Kategorie: Versicherungsrecht

Frostschaden: Wann zahlt die Versicherung?

10.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (132 mal gelesen)
Frostschaden: Wann zahlt die Versicherung? © Edler von Rabenstein - Fotolia.com
Die Heizung aus, und ab nach Mallorca – bei der Rückkehr droht manchem deutschen Winterurlauber eine böse Überraschung. Auch die Frostschutzeinstellung der Heizung bewahrt nicht unbedingt vor Schaden.

Wie entsteht ein Frostschaden?
Wasser vergrößert sein Volumen um etwa neun Prozent, wenn es gefriert. Dies gilt auch für Wasser in Leitungsrohren, Heizkesseln, Heizkörpern und den Heizschlangen von Fußbodenheizungen. So sprengt das Wasser diese Installationen auf, und sobald es taut, kommt es zu einer Überschwemmung, die weitere Schäden anrichtet. Moderne Häuser haben oft Laminat- und Holzfußböden sowie einen aufwändigen Wand- und Zwischendeckenaufbau. Durchfeuchtete Dämmungen sind besonders problematisch: Sie sind wirkungslos und ein Garant für künftigen Schimmelbefall. Jährlich zahlen die Versicherungen in Deutschland über zwei Milliarden Euro für Leitungswasserschäden aus.

Welche Versicherung bezahlt?
Je nach Lage des Falles kann die Hausratsversicherung, die Gebäudeversicherung oder die Haftpflichtversicherung zuständig sein. Hausratsversicherungen decken meist Frostschäden durch Leitungswasser ab, hier sind aber nur bewegliche Gegenstände wie Möbel, Elektrogeräte oder Kleidungsstücke versichert – eben der Hausrat. Sind Leitungswasserschäden nicht abgedeckt, empfiehlt sich eine Vertragserweiterung. Die Hausratsversicherung kann von Mietern abgeschlossen werden, aber auch von Eigentümern, die ihre Immobilie selbst bewohnen.

Die Wohngebäudeversicherung
Die Wohngebäudeversicherung deckt Schäden am Gebäude und seinen Bestandteilen ab. Heizkörper, Rohre und Heizkessel gehören in der Regel dazu, ebenso wie die Einbauküche oder der Parkettfußboden. Allerdings muss auch hier das Risiko "Leitungswasser" in den Vertrag eingeschlossen sein. Häufiges Problem: Allmählich entstandene Schäden an Rohren und Leitungen sind oft nicht versichert. Diese müssen meist gegen Aufpreis in den Vertrag eingeschlossen werden. Haben sich also die Schäden durch eine länger wirkende Einwirkung von Frost oder gar Materialermüdung ergeben, besteht das Risiko, dass der Versicherte auf seinem Schaden sitzen bleibt. Hier lohnt ein Blick in den Vertrag.

Die Privathaftpflicht
Die Privathaftpflichtversicherung ist zuständig, wenn der Eigentümer oder Mieter einer Wohnung einen Wasserschaden zu verantworten hat, durch den ein anderer geschädigt wurde – etwa der Bewohner der Wohnung unter ihm.

Worauf müssen Versicherungsnehmer achten?
Der Versicherungsschutz kann nach dem Versicherungsrecht in allen Versicherungen eingeschränkt sein, wenn der Versicherte seine vertraglichen Obliegenheiten oder allgemeine Sorgfaltspflichten nicht beachtet. Bei Frost sollten zum Beispiel alle Wasserhähne, die draußen angebracht sind, abgestellt und die Leitungen entleert werden. Es gibt bereits frostsichere Außenwasserhähne, die bei Neubauten eingesetzt oder nachgerüstet werden können. Bei längerer Abwesenheit empfiehlt es sich, auch Wasserleitungen im Haus zu entleeren und den Haupthahn zuzudrehen. Eine regelmäßige Kontrolle durch Freunde oder Nachbarn ist ebenfalls dringend zu empfehlen. Bei winterlichen Temperaturen darf die Heizung nicht ganz abgestellt werden.

Kein Versicherungsschutz trotz Frostwächter?
Die Heizung nur auf Frostschutz einzustellen, reicht möglicherweise nicht aus. Ein Rentner hatte sich im Winter für sieben Wochen nach Mallorca begeben und bei seiner Heizung nur die niedrigste Einstellung, den "Frostwächter" aktiviert. Seine Tochter hatte er gebeten, ein- bis zweimal in der Woche zu kontrollieren, ob alles in Ordnung war. Es gab jedoch starken Frost, und eines Tages fiel der Strom aus. Die Heizung war außer Betrieb, ohne dass der Tochter dies auffiel. Dem Frost fielen diverse Rohre und Heizkörper zum Opfer. Der Schaden betrug rund 4.000 Euro. Die Gebäudeversicherung zahlte nicht. Ihrer Ansicht nach hätte das Haus häufiger, vorzugsweise täglich, kontrolliert werden müssen.

Zu wenig kontrolliert
Das Landgericht Bonn bestätigte diese Ansicht der Versicherung. Werde die niedrigstmögliche Einstellung "Frostwächter" gewählt, müsse in einer Frostperiode bei einem Heizungsausfall damit gerechnet werden, dass das Haus besonders schnell auskühle. Deshalb seien bei Frost tägliche Kontrollen nötig – nicht nur eine oder zwei pro Woche (Urteil vom 21. November 2006, Az. 10 O 203/06). Außerdem warf das Gericht dem Hauseigentümer vor, dass er die Tochter nur angewiesen hatte, das Haus allgemein zu kontrollieren. Die Kontrolle hätte sich aber auch darauf beziehen müssen, dass die Heizung tatsächlich funktionierte und das Haus ausreichend erwärmte, um Frostschäden vorzubeugen.


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