Im Zoo vom Affen gebissen: Selber schuld?

28.08.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (419 mal gelesen)
Im Zoo vom Affen gebissen: Selber schuld? © mdennah - Fotolia.com
Ein Zoobesuch sollte eigentlich eine eher positive wenn nicht gar vergnügliche Erfahrung sein. Wenn ein Zoobesucher allerdings von einem der Tiere verletzt wird, stellt sich schnell die Frage nach der Haftung. Dabei kann nicht automatisch der Zoo verantwortlich gemacht werden.

Eine 65jährige hatte mit Bekannten den Zoo von Aschersleben besucht. Dort gab es eine besondere Attraktion: Ein begehbares Freigehege mit Affen. Diese waren von den Besuchern also nicht durch Gitter getrennt. Kaum hatte die Frau das Gehege betreten, passierte es auch schon: Ein Totenkopfäffchen sprang – und landete auf dem Kopf der Frau. Diese erschrak und riss die Hände nach oben. Der kleine Affe fühlte sich nun bedroht und biss ihr in den Finger. Die Wunde entzündete sich später; es fielen stationäre Behandlungskosten in Höhe von 5.400 Euro an. Diese bezahlte die gesetzliche Krankenkasse der Zoo-Besucherin. Allerdings wollte die Kasse das Geld von der Stadt als Trägerin des Zoos zurück haben. Der Streit landete schließlich vor Gericht.

Das Landgericht Magdeburg überlegte nun, inwieweit der Frau ein Mitverschulden zuzurechnen sein könnte. Hatte sie sich der Gefahr freiwillig und bewusst ausgesetzt, sich womöglich sogar falsch verhalten? Alles hing von der Interpretation der Warnschilder ab, die der Zoo vor das Affengehege gestellt hatte. Diese lauteten:

- "Betreten auf eigene Gefahr!"
- „Affen sind sehr neugierig, können aber auch empfindlich zubeißen“
- "Bitte Ruhe! Machen Sie keinen Lärm und keine hastigen Bewegungen!“
- „Hände weg! Auch kleine Affen können empfindlich zubeißen!“

Dazu kamen – für nicht so leselustige Zeitgenossen – noch aufschlussreiche Bilder mit einem brüllenden Affen und einem blutenden Finger.

Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass das Mitverschulden der Frau hier bei 100 Prozent lag. Sie habe sich freiwillig in das Affenhaus begeben, obwohl sie von genau dem Risiko gewusst habe, dass sich bei ihr dann verwirklicht habe. Durch das schnelle Hochreißen der Hände habe sie sich entgegen den Anweisungen auf den Schildern verhalten. Denn aus diesen ginge klar hervor, dass man mit Annäherungsversuchen neugieriger Affen rechnen musste und dann eben keine schnellen Handbewegungen in Richtung der Tiere machen sollte. Die Versicherung musste sich das Verhalten ihrer Kundin zurechnen lassen. Die Klage wurde abgewiesen.

Fazit: Wer Warnschilder ignoriert, bleibt sehr wahrscheinlich auf seinem Schaden sitzen. Positiver Aspekt: Immerhin war es kein Alligator.

Landgericht Magdeburg, Urteil vom 3.11.2010, Az. 10 O 1082/10