Bier: Brauerei muss nicht auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen

11.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (229 mal gelesen)
Bier: Brauerei muss nicht auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen © Trueffelpix - Fotolia.com
Bier ist ein schmackhaftes Getränk, kann aber in größeren Mengen genossen negative Auswirkungen haben. Dies beklagte auch ein Mann, der vor dem Oberlandesgericht Hamm eine Klage gegen eine Brauerei anstrengen wollte. Er forderte Schmerzensgeld, weil er nicht auf die Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen worden war.

Der Kläger beantragte zunächst einmal Prozesskostenhilfe, da er sich das Verfahren nicht leisten konnte. Kein Wunder: Das Bier war schuld. Denn dem Kläger ging es hier nicht um mögliche gesundheitliche Auswirkungen.

Er gab an, 17 Jahre lang den von ihm geschätzten Gerstensaft rege konsumiert zu haben. Infolge dieses Bierkonsums habe sich seine Ehegattin von ihm scheiden lassen. Auch seine Arbeit habe er wegen des Biers verloren, denn dieses hatte er wohl auch tagsüber zu sich genommen. Nicht zuletzt habe er seinen Führerschein an das Bier verloren. All diese Folgen hatte er nach seiner Ansicht nicht voraussehen können. Wenn doch nur die Brauerei entsprechende Warnhinweise auf ihre Flaschen gedruckt hätte – niemals hätte er dann soviel von dem Getränk zu sich genommen. Er wollte nun 30.000 DM Schmerzensgeld von der Brauerei einklagen – und zusätzlich feststellen lassen, dass sie für alle seine zukünftigen bierbedingten Schäden hafte.

Die Richter des Oberlandesgerichts Hamm versagten dem Mann jedoch die Prozesskostenhilfe. Sie schätzten die Erfolgsaussichten seiner Klage etwa auf Null Prozent ein. Brauereien seien nicht verpflichtet, derartige Warnungen auf ihren Flaschen anzubringen. Zwar müssten Hersteller grundsätzlich schon vor Gefahren warnen, die ihre Produkte mit sich brächten. Dies gelte aber nicht für allgemein bekannte Risiken. Es gehöre zum allgemeinen Grundwissen, dass dauernder Alkoholkonsum den Verlust von Ehefrauen, Jobs und Führerscheinen zur Folge haben könne. Obendrein vermutete das Gericht, dass entsprechende Flaschenaufdrucke den Mann auch nicht vom Biertrinken abgehalten hätten.

Fazit: Auf das rechte Maß kommt es an. Immerhin: Wir müssen nicht damit rechnen, künftig auf Bierflaschen den Aufdruck "Achtung: Kann zu Führerscheinverlusten führen" oder gar eine Abbildung eines ernst blickenden Scheidungsrichters mit drohend erhobenem Hammer zu finden.

Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm, 14. Februar 2001, Az. 9 W 23/00