Eishockey: Wenn der Puck Zuschauer trifft

11.12.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (312 mal gelesen)
Eishockey: Wenn der Puck Zuschauer trifft © Oliver Boehmer - Fotolia.com
Im Versicherungsrecht gibt es den Begriff der "gefahrgeneigten Sportarten". Diese sind zwar kein Kampfsport, werden aber ähnlich behandelt. Eishockey zählt sicher dazu – nur geht man normalerweise nicht davon aus, dass auch Zuschauer Gefahren ausgesetzt sind.

Eine Frau hatte als Zuschauerin einem Eishockeyspiel beigewohnt. Es kam dabei zu einer spannenden Szene: Der Spieler mit der Nummer 42 geriet in Bedrängnis, setzte zu einem machtvollen Befreiungsschlag an und schoss den Puck nicht etwa ins gegnerische Tor, sondern über die Bande und genau gegen den Kopf der Zuschauerin. Diese erlitt erhebliche Verletzungen und litt auch lange nach dem Kopftreffer noch unter Schmerzen, Schlafstörungen und Angstzuständen. Demgemäß verklagte sie den Stadionbetreiber auf Schadensersatz. Schließlich sei bekannt, dass in jedem Spiel ein bis zwei Pucks über die Bande flögen – ein Sicherheitsnetz gebe es nicht. Darin sah sie eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht. Der Betreiber sah das erwartungsgemäß anders: Durch heumfliegende Pucks entstünde so gut wie keine Gefahr.

Das Gericht stellte mit Hilfe von Zeugenaussagen fest, dass es durchaus nicht unüblich sei, dass Pucks während eines Spiels das Spielfeld verlassen und in den Zuschauerraum fliegen. Der Beklagte haben keinen Grund genannt, warum man an den Längsseiten des Stadions keine Sicherheitsnetze aufhängen könne. Auch der Mannschaftsarzt der spielenden Mannschaft berichtete über zwei Fälle, in denen Pucks bereits Zuschauer getroffen und verletzt hätten.

Befremdet reagierte das Gericht auf das Argument, die Klägerin sei selbst schuld, da sie sich zum Zeitpunkt des Unfalls mit ihrem Begleiter unterhalten habe, statt auf die Umgebung zu achten. Das Gericht hielt es für unsinnig, von den Zuschauern ein totales Kommunikationsverbot und ständiges Starren auf den Puck zu verlangen. Das Landgericht Regensburg verurteilte den Stadionbetreiber zur Zahlung von Schadensersatz.

Fazit: Manche Sportarten bergen unerwartete Gefahren – auch für die Zuschauer.

LG Regensburg, Endurteil vom 18.3.2015, Az. 3 O 1702/10