Dog-Sharing: Mein Hund, dein Hund, unser Hund

03.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (310 mal gelesen)
Dog-Sharing: Mein Hund, dein Hund, unser Hund © hemlep - Fotolia.com
Ein Hund ist ein treuer Weggefährte, bedeutet aber auch Arbeit und braucht viel Auslauf und Aufmerksamkeit. Warum sich also nicht Auslauf und Arbeit teilen? Dog-Sharing liegt im Trend. Allerdings gibt es dabei auch rechtliche Fragen.

Wer kümmert sich um Wuffi?
Es kann vorkommen, dass sich ein Hundehalter nicht mehr so um sein Tier kümmern kann, wie es notwendig wäre. Denn Hunde brauchen nicht nur Gesellschaft und Unterhaltung, sondern auch viel Auslauf, und ein Daueraufenthalt in der Wohnung ist wenig artgerecht. Wenn jedoch gesundheitliche Einschränkungen den Halter an die Wohnung fesseln, ein neuer Arbeitsplatz mehr Stunden beansprucht, ein neuer Chef nicht mehr erlaubt, dass der Hund ins Büro mitgebracht wird – dann kann der Hundehalter den Bedürfnissen seines Tieres schnell nicht mehr gerecht werden. Ist dies nun gleich ein Grund, den Hund abzuschaffen?

Wie funktioniert Dog-Sharing?
Beim Dog-Sharing kommen zwei Personen zusammen: Eine, die einen Hund hat, sich aber nicht ausreichernd um ihn kümmern kann, und eine zweite, die einen Hund haben möchte, aber dies aus irgendeinem Grund nicht kann. Vielleicht liegt der Grund in der Wohnsituation, in wenig hundefreundlichen Vermietern und Nachbarn, oder auch in einem Partner mit Tierhaarallergie. Kommt die zweite Person nun mit Person eins zusammen, können sich beide das Tier gewissermaßen teilen. Allerdings bleibt der bisherige Halter der Eigentümer. Wer nun welche Rechte und Pflichten hat, kann und sollte durch eine klare Absprache geregelt werden. So kann zuum Beispiel Person Nummer Zwei den Hund jeden Tag ein paar Stunden betreuen.

Wer trägt die finanzielle Verantwortung?
In rechtlicher Hinsicht hat ein Hund nur einen Tierhalter. Und dieser ist auch für die Finanzen verantwortlich. An erster Stelle steht dabei die an die Gemeinde zu zahlende Hundesteuer. Aber auch Futter und Tierarzt verursachen Kosten. Natürlich kann zwischen den Sharing-Partnern auch abgesprochen werden, dass beide einen Kostenanteil übernehmen. Dabei bleibt jedoch eine Person der verantwortliche Tierhalter, über den alle Zahlungen abgewickelt werden.

Wer haftet für Schäden oder Bissverletzungen?
Verursacht ein Tier Schäden oder Verletzungen, haftet der Tierhalter dafür nach § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches auf Schadensersatz und ggf. auch auf Schmerzensgeld. Diese Haftung ist verschuldensunabhängig. Das bedeutet: Beißt Bello beim Gassigehen mit jemand anderem einen vorbeiradelnden Postboten, muss der Hundehalter zahlen. Egal, ob er etwas dafür kann, oder nicht. Darum ist eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung unerlässlich. Mit dieser sollte abgesprochen werden, dass eine andere Person als der Halter das Tier ausführt. Manche Hunde-Haftpflichtversicherungen schließen die Betreuung durch einen fremden Gassigeher auch ohne Aufpreis gleich mit in den Vertrag ein – solange es sich nicht um eine gewerbliche Leistung handelt. Hier ist es also wichtig, sich genau über die Versicherungsbedingungen zu informieren.

Woher bekommt man einen Sharing-Partner?
Es gibt bereits Vermittlungs-Portale im Internet, die sich mit diesem Thema befassen, darunter auch solche, die unbezahlte Tierfreunde als Tiersitter vermitteln. Etwas Vorsicht ist trotzdem geboten. "Tiersitter" ist keine geschützte Berufsbezeichnung, so darf sich jeder nennen. Und noch so fantasievolle Zertifikate und Verifizierungen in Online-Angeboten sind Schall und Rauch, wenn der Anbieter im Kleingedruckten darauf hinweist, dass der Kunde selbst darauf achten muss, dass sein Tierbetreuer verantwortungsbewusst und kompetent ist. Hier ist der Mundpropaganda über den Bekanntenkreis der Vorzug zu geben – allerdings wird dies nicht immer möglich sein.

Wer ist der Leitwolf?
Gehen zwei Personen mit einem Hund um, muss der Hund lernen, beide zu respektieren und auch beiden zu gehorchen. Dies kann einen gewissen Konflikt bedeuten. Ob der Hund zwei Personen gleichermaßen als "Herrchen" oder "Frauchen" akzeptiert, ohne sein Verhalten zu ändern, kann niemand garantieren. Dies hängt vom Wesen des jeweiligen Hundes ab und kann durchaus problematisch sein. Jedenfalls ist es wichtig, dass beide ihren Umgang mit dem Hund angleichen, die gleichen Befehle geben und kein widersprüchliches Verhalten zeigen – etwa ihm etwas erlauben, was er bei der anderen Person nicht darf. Wichtig ist eine Eingewöhnungszeit, auch mit gemeinsamen Spaziergängen mit beiden. Natürlich sollten sich auch die beiden Hundefreunde gut verstehen, denn ein Hund bedeutet Verantwortung für ein lebendes Wesen, das gut und gerne 15 Jahre alt wird.

Kommerzielles Dog-Sharing
Es gibt bereits Anbieter, die Hunde vermieten. Dies ist sehr kritisch zu sehen, da der Hund sich kurzfristig ständig an wechselnde Bezugspersonen gewöhnen soll – was oft nicht funktioniert und für das Tier Stress bedeutet. Allerdings gibt es auch Konzepte, bei denen vorwiegend an Senioren kleinere Hunde auf Lebenszeit gegen eine monatliche Gebühr inklusive Nebenkosten und Futterlieferung vergeben werden und der Anbieter das Tier im Fall von Erkrankung oder Tod zurücknimmt.