Ausgerutscht beim Gassigehen: Haftet der Hauseigentümer?

08.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (166 mal gelesen)
Ausgerutscht beim Gassigehen: Haftet der Hauseigentümer? © aleksandr - Fotolia.com
Bekannt ist, dass Grundstückseigentümer im Winter Schnee räumen und glatte Stellen streuen müssen, wenn diese von Menschen benutzt werden. Ansonsten droht eine Haftung wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht. Aber: Für alles gibt es Grenzen.

Ein siebenjähriges Mädchen war auf dem Gelände einer Wohnanlage in München wegen Glatteis gestürzt. Dabei hatte es sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Das Kind, vertreten durch die Eltern, verklagte den Hauseigentümer auf Schmerzensgeld. Dieser habe seine Räum-und Streupflicht verletzt. Passiert war das Ganze, als das Kind den jungen Familienhund Gassi führte.

Allerdings war hier nicht allein das Glatteis für den Unfall verantwortlich zu machen. Wie sich vor Gericht herausstellte, hatte der übermütige Vierbeiner versucht, mit einem Sprung die Richtung zu wechseln. Das Kind wollte dies durch einen Druck auf den Knopf der Automatikleine ausgleichen. Allerdings war der Ruck zu stark dafür: Das Kind, das überdies gerade auf Glatteis stand, rutschte aus und fiel hin.

Das Amtsgericht München lehnte eine Haftung des Hauseigentümers ab. Es sah hier eine Verletzung der Aufsichtspflicht durch die Eltern. Denn die Siebenjährige war dem zwar jungen, aber sehr lebhaften Hund nicht gewachsen – und ihre Eltern hätten sie deshalb nicht mit diesem alleine zum Gassigehen schicken dürfen.

Wieviel Aufsicht erforderlich ist, richtet sich immer nach der Reife und Einsichtsfähigkeit des jeweiligen Kindes – hier zeigte sich aber, dass auch die körperliche Entwicklung durchaus eine Rolle spielen kann.

Fazit: Die Größe des Hundes sollte immer im richtigen Verhältnis zur Größe der Person am anderen Ende der Leine stehen. Und zwar bei Menschen jeden Alters. Denn auch Erwachsene müssen sich zumindest ein Mitverschulden anrechnen lassen, wenn sie auf Glatteis ausrutschen, weil – beispielsweise – ihre fünf irischen Wolfshunde gerade Nachbar's Katze gesehen haben.

Amtsgericht München, 22.10.1999, Az. 411 C 16443/99