Emanzipation: Ist eine Tierärztin eine Doctora?

19.06.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (223 mal gelesen)
Emanzipation: Ist eine Tierärztin eine Doctora? © DragoNika - Fotolia.com
Für viele ursprünglich männliche Berufsbezeichnungen gibt es ein weibliches Pendant. Denn immerhin werden diese Berufe gleichermaßen von Frauen ausgeübt. In einigen Fällen wird es jedoch sprachlich schwierig, die Gleichberechigung umzusetzen. So plagte sich das Verwaltungsgericht Hannover mit dem Ansinnen einer Tierärztin, ihr den akademischen Titel "Doctora" zu verleihen.

Die Klägerin hatte Tiermedizin studiert und ihrer Universität eine Änderung der Promotionsordnung vorgeschlagen. Danach sollte weiblichen Absolventen der Titel "Doctora medicinae veterinariae" verliehen werden. Die Uni ging darauf nicht ein. Nachdem sie mit "sehr gut" promoviert hatte, erhielt sie den Titel eines "Doctor medicinae veterinariae". Umgehend beantragte sie die Verleihung des Titels in der weiblichen Form, abgekürzt "Dr. 'a med.vet.". Die Universität lehnte ab: Die lateinische Sprache kenne eine solche Form nicht. "Doctor" sei keine männliche Fassung, sondern beziehe sich grammatisch korrekt auf beide Geschlechter. Die Tierärztin widersprach dieser Ansicht.

Die von der Universität befragte Landeshochschulkonferenz wollte ebenfalls den Begriff "Doctora" nicht aufkommen lassen. Das zuständige Ministerium gab das Problem elegant an die einzelnen Hochschulen zurück, die jeweils eigene Promotionsordnungen haben. Die Universität wies nun den formellen Widerspruch der Tierärtzin zurück: "Doctor" sei geschlechtsneutral.

Die Tierärztin erhob nun Klage und begründete diese unter anderem mit verschiedenen anderen Titelformen (Magister / Magistra). Unter einer "Frau Doktor" könne sowohl eine Ärztin wie auch die Ehegattin eines Arztes verstanden werden – dies sei unakzeptabel. Sie berief sich auf eine Verletzung ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts und des Gleichheitsgebotes.

Offenbar hatte eine der beteiligten Seiten darauf hingewiesen, dass die lateinisch korrekte Form eigentlich "Doctrix" lauten müsse. Damit konnte sich die Dame nun gar nicht abfinden – denn hier kämen unerwünschte Assoziationen zu gewissen aus Comics bekannten unbeugsamen Galliern auf, und ihr akademischer Grad werde ins Lächerliche gezogen.

Das Verwaltungsgericht beschäftigte sich mit der lateinischen Sprache und machte die Universität darauf aufmerksam, dass "Doctor" sehr wohl eine männliche Wortform sei. Dies änderte allerdings nichts daran, dass es weder im niedersächsischen Hochschulrecht noch sonstwo eine Rechtsgrundlage dafür gebe, der Tierärztin die von ihr gewünschte Bezeichnung zu verleihen. Die korrekte, lateinische Form sei hier tatsächlich "Doctrix". Wenn die Klägerin dies nicht wolle, könne man keine Abhilfe schaffen, indem man neue Wörter erfinde. Eine "doctora" existiere im Lateinischen nun einmal nicht, es gebe ja auch keinen "doctorus". Allerdings: Nach den gesetzlichen Gleichstellungsregeln müsste die Promotionsordnung der Uni zumindest die Möglichkeit enthalten, den deutschen Titel "Doktorin" zu erteilen. Hier habe die Uni nachzubessern. Auf diesen Titel hatte die Klägerin jedoch nicht abgezielt.

Die Tierärztin musste sich damit also als "Doctor med .vet." bezeichnen. Was sie gegen die bekannten Comic-Gallier Asterix und Obelix hatte, ging aus der Urteilsbegründung nicht hervor – vielleicht war es deren radikaler Umgang mit Wildschweinen...

VG Hannover, Urteil vom 22.03.2000, Az. 6 A 1529/98