstanz über einen Rechtsstreit entscheiden zu gehabt, in welchem ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer zunächst gestattet hatte, seine Arbeitsleistung ...

31.10.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice (159 mal gelesen)

George W. Bush, Tom Cruise, Helene Fischer, Till Schweiger, Bastian Schweinsteiger, Sigmar Gabriel und viele andere prominente und weniger prominente Menschen taten es in diesem Sommer: Ice Bucket Challenge! ...

29.10.2014, Autor Volker Schneider (35 mal gelesen)

Nach Wegfall des ursprünglichen Stellenprofils mit Sonderaufgaben betraut Wird ein Arbeitnehmer in einem Unternehmen über einen längeren Zeitraum weiterbeschäftigt, obwohl sein ursprüngliches Stellenprofil ...

4.0/5 (1 Bewertungen)
29.10.2014, Autor Volker Schneider (24 mal gelesen)

Neue Entscheidung des LAG Hamm Noch in diesem Jahr hatte das Arbeitsgericht Bochum entschieden, dass Praktikanten, die dauerhaft als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, einen Anspruch auf Gehaltszahlung ...

28.10.2014, Arbeitsgericht Düsseldorf, 2 Ca 3420/14 (124 mal gelesen)

Die Parteien streiten über die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses auf Grund von insgesamt 33 Tat- bzw. Verdachtskündigungen. Die Parteien streiten über die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses auf Grund ...



Seite 1 von 100 vorwärtszurück