Arbeit: Kein Geld für Praktikanten!

24.10.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (234 mal gelesen)
Arbeit: Kein Geld für Praktikanten!
Der Einstieg ins Berufsleben führt bei Schul- und Studienabgänger heute in der Regel über ein oder mehrere Praktikas. Viele Unternehmen bezahlen ihren Praktikanten zumindest eine kleine Aufwandsentschädigung- einen Anspruch auf Entlohnung haben Praktikanten aber nach einer aktuellen Gerichtsentscheidung nicht!

Das Landesarbeitsgericht Hamm (Aktenzeichen 1 Sa 664/14) hat die Klage einer Praktikantin auf Zahlung eines Arbeitsentgelts für ein Praktikum im Einzelhandel abgewiesen.

Im zugrundeliegenden Fall hatte sich die Hauptschulabgängerin für einen Ausbildungsplatz als Verkäuferin in einem Supermarkt beworben und sich auch bereit erklärt, ein Praktikum aufzunehmen. Der Supermarkt schloss mit dem Bildungszentrum des Handels e.V. als Trägerverein einen „Rahmenvertrag zur Ableistung eines Praktikums“. Er schloss außerdem mit der zukünftigen Praktikantin sowie mit dem Trägerverein einen dreiseitigen „Praktikumsvertrag“, der etwa vorsah, dass die Praktikantin einen Einblick in das Berufsfeld mit seinen Arbeitsbedingungen und Arbeitsanforderungen erhalten sollte und Grundkenntnisse des betreffenden Berufsbildes vermittelt werden. Das Praktikum war zunächst für die Dauer eines Monats vereinbart, wurde dann aber mehrmals aufgrund vertraglicher Vereinbarungen zwischen den Parteien verlängert. Die Praktikantin erhielt in diesem Zeitraum von der Bundesagentur für Arbeit sog. Berufsausbildungsbeihilfe und von dem Trägerverein Zuschüsse für eine Monatskarte für Fahrten im ÖPNV.

Die Praktikantin machte daraufhin geltend, sie habe während ihres gesamten Tätigkeitzeitraums insgesamt 1.728 Stunden und 15 Minuten für den Beklagten gearbeitet. Nicht die Ausbildung, sondern die Arbeitsleistung habe im Vordergrund gestanden, so dass ihre Tätigkeit in Anlehnung an die tariflichen Entgeltstrukturen im Einzelhandel NRW mit 10 Euro brutto pro Stunde zu entlohnen sei.

Das sah das Landesarbeitsgericht Hamm anders: Nach Auffassung des Gerichts steht der Praktikantin kein Anspruch auf Zahlung von Arbeitsentgelt zu, da zwischen den Parteien kein Arbeitsverhältnis begründet worden sei. Zwar habe die Praktikantin jedenfalls teilweise reguläre Arbeitstätigkeiten verrichtet. Dies sei allerdings im Rahmen eines sozialversicherungsrechtlich geprägten Praktikantenverhältnisses geschehen. Die Praktikantin habe als Teilnehmerin einer berufsvorbereitenden Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit das Praktikum absolviert und in dieser Zeit Leistungen der Arbeitsagentur erhalten.