Hobby-Fußball: Die verhängnisvolle Grätsche

09.10.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (212 mal gelesen)
Hobby-Fußball: Die verhängnisvolle Grätsche © bluedesign-Fotolia.com
Ein Hobbyfußballer aus Bonn ist vor einigen Tagen lebenslang gesperrt worden. Er hatte im September 2015 einen Gegner zu Boden geschlagen und war dann auf den Schiedsrichter losgegangen. Eine Strafanzeige folgte und eine Zivilklage auf Schmerzensgeld wird sich wohl anschließen. Doch wie sieht es mit einem Schmerzensgeldanspruch aus, wenn ein Spieler durch ein Foulspiel verletzt wird?

50.000 € Schmerzensgeld
Das OLG Hamm hat im Oktober 2012 (Az.: I-6 U 241/11) einem Hobby-Kicker aus Lünen nach einem Foulspiel 50.000 € Schmerzensgeld zugesprochen. Der junge Mann war damals in der Dortmunder Kreisliga A von seinem Gegenspieler mit gestrecktem Bein attackiert worden. Er verletzte sich schwer am Knie und wurde in der Folgezeit zwölf Mal operiert. Seinen Beruf als Maler und Lackierer kann er seitdem nicht mehr ausüben. Der Schiedsrichter ahndete das Foulspiel lediglich mit einer gelben Karte. Deshalb sprach der Gegenspieler später auch von einer unglücklichen Verletzung nach einem regelgerechten Zweikampf um den Ball. Der Lüner Fußballer klagte dennoch wegen grob regelwidriger Spielweise auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Vor dem LG Dortmund bekam er bereits in erster Instanz Recht zugesprochen. Neben dem Schmerzensgeld erhielt er zudem Schadensersatz für Ausfall- und Krankengeld und für Folgeschäden bei der Berechnung der Rente.

Zwar begründe nicht jedes Verhalten eines Fußballspielers mit Verletzungsfolgen für einen Mitspieler eine Haftung des Schadensverursachers; der Beklagte habe den zur Verletzung des Klägers führenden Zweikampf jedoch ohne jede Rücksicht auf die Gefahr und die Folgen für den Gegner geführt, waren sich die Richter nach der Beweisaufnahme sicher.

Furcht vor einer Klagewelle
Beim DFB ging daraufhin die Furcht vor einer Klagewelle um, da der Ansatz des Schmerzensgeldes durch die Richter in Hamm doch außergewöhnlich hoch war. Klagen im Amateurbereich sind zwar keine Seltenheit, doch sind die Strafen in der Regel geringer. So hat das LG Münster im Dezember 2002 (Az.: 10 O 586/02) einem Altherren-Spieler für einen Knöchel- und Wadenbeinbruch, verursacht durch eine Grätsche des Gegenspielers von hinten, ein Schmerzensgeld von 4.500 € zugesprochen. Das OLG München hat im Februar 2009 (Az.: 20 U 3523/08) einem C-Jugendspieler für eine ähnliche Verletzung, durch eine Grätsche des Gegners von der Seite, immerhin 15.000 € Schmerzensgeld zugesprochen.

Versicherungsschutz wirkt nicht anspruchsbegründend
Der BGH in Karlsruhe hat in der Vergangenheit in einem ähnlich gelagerten Fall die Klage eines Fußballers in letzter Instanz abgewiesen (Urt.: v. 27.10.2009, Az.: VI ZR 296/08). Auch hier war der Gegenspieler mit gestrecktem Bein in den Kläger gerauscht. Das Gericht ging aber davon aus, dass der Übeltäter nicht schuldhaft gegen die Regeln des sportlichen Wettkampfs verstoßen habe. Dass bei einem Wettkampf wie einem Fußballspiel ein Spieler einen anderen verletzt, begründe für sich genommen noch keinen Sorgfaltspflichtverstoß, so die Richter. Das Bestehen eines Haftpflichtversicherungsschutzes wirke zudem grundsätzlich nicht anspruchsbegründend.