In der Abofalle: Was tun, wenn es teuer wird?

08.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (162 mal gelesen)
In der Abofalle: Was tun, wenn es teuer wird? © Oleksiy Mark - Fotolia.com
Schnell ist es passiert: Man klickt einen Button auf einer Website an, um einen vermeintlich kostenlosen Download zu starten – und einige Zeit später flattern Rechnungen ins Haus. Man hat offenbar ein Abonnement mit langer Kündigungsfrist abgeschlossen – und oft tritt als Gläubiger auch noch der eigene Telefonanbieter auf.

Abofallen überall
Handyspiele, Klingeltöne, Musik, Filme oder die vielfältigsten Apps können einen in die Abofalle locken. Da gibt es Apps, um zu ermitteln, welches Sternzeichen am Besten als Partner zu einem passt, welches Lebensalter man erreichen wird, wo die nächste Dönerbude ist – der Auswahl sind keine Grenzen gesetzt. In manchen Angeboten lauern jedoch versteckte Abos.

WAP-Billing: Bequeme Lösung zum Geldverdienen
Schon seit 2010 gibt es das sogenannte WAP-Billing. Die Abkürzung bedeutet "Wireless Application Protocol". Dieses Verfahren erlaubt es Drittanbietern, ihre Gebühren über die Mobilfunkrechnung einzukassieren. Das funktioniert so: Ein Unternehmen bietet Apps oder andere Inhalte zum Download an – meist kostenfrei. Es erlaubt weiteren Anbietern, innerhalb dieses Angebots Werbung zu machen. Eigentlich eine harmlose Sache. Oft erscheint beim Aufruf der entsprechenden App ein Werbebanner des Drittanbieters. Klickt der Nutzer jetzt diese Werbung an, hat er (angeblich) ein Abo abgeschlossen. Praktische Sache: Beim Klick auf das Werbebanner wird die individuelle SIM-Karten-Nummer des Nutzers an den übermittelt, der das Banner geschaltet hat und die damit verlinkte Seite betreibt. Mit dieser MSISDN-Nummer kann er nun die Mobilfunknummer des Nutzers ermitteln und diesem seine Gebühren in Rechnung stellen – und zwar über die normale Handyrechnung und ohne dass das erste Unternehmen als Anbieter der kostenlosen App etwas damit zu schaffen hat. Ein Abo kann im Monat bei zwei bis drei Euro oder auch mal bei 60 liegen.

Wirksamer Vertragsabschluss?
Nun gibt es für den Vertragsabschluss im Internet klare Regeln: Klickt man auf einen Button, kommt nach dem Internetrecht nur dann ein Vertrag zustande, wenn der Nutzer zuvor klipp und klar darüber aufgeklärt wurde, dass der nächste Klick mit Kosten verbunden ist. Demzufolge müssen Bestellbuttons eindeutig gekennzeichnet sein, zum Beispiel mit "kostenpflichtig bestellen" oder "jetzt bezahlen." Ist dies nicht der Fall, ist auch kein rechtsgültiger, wirksamer Abovertrag zustande gekommen.

Praxis und Theorie
Für den Abonnenten wider Willen ist das in der Regel ein schwacher Trost. Denn er erfährt von dem angeblichen Abonnement meist erst dann, wenn er seine nächste Mobilfunkrechnung erhält – meist ist der Rechnungsbetrag schon abgebucht. Und Telefonanbieter verstehen traditionell wenig Spaß, wenn Rechnungsbeträge nicht bezahlt oder womöglich zurückgebucht werden. Es drohen Vertragskündigungen und die Sperrung der SIM-Karte.

Was tun?
Der erste Ansprechpartner ist der Anbieter des Abos. Der Mobilfunkanbieter muss ggf. dessen Adresse herausgeben. Der Nutzer sollte hier den Abschluss eines Abos bestreiten sowie vorsorglich seinen Widerruf erklären und gleichzeitig zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.

Kontaktaufnahme mit dem Mobilfunkanbieter
Dem Mobilfunkanbieter sollte ebenfalls schriftlich mitgeteilt werden, dass der entsprechende Rechnungsposten strittig ist. Dies sollte möglichst schnell stattfinden. Eine Kürzung des Rechnungsbetrages sollte sich ggf. auf diesen Betrag beschränken. Dies bietet sich an, wenn der Abobetrag immer wieder auf der Rechnung erscheint. Im Zweifelsfall kann die Einzugsermächtigung widerrufen und nur der berechtigtermaßen verlangte Betrag überwiesen werden.

Sperrung der SIM-Karte?
Drastiche Maßnahmen des Telefonanbieters kann man verhindern, indem man die Rechnung zunächst unter Vorbehalt bezahlt. Der entsprechende Betrag kann dann später vom Anbieter des Abos wieder zurückverlangt werden, da er nach dem Zivilrecht ohne rechtlichen Grund gezahlt wurde. Hier wird jedoch oft anwaltliche Hilfe erforderlich sein.

Drittanbietersperre
Eine vorbeugende Methode ist die sogenannte Drittanbietersperre. Seit 2012 sind die Mobilfunkanbieter verpflichtet, das WAP-Billing auf Verlangen des Kunden sperren zu lassen. Gebühren dürfen sie allenfalls erheben, um es wieder freizuschalten. So können keine Dienste von Drittanbietern in Anspruch genommen oder abgerechnet werden. Bei manchen Anbietern ist auch eine Sperrung möglich, die die Nutzung bestimmter Drittangebote erlaubt und die aller anderen unterbindet.