Arbeit: Abmahnung wegen Unfreundlichkeit?

18.08.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (321 mal gelesen)
Arbeit: Abmahnung wegen Unfreundlichkeit?
Kundenservice und -zufriedenheit ist für viele Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Unfreundliche Mitarbeiter stehen dem entgegen. Doch darf Mitarbeiter wegen Unfreundlichkeit gegenüber einem Kunden gleich arbeitsrechtlich abgemahnt werden?

Verhält sich ein Arbeitnehmer gegenüber Kunden unfreundlich und damit arbeitsvertragswidrig, kann der Arbeitgeber ihn deshalb abmahnen, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Aktenzeichen 2 Sa 17/14).

Unfreundlichkeit ist Leistungsmangel!

Im zu entscheidenden Fall war ein Arbeitnehmer als Ausbildungsberater tätig. Als ein Lehrgangsteilnehmer per E-Mail nach Einzelheiten einer mündlichen Ergänzungsprüfung fragte, teilte er ihm mit, es dürfe „eigentlich selbstverständlich sein, dass man sich dort anmeldet wo man sich auch zur schriftlichen Prüfung angemeldet hat. Dass Anmeldungen nicht auf Zuruf erfolgen können, sollte ebenfalls klar sein.“ Als der Kunde die Antwort als unfreundlich beanstandete, antwortete der Ausbildungsberater ihm unter anderem: „Nach heute mittlerweile ca. 20 Anrufen von angehenden Meistern bleibt die Freundlichkeit einfach aus.“ Wegen dieser Korrespondenz erteilte die Arbeitgeberin eine Abmahnung. Der Ausbildungsberater hält den Leistungsmangel für nicht schwerwiegend genug, als dass eine Abmahnung gerechtfertigt wäre.

Unfreundlichkeit ist keine Nichtigkeit!

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein sah dies anders. Arbeitnehmer können die Entfernung einer Abmahnung aus ihrer Personalakte nur verlangen, wenn die Abmahnung entweder inhaltlich unbestimmt ist, unrichtige Tatsachenbehauptungen enthält, auf einer unzutreffenden rechtlichen Bewertung des Verhaltens des Arbeitnehmers beruht oder den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt bzw. wenn bei einer zu Recht erteilten Abmahnung ein schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers an deren Verbleib in der Personalakte nicht mehr besteht. Hier sei keine dieser Voraussetzungen erfüllt. Insbesondere sei die Abmahnung nicht unverhältnismäßig. Die abgemahnte Pflichtverletzung des Klägers stellt keine Nichtigkeit dar. Aufgabe des Arbeitnehmers ist die Kommunikation mit den Kunden. Wenn der Arbeitnehmer nicht nur einmal unfreundlich antwortet, sondern dies im Lauf der E-Mail-Kommunikation wiederholt, ist die Abmahnung berechtigt.