Falscher Polizist muss Aufsatz schreiben

06.11.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (184 mal gelesen)
Falscher Polizist muss Aufsatz schreiben © benjaminnolte - Fotolia.com
Immer wieder einmal kommt es vor, dass ein nicht verbeamteter Normalbürger in die Rolle eines Polizisten schlüpft. Ganz besonders anziehend scheint dabei der Bereich "Verkehrskontrolle" zu sein.

So geschah es auch in München. Ein 19jähiger war zusammen mit einem Bekannten auf die Idee gekommen, "Polizei zu spielen." Er hatte sich einen schwarzen BMW 116i mit französischem Kennzeichen gemietet. In Onlineshops erwarb er ein Blaulicht und einen LED-Blitzer. In einer Nacht im Juni stand er mit seinem Bekannten auf dem Beifahrersitz am Straßenrand. Als ein Auto vorbeifuhr, folgte er diesem und schaltete das auf dem Autodach befestigte Blaulicht ein sowie den blauen LED-Blitzer hinter seiner Windschutzscheibe. Der Fahrer des anderen Fahrzeugs ging von einer Polizeikontrolle aus und tat das Nächstliegende – er hielt am rechten Fahrbahnrand an. Nun stoppte auch das "Polizeifahrzeug", und der 19jähige stieg aus. Mit einer Warnweste bekleidet kam er zum Fahrerfenster des anderen Autos und verlangte, Führerschein und Fahrzeugpapiere zu sehen.

Ab hier ging die Sache jedoch schief. Denn der Fahrer des gestoppten Autos kannte den 19jährigen und wusste, dass dieser kein Polizeibeamter war. Er quittierte die Forderung nach den Papieren mit Kopfschütteln, fuhr weiter und verständigte per Notruf die echte Polizei.

Das Münchner Amtsgericht wollte dem Angeklagten mit einiger Dringlichkeit klarmachen, dass solcher Unsinn auf bayerischen Straßen nichts verloren hat. 1.000 Euro musste er an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Dazu kam ein Fahrverbot von drei Monaten, denn immerhin verstößt ein solches Verhalten auch gegen die Pflichten eines Fahrzeugführers. Nicht zuletzt wurden Blaulicht und LED-Blitzer eingezogen.

Allerdings reichte dies dem Gericht noch nicht ganz. Es vermutete, dass der Angeklagte ein irgendwie ungesundes Verhältnis zu staatlichen Machtsymbolen hat. Nun hatte dieser angegeben, sein Berufswunsch für die Zukunft sei Soldat. Das Gericht verdonnerte ihn daher außerdem noch dazu, einen zweiseitigen Aufsatz zu schreiben mit dem Thema "Warum möchte ich Soldat werden? Was bedeutet mir die Uniform?"

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass der Angeklagte sich das Urteil zu Herzen nimmt und der Aufsatz Früchte trägt. So kann vielleicht verhindert werden, dass er das nächste Mal als General auftritt.

Amtsgericht München, Urteil vom 17.8.2016, Az. 1034 Ds 468 Js 178122/16