Kategorie: Erbrecht

Das Ehegattentestament – 2. Folge

12.06.2008, Autor: Herr Werner Wagner (3284 mal gelesen)
Rechtsanwalt Werner Wagner
Welche Möglichkeiten bestehen bei der Errichtung eines Ehegattentestamentes?
Beide Eheleute können jeweils ein Einzeltestament errichten. In diesem Falle ist die Wirk-samkeit der beiden Testamente nicht voneinander abhängig. Ein Testament bleibt dem-nach auch dann wirksam, wenn der Ehepartner sein Testament vernichtet oder durch ein neues Testament andere Regelungen getroffen hat. Dies unabhängig davon, ob der Ehe-partner von der Änderung oder Vernichtung des Testamentes Kenntnis hat.
Beim gemeinschaftlichen Ehegattentestament ist, wie bereits in der letzten Folge ausge-führt wurde, zu Lebzeiten des anderen Ehepartners eine Änderung des Testamentes nur möglich, wenn entweder beide Eheleute ein neues gemeinsames Testament errichten
oder aber eine notariell zu beurkundende und dem Ehepartner zuzustellende Widerrufser-klärung erfolgt ist. Ohne Kenntnis des Ehepartners werden somit die Anordnungen im gemeinschaftlichen Testament nicht unwirksam.
Anstelle eines gemeinschaftlichen Ehegattentestamentes kann auch ein Erbvertrag durch die Eheleute errichtet werden. Ein solcher Erbvertrag ist, damit er rechtswirksam wird, no-tariell zu beurkunden.
Anstelle eines handschriftlich zu errichtenden Ehegattentestamentes kann dieses auch notariell beurkundet werden.
Falls Sie privatschriftlich ein Testament errichten, ist Folgendes zu beachten:
a) Es muss erkennbar sein, dass es sich um ein Testament handelt. Dies erfolgt übli-cherweise dadurch, dass es als „Testament“ bezeichnet wird.
b) Das Testament muss vollständig von Hand geschrieben und unterzeichnet sein. Beim gemeinschaftlichen Ehegattentestament reicht es aus, wenn einer der Ehe-gatten das Testament von Hand schreibt und dieses dann anschließend von bei-den Eheleuten unterzeichnet wird.
c) Ort und Datum der Errichtung sollen angegeben werden. Die Wirksamkeit eines Testamentes ist hiervon zwar nicht unbedingt abhängig. Allerdings können diese Angaben dann von Bedeutung sein, wenn ein weiteres Testament errichtet wird. Das spätere Testament hebt das früher errichtete Testament auf. Damit festgestellt werden kann, bei welcher der unterschiedlichen Testamentsurkunden es sich um die frühere bzw. spätere Urkunde handelt, werden diese sinnvollerweise jeweils mit dem Datum der Errichtung versehen.
d) Sinnvoll ist es des Weiteren, ein Testament bei Gericht zu hinterlegen. Durch die „amtliche Verwahrung“ bei Gericht wird sichergestellt, dass nach dem Tode des Testierenden das Testament auch tatsächlich auftaucht und nicht durch eine Per-son, die das Testament zu Hause auffindet und mit dem Inhalt nicht einverstanden ist, vernichtet wird.
Welchen Inhalt soll das Ehegattentestament haben?
Grundsätzlich ist zu beachten, dass im Ehegattentestament zwei Erbfälle geregelt werden, nämlich
a) die Erbfolge nach dem Tode des ersten Ehepartners und
b) die Erfolge nach dem Tode des zweiten Ehepartners.
Nach dem Tode des ersten Ehepartners wird das Testament durch das zuständige Nach-lassgericht eröffnet. Dies bedeutet, dass Kopien der Testamentsurkunde an die gesetzli-chen Erben des Erblassers übersandt werden. Diese erfahren dann gegebenenfalls, dass sie enterbt wurden.
Grundsätzlich sollen nach dem Tode des ersten Ehepartners nur dessen letztwilligen Ver-fügungen den potentiellen Erben mitgeteilt werden. Allerdings sieht es in der Praxis so aus, dass oft auch die im Testament enthaltenen letztwilligen Verfügungen des längerle-benden Ehepartners den Erben mitgeteilt werden. Allerdings besteht für das Gericht oft auch keine andere Möglichkeit, wenn nämlich die Verfügungen beider Ehepartner von der Formulierung des Testamentes her nicht voneinander getrennt werden können. Falls in Ihrem Testament daher Verfügungen enthalten sind, die beim Tode des ersten Ehepart-ners den gesetzlichen Erben nicht zugänglich gemacht werden sollen, empfiehlt es sich, die Formulierungen im Testament so zu wählen, dass die Verfügungen der beiden Ehe-partner getrennt eröffnet werden können. Dies geschieht beispielsweise in der Art und Weise, dass die Anordnungen des längerlebenden Partners in einen gesonderten Absatz aufgenommen werden.


