Kleintiere in der Mietwohnung: Ab wann muss der Vermieter zustimmen?

29.07.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (566 mal gelesen)
Kleintiere in der Mietwohnung: Ab wann muss der Vermieter zustimmen? © aleksandr - Fotolia.com
Für die Haltung von Kleintieren braucht ein Mieter in der Regel keine Erlaubnis des Vermieters. Nur: Welche Tiere gelten als Kleintiere? Können Hunde Kleintiere sein, was gilt für Katzen und wie verhält es sich mit Farbratten und Vogelspinnen?

Tiere in der Mietwohnung: Die Rechtslage
Mieter dürfen grundsätzlich Haustiere halten. Klauseln in einem standardisierten Mietvertrag, die pauschal die Haustierhaltung verbieten, sind unwirksam. Ebenso Klauseln, die die Haltung von allen Tieren mit Ausnahme von Zierfischen und Ziervögeln von der Zustimmung des Vermieters abhängig machen. Dies hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe schon vor einigen Jahren entschieden (Urteil vom 14.11.2007, Az. VIII ZR 340/06). Denn: Kleintiere darf der Mieter immer halten. Gegen diese kann der Vermieter nichts einwenden.

Welche Tiere gelten generell als Kleintiere?
Eindeutig als Kleintiere anzusehen ist alles, was einen Pelz hat und im Käfig gehalten wird: Zum Beispiel Hamster, Meerschweinchen und Zwergkaninchen. Auch Schildkröten, Wellensittiche und Fische im Aquarium gelten als Kleintiere. Argument der Gerichte: Es ist kaum vorstellbar, dass von solchen Tieren eine Beeinträchtigung für Nachbarn ausgeht oder gar Schäden an der Mietwohnung verursacht werden.

Ausnahme: Massentierhaltung
Juristischen Ärger kann es freilich auch bei Kleintieren geben, wenn man es übertreibt. So verurteilte das Amtsgericht Bremen einen Tierhalter dazu, keine Vögel mehr in einer Voliere im Garten zu halten – dort lebten bis dahin zehn Wellensittiche, zwei Ziegensittiche und 9 Nymphensittiche. Geklagt hatte hier allerdings nicht der Vermieter, sondern ein vom Dauerlärm geplagter Nachbar (Urteil vom 10.5.2004, Az. 22 C 0227/03).

Hunde und Katzen
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Mietvertragsklauseln unwirksam sind, die pauschal die Haltung von Hunden oder Katzen verbieten (Az. VIII ZR 168/12). Dies bedeutet aber nicht, dass sich nun jeder Mieter so ein Tier einfach anschaffen kann. Denn dem Gericht zufolge kommt es auf den Einzelfall an.

Hunde
Bei Hunden ist die Rechtslage nicht eindeutig. Denn mancher „Hund“ passt in eine größere Kaffeetasse, während ein anderer sich zum Reiten für Kinder eignet. Grundsätzlich empfiehlt es sich für Mieter, bei Hunden die Zustimmung des Vermieters einzuholen. Der Vermieter wiederum kann die Haltung von Tieren, die keine Kleintiere sind, per Mietvertrag auch von seiner Zustimmung abhängig machen – und darunter fallen viele Hunde. Bei Kampfhunden hört die Tierliebe der Richter allerdings auf: Deren Haltung kann sowohl von der Zustimmung des Vermieters abhängig gemacht als auch nachträglich verboten werden. Letzeres setzt allerdings voraus, dass es tatsächlich Probleme gegeben hat – etwa eine Beißerei mit anderen Hunden oder aggressives Verhalten gegenüber Nachbarn. Auch eine irrtümlich erteilte Zustimmung kann widerrufen werden (Landgericht München, Urteil vom 10.09.1993, Az. 13 T 14 638/93).

Katzen
Auch bei Katzen scheiden sich die Geister. Manche Gerichte sehen Katzen noch als Kleintiere an, andere nicht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Vermieter auch bei Zustimmungspflicht seine Ablehnung schon mit guten Gründen untermauern muss. Ein „weil ich nicht will“ reicht hier nicht. So entschied zum Beispiel das Amtsgericht Hamburg, Az. 47 C 520/95.

Ratten
Zahme Farbratten im Käfig gelten heute in der Regel als Kleintiere, die ohne Weiteres gehalten werden dürfen. Früher wurde dies wegen der Ekelgefühle mancher Menschen gegenüber diesen Tieren anders gesehen, die Rechtsprechung hat sich jedoch gewandelt (zum Beispiel Amtsgericht Hannover, Urteil vom 26.09.2002, Az. 505 C 7715/02).

Exoten: Echsen, Schlangen, Spinnen und Pfeilgiftfrösche
Unabhängig vom Mietrecht gibt es in einigen Bundesländern sogenannte Gefahrtierverordnungen, die die private Haltung bestimmter Tiere untersagen. Hier sollte man sich rechtzeitig informieren. Geht von Tieren eine Gefahr aus, kann der Vermieter die Haltung untersagen – hier sollte also rechtzeitig Rücksprache gehalten werden. Auch hier kommt es auf den Einzelfall an: Das Amtsgericht Bückeburg gestattete einem Mieter zum Beispiel die Haltung einer ungiftigen Königsnatter. Der Vermieter könne dies nicht verbieten, nur weil er Schlangen eklig finde. Der Mieter durfte also seine 80 cm lange Schlange behalten (Az: 73 C 353/99).

Hühner
Die Haltung von zwei Hühnern in der Küche einer Mietwohnung muss sich der Vermieter allerdings nicht bieten lassen. Das Amtsgericht Köln erlaubte dem Hauseigentümer, dies zu verbieten (Az. 214 C 255/09).