Der Sprung aufs Autodach: Privathaftpflicht muss zahlen

28.03.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (240 mal gelesen)
Der Sprung aufs Autodach: Privathaftpflicht muss zahlen © Sabphoto – Fotolia.com
Eine Privathaftpflicht soll ja zu den wichtigsten Versicherungen gehören, die es gibt – denn schnell ist im Alltag durch eine Unachtsamkeit ein Schaden passiert, für den man haften muss. Es gibt allerdings Fälle, in denen sich auch bei einer Haftpflicht die Versicherer zu wehren versuchen. So wie in dem folgenden vor dem Bundesgerichtshof verhandelten Fall.

Es ging dabei um ein verbeultes Autodach, für das der mitversicherte Sohn des Versicherungsnehmers verantwortlich war. Aber nicht durch jugendlich-dynamische Trampolinsprünge oder ähnliches – nein, der junge Mann hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Er war zu diesem Zweck vom obersten Stockwerk eines Parkhauses gesprungen. Dabei traf er allerdings auf das nachgiebige Autodach statt auf harten Teer und überlebte. Das Auto sah danach nicht mehr allzu präsentabel aus. Sein Vater reichte nun den Schaden des wenig erfreuten KfZ-Halters bei seiner Privathaftpflichtversicherung ein. Diese pochte auf ihre Versicherungsbedingungen und weigerte sich zu zahlen: Versichert seien nur Schäden aus Gefahren des täglichen Lebens, aber nicht solche aus einer ungewöhnlichen oder gefährlichen Betätigung. Vom Dach zu springen, sei letzteres.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ließ die Versicherung jedoch zahlen. Der Versuch, sich umzubringen, sei durchaus noch im Rahmen der "Gefahren des täglichen Lebens" – unabhängig davon, ob dies eine sozial anerkannte Vorgehensweise sei. Denn jedes Verhalten des Versicherungsnehmers als Privatperson sei versichert, solange es nicht als ungewöhnliche oder gefährliche Betätigung zu betrachten wäre und der Schaden nicht mit Vorsatz verursacht werde.

Und auch an einer ungewöhnlichen und gefährlichen Betätigung fehle es hier. Denn der Sprung sei bereits das Schadensereignis, es müsse aber vorher eine gefährliche Betätigung gegeben haben, damit der Ausschluss greife. Ob der Schadensverursacher versehentlich vom Parkhaus gestürzt oder gesprungen sei, sei nicht entscheidend.

Also wäre die Versicherung hier vielleicht um eine Zahlung herumgekommen, wenn der junge Mann auf dem Parkhausdach Rampensprünge mit dem Skateboard geübt hätte und dabei abgestürzt wäre. Da er aber so etwas gerade nicht getan hatte, stand er beim Sprung unter Versicherungsschutz.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 25.6.1997, Az. IV ZR 269/96