Chefarztbehandlung- nur bei ausdrücklichem Verlangen!

17.10.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (224 mal gelesen)
Chefarztbehandlung- nur bei ausdrücklichem Verlangen!
Chefarztbehandlung ist für viele Patienten wichtig, insbesondere bei einer Operation. Dieser Wunsch muss vom Patienten allerdings vor der Operation ausreichend deutlich gemacht werden, ansonsten darf auch der Vertreter operieren!

Will ein Patient nur durch einen Chefarzt und nicht durch seinen Vertreter operiert werden, muss er dies durch eine Erklärung etwa im Rahmen eines Wahlleistungsvertrages oder im Rahmen seiner Einwilligung zur Operation hinreichend deutlich machen. Fehlt eine solche Patientenerklärung und benennt der Vertrag zudem einen ärztlichen Vertreter, willigt der Patient auch in eine vom Vertreter ausgeführte Operation ein.

Das stellte das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 30/13) in einer aktuellen Entscheidung klar. Ein Patient begab sich zur Durchführung einer Operation in das beklagte Krankenhaus in, wobei er mit dem Arzt eine Chefarztbehandlung vereinbarte und vom Arzt als Vertreter des Chefarztes komplikationslos operiert wurde. Eine nach der Operation aufgetretene Nachblutung konnte mit Tamponaden gestoppt werden. Mit der Begründung, die Operation sei nicht indiziert gewesen, ohne ausreichende Aufklärung, insbesondere ohne seine Zustimmung vom Drittbeklagten, und zudem fehlerhaft durchgeführt worden, verlangte der Patient nun ein Schmerzensgeld von 75.000 Euro.

Zu Unrecht, sagt das Oberlandesgericht Hamm, das keine fehlerhafte Behandlung und auch keine Aufklärungspflichtverletzung feststellen konnte. Der chirurgische Eingriff sei indiziert gewesen, nachdem eine vorherige konservative Therapie erfolglos geblieben war. Das bestätige auch ein zuvor erhobener CT-Befund. Während und nach der Operation sei der Kläger nicht fehlerhaft behandelt worden. Auf die Nachblutung hätten die Ärzte fachgerecht reagiert. Lebensgefahr habe nicht bestanden. Schließlich falle den Beklagten auch kein Aufklärungsversäumnis zur Last. Auch den vom Patienten vor der Operation abgegebenen Einverständniserklärungen sei nicht zu entnehmen, dass der Patient nur vom Chefarzt operiert werden wolle. Der Vertrag benenne zudem den Operateur als ärztlichen Vertreter des Chefarztes. Das könne man so verstehen, dass der Patient auch mit einer vom Vertreter ausgeführte Operation einverstanden gewesen sei. Abgesehen von der Frage der Arztwahl sei der Kläger am Tage vor der Operation rechtzeitig und auch zutreffend über das Risiko einer Nachblutung aufgeklärt worden.