Kündigung Arbeitsvertrag - Hinweise für Arbeitnehmer

13.03.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (154 mal gelesen)
Kündigung Arbeitsvertrag - Hinweise für Arbeitnehmer © Bu - Anwalt-Suchservice

Eine Kündigung ist für die meisten Arbeitnehmer erst einmal ein Schock. Nicht jede Kündigung ist allerdings berechtigt. Oft machen Arbeitgeber dabei Fehler, so dass der Arbeitnehmer vor Gericht gute Chancen hat.

Wer ein Kündigungsschreiben vom Arbeitgeber in seinem Briefkasten findet, muss sich baldmöglichst Gedanken darüber machen, ob und wenn ja was er unternehmen will. Anwaltliche Hilfe ist in vielen Fällen von Vorteil.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Kündigung?


Viele Kündigungen gehen vom Arbeitgeber aus. Sie haben häufig mit der Betriebsorganisation oder auch mit dem Verhalten des Arbeitnehmers zu tun. Der Chef ist jedoch beim Kündigen an eine Reihe von rechtlichen Vorgaben gebunden. In manchen Fälllen kündigt allerdings auch der Arbeitnehmer selbst. Gründe dafür können sowohl eine mögliche bessere Stelle sein als auch persönliche Veränderungen (Umzug, Partnerschaft, Kind) oder unschöne Zustände im Betrieb (Mobbing). Wer selbst kündigt, muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass er zunächst einmal kein Geld vom Jobcenter bekommen wird – denn bei einer selbst verschuldeten Beendigung des Arbeitsverhältnisses wird zunächst eine Sperrzeit verhängt.

Welche Formen der Kündigung gibt es?


Bei der arbeitgeberseitigen Kündigung sind zunächst einmal die verhaltensbedingte und die betriebsbedingte Kündigung zu unterscheiden. Erstere findet bei schweren Verletzungen der arbeitsvertraglichen Pflichten des Arbeitnehmers statt. Die Gründe können vielfältig sein: Sie reichen von Arbeitsverweigerung (Krankfeiern) über Bagatelldiebstähle von Kleinmaterial und Nahrung bis hin zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Kollegen oder der Beleidigung des Chefs auf der Weihnachtsfeier. Die betriebsbedingte Kündigung findet statt, wenn auf Grund von Umstrukturierungen des Betriebs oder schlechter Ertragslage Personal reduziert werden soll. Hier hat die Kündigung nichts mit einer Pflichtverletzung des Arbeitnehmers zu tun. Bei Kündigungen von beiden Vertragspartnern sind außerdem die ordentliche und die außerordentliche Kündigung zu unterscheiden. Bei der ordentlichen Kündigung muss der Kündigende eine Kündigungsfrist einhalten. Wie lang diese ist, richtet sich nach dem Arbeitsvertrag, dem Tarifvertrag oder, wenn nicht anderes vereinbart ist, nach den gesetzlichen Regelungen im Arbeitsrecht. Bei der außerordentlichen Kündigung gibt es in der Regel keine Frist. Fristlos kündigen kann der Arbeitgeber nur, wenn besondere Gründe vorliegen, die eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Dauer der Kündigungsfrist für ihn unzumutbar machen. Dies ist natürlich besonders bei verhaltensbedingten Kündigungen der Fall.

Die Abmahnung: Vorstufe zur Kündigung


Insbesondere verhaltensbedingte Kündigungen erfordern in der Regel eine vorherige Abmahnung des Arbeitnehmers. Darin wird ihm vor Augen geführt, was er aus Sicht des Chefs falsch macht und wie er sein Verhalten ändern soll. Für den Fall, dass er sich nicht daran hält, wird ihm als Folge die Kündigung angedroht. Bei einer außerordentlichen, fristlosen Kündigung ist in vielen Fällen vorher eine Abmahnung erforderlich. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen die Gerichte keine Abmahnung für nötig halten. Dies ist meist bei schweren Verletzungen des Vertrauensverhältnisses der Fall, etwa bei Straftaten des Arbeitnehmers, die den Arbeitgeber schädigen. Es gibt eine Vielzahl von Gerichtsurteilen zu der Frage, welche Gründe für eine Kündigung eine Abmahnung erfordern, und welche nicht. Eine Abmahnung wird in der Personalakte des Arbeitnehmers vermerkt.

Arbeitsplatzverlust durch Insolvenz des Betriebs?


Auch nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens besteht das Arbeitsverhältnis zunächst einmal fort. Allerdings ist nun der Insolvenzverwalter für wichtige Belange der Arbeitgeberseite zuständig. Er ist der Ansptrechpartner für Lohnforderungen, und er kann auch Arbeitsverträge nach den gängigen Regeln kündigen. Allerdings ist die Insolvenz allein kein ausreichender Kündigungsgrund. Bei einer Betriebsstillegung oder der Verringerung des Personals im Zuge einer Sanierung sind jedoch betriebsbedingte Kündigungen möglich. Dazu muss es jedoch nicht kommen: Unter Umständen wird der Betrieb saniert oder verkauft, man spricht dann von einem Betriebsübergang. Allein der Betriebsübergang ist ebenfalls kein zulässiger Kündigungsgrund. Der Arbeitnehmer hat zudem bei einem Betriebsübergang ein Widerspruchsrecht – dann bleibt er beim alten Arbeitgeber. Ob dies allerdings sinnvoll ist, ist eine Frage des Einzelfalles.

