Änderung der BGH Rechtsprechung zum Wechselmodell

02.07.2017, Autor: Frau Stephanie Ersfeld-Friedenstab / Lesedauer ca. 1 Min. (90 mal gelesen)
Auch gegen den Willen eines Elternteils kann bei gemeinsamem Sorgerecht das paritätische Wechselmodell angeordnet werden, sofern Kommunikation-und Kooperationsfähigkeit zwischen den Eltern besteht.

Richtungswechsel des BGH zum Wechselmodell vom 1.2.2017, XII ZB 601/15
Auch gegen den Willen eines Elternteils kann durch eine gerichtliche Umgangsregelung ein Wechselmodell angeordnet werden. Dies ist der Tenor einer aktuellen Entscheidung des BGH,in der beide Elternteile gemeinsam sorgeberechtigt waren.
Als gewichtige Gesichtspunkte sind die Erziehungseignung der Eltern, die Bindungen und die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen, die Prinzipien der Förderung und der Kontinuität sowie die Beachtung des Kindeswillens zu beachten.
Die Kindeswohldienlichkeit des paritätischen Wechselmodells als hälftig geteilter Ausübung der gemeinsamen Sorge setzt auch die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit der Eltern voraus.
Beim Wechselmodell kommt hinzu, dass dieses gegenüber herkömmlichen Umgangsmodellen höhere Anforderungen an die Eltern und das Kind stellt, das bei doppelter Residenz zwischen zwei Haushalten pendelt und sich auf zwei hauptsächliche Lebensumgebungen ein- bzw. umzustellen hat.
Der BGH erteilt der Ansicht eine deutliche Absage, nach der ein Wechselmodell zu dem Zweck angeordnet werden soll, um eine Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erst herbeizuführen. Ist das Verhältnis der Eltern erheblich konfliktbelastet, so liegt daher die auf ein paritätisches Wechselmodell gerichtete Anordnung in der Regel nicht im wohlverstandenen Interesse des Kindes.
Folgerungen aus der Entscheidung: Persönliche Anhörung des Kindes zum Wechselmodell und vorübergehende Anordnung in einer akuten Trennungssituation, sofern eine starke Bindung des Kindes zu beiden Elternteilen besteht, können die Anordnung des Wechselmodells gegen den Willen des anderen Elternteils ermöglichen.Hierzu muss aber entsprechend anwaltlich argumentiert werden, da die Anordnung gerade gegen den Willen des anderen Elternteils erfolgen soll.
Ersfeld-Friedenstab
Fachanwältin für Familienrecht