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  4,0/5 (5 Bewertungen)

Hier finden Sie Anwälte für Erbrecht an Ihrem Ort (alphabetisch sortiert)
A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z Ö Ü

Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
2017-05-30, Redaktion Anwalt-Suchservice
Mit Hilfe eines Testaments können Sie festlegen, was nach Ihrem Ableben mit Ihrem Vermögen passieren soll. Die gesetzliche Erbfolge kann per Testament abgeändert werden. Allerdings werden bei der Erstellung von Testamenten oft Fehler gemacht, die zu Streitigkeiten unter den Erben führen.
2017-08-09, Redaktion Anwalt-Suchservice
Was soll und was muss im Testament stehen? Das ist die Testamentsgestaltung, die vielen Vererben Kopfzerbrechen bereitet. Denn wer sich die Mühe macht, ein Testament zu erstellen, möchte auch, dass sein Wille letztlich Realität wird.
Redaktion Anwalt-Suchservice
Das Recht der Testamentsgestaltung umfasst die gesetzlichen Rahmenbedingungen, unter denen ein Erblasser ein Testament aufsetzen kann und darf. Das Testament wird auch letztwillige Verfügung genannt.
2017-06-22, Redaktion Anwalt-Suchservice
Eine Nachlassregelung umfasst eine Regelung zur Geltendmachung des eigenen Willens im Todesfalle. Sie beinhaltet Vorgaben zur Aufteilung von Vermögen des Verstorbenen (Erblasser).
2017-05-22, Redaktion Anwalt-Suchservice
Ein Berliner Testament ist ein besonderes Testament für Ehegatten. Mit Hilfe dieses gesetzlich geregelten Testamentsmodells können sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen. Beim Berliner Testament erbt der eine Ehegatte vom anderen, erst beim Ableben des zweiten sind die Kinder bzw. die sonstigen Erben am Zug.
2010-11-15, Quelle: Redaktion Anwalt-Suchservice (345 mal gelesen)

Nach einer EMNID-Umfrage des Deutschen Forum für Erbrecht haben von den über 60-jährigen nahezu 43 Prozent noch kein Testament oder Erbvertrag verfasst...

sternsternsternsternstern  3,9/5 (27 Bewertungen)
2012-08-08, Quelle: Redaktion Anwalt-Suchservice (200 mal gelesen)

Nach einer  EMNID-Umfrage des Deutschen Forum für Erbrecht haben von den über 60-jährigen nahezu 43 Prozent noch kein Testament oder Erbvertrag verfasst. Allerdings haben mehr als ein Viertel der Befragten Streit bei der Abwicklung eines Erbfalls...

sternsternsternsternstern  4,2/5 (11 Bewertungen)
2016-01-20, Autor Anton Bernhard Hilbert (446 mal gelesen)

Die Gefahr des Verlustes umschwebt das Testament. Jedenfalls dann, wenn es nicht hinterlegt ist. Wird der Verlust erst im Erbfall bemerkt, kann es nicht wiederholt werden. Dennoch muss damit nicht alles verloren sein. ...

sternsternsternsternstern  4,6/5 (57 Bewertungen)
2012-08-09, Quelle: Redaktion Anwalt-Suchservice (269 mal gelesen)

Bei der Errichtung eines Testamentes gibt es Formvorschriften, die in jedem Fall eingehalten werden müssen, ansonsten ist das Testament ungültig. Hier ein paar Tipps zum Inhalt, der Form und der Aufbewahrung eines Testaments:

- Inhalt des...

sternsternsternsternstern  3,8/5 (18 Bewertungen)
2013-04-24, Redaktion Anwalt-Suchservice (88 mal gelesen)

Jede dritte Ehe wird laut statistischem Bundesamt derzeit in Deutschland geschieden. Eine Ehe kann rechtlich grundsätzlich nur durch eine Scheidung beendet werden. Wir haben Ihnen die Voraussetzungen für eine Ehescheidung zusammengestellt:...

sternsternsternsternstern  4,0/5 (7 Bewertungen)
weitere Rechtstipps in der Rubrik Erbrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Erbrecht
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK