LARP: Haftung für Verletzungen beim Liverollenspiel

02.03.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (166 mal gelesen)
LARP: Haftung für Verletzungen beim Liverollenspiel © bluedesign - Fotolia.com
Bei Veranstaltungen aus dem Bereich "Live Action Role Playing" finden immer wieder gespielte Kampfhandlungen statt, bei denen es zu Verletzungen kommen kann. Hier stellt sich die Frage, ob die Teilnehmer in ein mögliches Verletzungsrisiko eingewilligt haben und unter welchen Umständen trotzdem eine Haftung in Betracht kommt.

Kampfhandlungen beim Liverollenspiel
Liverollenspiel ist ein Hobby, das heute von vielen Menschen ausgeübt wird und sich auch zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Auf einer Vielzahl von Veranstaltungen können die Teilnehmer in eine andere Rolle schlüpfen und sich für einen oder mehrere Tage in einer anderen Zeit oder Welt bewegen. Je nach Veranstaltung kann es sich um eine mittelalterliche Spielumgebung handeln, eine Fantasywelt, um eine Science-Fiction oder Endzeit Veranstaltung. Die Teilnehmer treten dabei im Rahmen eines vom Veranstalter festgelegten Regelwerkes miteinander in Interaktion. Allerdings: Solche Veranstaltungen sind nicht ganz ohne Risiko. Denn es finden hier durchaus auch gespielte Kampfhandlungen statt. Und obwohl diese mit besonderen Waffen aus Schaumstoff- bzw. Latex durchgeführt werden, bleibt ein gewisses Verletzungsrisiko.

Sicherheitsregeln
Natürlich stellen die Veranstalter solcher Spiele auch Sicherheitsregeln auf, deren Nichtbeachtung ggf. einen Platzverweis zur Folge haben kann. Dazu gehören oft überprüfbare Sicherheitskriterien für die verwendeten Waffen, das Verbot von Stichen mit Schwertern etc. gegen den Körper und das Verbot von gezielten Schlägen gegen den Kopf.

Allgemein: Was gilt bei gefährlichen Sportarten?
Im Jahr 2009 hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass bei gefährlichen Sportarten im Zivilrecht ein stillschweigender gegenseitiger Haftungsverzicht zur Anwendung kommt. Dies gilt sowohl für Wettkämpfe als auch für das Training. Wird also ein Sportler durch Schuld eines anderen verletzt, haftet dieser nicht. Das bedeutet, dass auch die Krankenkasse des Verletzten in der Regel keine Regressansprüche gegen den Schuldigen stellen kann. Ausgeschlossen sind davon allerdings vorsätzliche und grob fahrlässige Handlungen. Von letzteren spricht man, wenn die verkehrsübliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt wurde und dasjenige unbeachtet geblieben ist, was im gegebenen Fall jedem hätte einleuchten müssen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob sich der Schuldige an die Regeln des jeweiligen Sports gehalten hat. Konkret ging es um einen Unfall beim Motocross-Training (Az. VI ZR 86/08).

LARP als Gefahrsport?
Lassen sich diese Grundsätze nun auf ein Rollenspiel übertragen? Das Landgericht Osnabrück fand: ja. Hier kam ein Fall zur Verhandlung, bei dem in einem mittelalterlichen Liverollenspiel in Gehrde ein Räuber gegen zwei Ritter gekämpft hatte. Der Räuber war mit einer Keule (aus Schaumstoff) bewaffnet, und diese traf im Rahmen des Kampfes einen der Ritterdarsteller am Kopf. Mit fatalen Folgen: Er erlitt eine Augenverletzung, und seine Sehkraft wird sich wohl nie wieder richtig herstellen lassen. Der "Räuber" wurde nun auf Schadensersatz und auf Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro verklagt.

Fahrlässigkeit reicht nicht
Zwar konnte festgestellt werden, dass der Schlag tatsächlich von dem Beklagten ausgegangen war. Das Gericht sah hier aber keinen Ansatzpunkt für eine Haftung. Die Regeln des Veranstalters verboten nur vorsätzliche Kopftreffer, und dem Kläger sei klar gewesen, dass es bei einer solchen Kampfhandlung trotzdem auch zu Kopftreffern kommen könne. Auch die Aussage des Geschädigten deutete nicht auf einen bewussten Schlag gegen den Kopf hin. Beide hatten sich vor dem Kampf nicht gekannt und keinen Streit miteinander gehabt. Ein Vorsatz scheide damit aus. Damit blieb nur Fahrlässigkeit.

Stillschweigender Haftungsausschluss
Eine Haftung wegen Fahrlässigkeit sei jedoch wegen eines stillschweigenden Haftungsausschlusses nicht gegeben. Soweit man an solchen Kampfszenen teilnehme, sei man sich auch ohne besondere Vereinbarung darüber einig, dass man wegen fahrlässiger Kopftreffer und deren Folgen keine Ansprüche gegen andere Kampfteilnehmer geltend machen könne.

Kein Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld
Mit der Frage der groben Fahrlässigkeit scheint sich das Gericht hier nicht näher beschäftigt zu haben – alllerdings lag kein Regelverstoß des Schädigers vor, der eine solche nahelegen könnte. Nach dem Urteil ist kein Schadenersatz oder Schmerzensgeld für die Verletzung zu zahlen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig (Urteil vom 28.01.2016, Az. 4 O 1324/15).