Wann ist eine Kündigung durch den Arbeitgeber meine Schuld?


Dies ist in erster Linie der Fall, wenn sie durch ein Verhalten des Arbeitnehmers ausgelöst wurde. Beispiele dafür sind die oft in der Presse diskutierten Bagatelldiebstähle, oder auch Verletzungen des Arbeitsvertrages durch Krankfeiern oder ständiges Zu-Spät-Kommen. Aus Sicht des Jobcenters gilt aber auch die Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst oder der Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit dem Arbeitgeber als "Schuld" des Arbeitnehmers. Denn er hätte ja nicht an der Beendigung seines Arbeitsverhältnisses mitwirken müssen. Daher gibt es auch nach einer arbeitnehmerseitigen Kündigung oder dem Abschluss eines Aufhebungsvertrages zunächst mal eine Sperrzeit.

Was kann ich tun, wenn mir gekündigt wird?


Der Arbeitnehmer kann gegen eine Kündigung vor dem Arbeitsgericht klagen. Bei einer verhaltensbedingten Kündigung wird das Gericht dann prüfen, ob in diesem Einzelfall tatsächlich ein Kündigungsgrund vorhanden war, der so schwer wog, dass es keine andere Möglichkeit als die Kündigung gab. Auch ist die Kündigung oft nur wirksam, wenn zuvor eine Abmahnung stattgefunden hat und der Arbeitnehmer diese ignoriert hat. Bei einer betriebsbedingten Kündigung wird das Gericht prüfen, ob die gesetzlich vorgeschriebene Sozialauswahl stattgefunden hat. Denn der Arbeitgeber darf nicht einfach beliebig irgendwelchen Mitarbeitern kündigen, sondern muss sich an ihrer Schutzbedürftigkeit orientieren. Dabei spielen die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Alter, mögliche Unterhaltspflichten und Behinderungen eine Rolle. Für Betriebe mit mindestens zehn Arbeitnehmern gilt das Kündigungsschutzgesetz, für besondere Personengruppen besteht ein spezieller Kündigungsschutz (Betriebsräte, Frauen im Mutterschutz, Schwerbehinderte). Die Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht eingereicht werden.


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  3,8/5 (15 Bewertungen)

Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
2007-03-30, Autor Michael Henn (3905 mal gelesen)

Eine Darstellung von Fehlern bei Kündigungen, die der Arbeitgeber vermeiden kann. Arbeitnehmer können bei der Lektüre feststellen, ob ihr Arbeitgeber Fehler gemacht hat. Fehler bei Kündigungen, die man vermeiden kann von Rechtsanwalt/Fachanwalt ...

sternsternsternsternstern  4,0/5 (44 Bewertungen)
2015-03-17, Autor Nima Armin Daryai (630 mal gelesen)

Im Folgenden möchte ich Mietern, denen wegen Mietschulden, daher im Juristendeutsche wegen Zahlungsverzuges mit der Miete, gekündigt wurde, einige Tipps aus der rechtsanwaltlichen Praxis an die Hand geben, wie sie mit einer solchen Kündigung umgehen ...

sternsternsternsternstern  4,1/5 (31 Bewertungen)
2017-11-17, Autor Anton Bernhard Hilbert (95 mal gelesen)

Mit einer bewährten Anwaltsmethode bricht das Berliner Landgericht, nämlich mit der neben der fristlosen Kündigung erklärten ordentlichen Kündigung. Es schützt damit den zahlungssäumigen Mieter, allerdings mit fragwürdiger Begründung. ...

sternsternsternsternstern  4,3/5 (24 Bewertungen)
Rechtssicher kündigen: Hinweise für Arbeitgeber © Bu - Anwalt-Suchservice
2017-03-16, Redaktion Anwalt-Suchservice (174 mal gelesen)

Dieser Rechtstipp gibt wichtige Hinweise für Arbeitgeber, worauf es bei der Kündigung eines Arbeitnehmers ankommt....

sternsternsternsternstern  4,3/5 (18 Bewertungen)
weitere Rechtstipps in der Rubrik Arbeitsrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Arbeitsrecht

Suchen Sie hier mit einem

Rechtsthema, z.B.: Kündigung, Scheidung...
Rechtsgebiet, z.B. Arbeitsrecht, Mietrecht...
Qualifikation, z.B. Fachanwalt für...
Name, z.B. Max Mustermann

Suchen Sie hier mit

einer PLZ, z.B.: 10117, 1224,..
oder
einem Ort, z.B.: Berlin, Hamburg...

Suche in Rechtstipps
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK