Automatisierungssoftware bei Onlinespielen: Vertrieb ist wettbewerbswidrig

09.02.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (129 mal gelesen)
Automatisierungssoftware bei Onlinespielen: Vertrieb ist wettbewerbswidrig © B. Wylezich - Fotolia.com
Multiplayer-Online-Rollenspiele sind ein großes Geschäft – und werden von Trittbrettfahrern oft für ebenso gute Geschäfte genutzt. Ermöglicht eine raffinierte Software jedoch, das Spiel durch Einsatz von realem Geld zu manipulieren, stellt sich die Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit und möglichen Gegenmaßnahmen des Spieleanbieters.

Onlinespiel WoW
Vor dem Oberlandesgericht Hamburg wurde vor einiger Zeit ein Prozess ausgetragen, bei dem es um das Onlinespiel "World of Warcraft", kurz "WoW" ging. Dieses "Massive Multiplayer Online Role Playing Game" ist ein via Internet spielbares Computer-Rollenspiel, bei dem gleichzeitig tausende Mitspieler eine virtuelle Welt bevölkern. Die eigentliche Spielwelt und die von den Spielern dargestellten Figuren werden auf Servern des Spieleanbieters verwaltet. Die Spieler können mit ihrer virtuellen Figur, dem "Charakter", Aufgaben, sogenannte Quests, lösen. Es kann mit anderen Spielern interagiert werden, auch finden Kämpfe gegen Monster oder computergesteuerte Nichtspielercharaktere statt. Ständig können nützliche Gegenstände wie etwa bestimmte Rohstoffe oder Kräuter gesammelt werden. Für erfolgreich absolvierte Aufgaben gibt es Erfahrungspunkte oder Belohnungen in Form von im Spiel nutzbaren virtuellen Waffen und anderen Gegenständen. Nach einer bestimmten Anzahl von Erfahrungspunkten kann ein Charakter eine Stufe aufsteigen, was ihm den Erwerb zusätzlicher Fähigkeiten und im Endeffekt weitere Spielerlebnisse verschafft.

Was sind Honorbuddy und Gatherbuddy?
Bots sind Softwareprogramme, die ohne permanente Betreuung für den Nutzer gewissermaßen vollautomatisch eine bestimmte Aufgabe erledigen. Im Onlinespielbereich existieren Bots, die dem Spieler zeitraubende Aufgaben abnehmen. So können Erfahrungspunkte generiert oder Rohstoffe gesammelt werden, während der Spieler gar nicht am Computer sitzt. Die Software „Honorbuddy“ sucht und absolviert für den Spieler automatisch Aufgaben. Dadurch kann der Spieler ohne eigenes Zutun Erfahrungspunkte und Belohnungen wie virtuelles Geld, Ausrüstungsgegenstände etc. bekommen und schneller auf das nächste Level aufsteigen. "Gatherbuddy" arbeitet ähnlich und ist auf das Sammeln von Rohstoffen im Spiel spezialisiert.

Die Klage
Der Spieleanbieter von WoW ging nun gegen die Softwarefirmen vor, die die beiden "Buddys" vertrieben. Die Nutzung einer Automatisierungssoftware verstoße gegen die Spielregeln, an die sich jeder Mitspieler zu halten habe. Der Vertrieb dieser Software stelle eine Aufforderung zum Verstoß gegen Allgemeine Geschäftsbedingungen von WoW dar. Aber nicht nur gegen die AGB werde verstoßen, sondern es liege auch eine massive Geschäftsschädigung vor, da sich andere Spieler in großer Zahl über die automatisch gesteuerten im Spiel herumlaufenden Charaktere beschwerten, die nicht zur Interaktion fähig seien und teilweise Abläufe störten. Auch sei die Chancengleichheit gegenüber anderen Spielern nicht gewahrt, die für einen Stufenaufstieg durch persönliche Lösung der Aufgaben deutlich mehr Zeit bräuchten. Dies sorge bei den anderen Spielern für erhebliche Frustration und führe dazu, dass kostenpflichtige Abonnements nicht verlängert würden. Seit Einführung des Spiels habe es 3 Millionen Beschwerden von Nutzern über derartige Drittprogramme im Spiel gegeben. Es entstünden erhebliche Personalkosten durch den Versuch, solche Programme ausfindig zu machen und abzuschalten. Damit liege hier eine gezielte vertriebsbezogene Behinderung nach § 4 Nr. 10 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) vor.

Das Urteil
Das OLG Hamburg (Urteil vom 6.11.2014, Az. 3 U 86/13) gestand dem Spieleanbieter einen Anspruch auf Unterlassung des Vertriebs der "Bots" zu. Diese Entscheidung betraf den deutschen Markt. Zwar sei das reine Verleiten der Spieler zum Vertragsbruch durch den Vertrieb einer entsprechenden Software noch keine nach dem Wettbewerbsrecht unlautere Handlung. Allerdings liege hier eine Absatz- und Vertriebsstörung vor, weil aus der Sicht des angesprochenen Kundenkreises ein auf Wettbewerb ausgerichtetes Spiel, bei dem ehrliche Spieler, die die Spielregeln einhalten, gegenüber unehrlichen Spielern benachteiligt werden, erheblich an Attraktivität und damit an wirtschaftlichem Erfolg einbüßen könne.

Störung von Absatz und Vertrieb
Der Spieleanbieter müsse befürchten, dass sich ehrliche Spieler, die sich ihren Stufenaufstieg durch tatsächliches Spielen erarbeiten müssten, nach und nach von diesem Spiel abwenden würden. Dies sei mit entsprechenden finanziellen Verlusten verbunden. Zusätzlich entschied das Gericht, dass eine Werbung für einen Bot in Verbindung mit dem Namen des Spiels, in dem er zum Automatisieren der Spielabläufe verwendet werden könne, auch ein Verstoß gegen das Markenrecht sei. Denn dabei werde eine fremde Markenbezeichnung unter Verletzung fremder Rechte benutzt.