Mietwagen: Wer haftet, wenn ich den falschen Sprit tanke?

01.10.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (126 mal gelesen)
Mietwagen: Wer haftet, wenn ich den falschen Sprit tanke? © industrieblick – Fotolia.com
Ein ungewohntes Auto, eine Stresssituation wie Umzug oder Geschäftstermin – da passiert es durchaus mal, dass jemand einfach den Treibstoff tankt, den er oder sie gewöhnt ist – und schon ist es passiert. Der Sprit war falsch, der Motor macht Geräusche wie ein Zementmischer mit Lagerschaden, und es wird teuer. Nur – für wen?

Warum verwechselt man den Treibstoff?
Früher einmal waren Benzin- und Diesel-Zapfpistolen an den Tankstellen und auch die Tankstutzen an den Autos unterschiedlich. Dies ist heute oft nicht mehr der Fall. Einer Untersuchung des ADAC zufolge kann bei einer Vielzahl von aktuellen Automodellen versehentlich sowohl Benzin statt Diesel, als auch Diesel statt Benzin eingefüllt werden. Auch Tankdeckel werden meist nicht mehr mit der einzufüllenden Spritsorte beschriftet. Nicht zuletzt tragen Treibstoffsorten oft klangvolle Namen wie "V-Power" oder "Ultimate" – die es aber für Benzin und Diesel gibt. Der ADAC sieht in diesen Umständen – und in der Unachtsamkeit der Autofahrer – die Gründe dafür, dass die Zahl der Treibstoff-Verwechslungen steigt. 2015 registrierte der Automobilclub jedenfalls 5.000 Pannendienst-Einsätze nur wegen falscher Betankung – Tendenz steigend. Wurde falscher Sprit eingefüllt, kann es zu diversen Schäden kommen. Vermeiden kann man diese nur, wenn man das Auto sofort abstellt und in die Werkstatt schleppen lässt. Danach ist der Sprit abzupumpen und eine gründliche Reinigung des Tanks und der Kraftstoffanlage durchzuführen.

Treibstoff verwechselt – liegen geblieben
Das Amtsgericht München hatte sich mit dem Missgeschick einer Frau aus dem Münchner Umland zu beschäftigen, der bei ihrem Mietwagen eine solche Verwechslung passiert war. Sie hatte bei einer Autovermietung in der bayerischen Landeshauptstadt einen Mercedes der A-Klasse gemietet. Dieser hatte einen Benzinmotor. Während der Mietzeit wurde die A-Klasse jedoch auf Betreiben der Autovermietung gegen eine B-Klasse ausgetauscht, genauer einen B 180 CDI mit Dieselmotor. Als die Automieterin tanken musste, tankte sie irrtümlich Benzin. Ihren Irrtum bemerkte sie erst, als sie mit dem Mecedes liegen blieb. Der herbeigerufene Pannendienst konnte auch nur mit den Schultern zucken und einen Abschleppwagen rufen. Der Benz landete in der Werkstatt, der Schaden betrug einem Sachverständigen zufolge rund 1.080 Euro – plus 45 Euro für den Sachverständigen. Diesen Betrag zuzüglich einer Aufwandspauschale von 25 Euro verlangte nun die Autovermietung von der Mieterin.

Wer ist schuld?
Die Mieterin sah dies jedoch gar nicht ein. Das ursprüngliche Mietfahrzeug sei von der Autovermietung zurückverlangt worden und man habe ihr ein gleichwertiges angeboten. Sie war der Meinung, dass die Autovermietung sie deutlich auf den anderen Treibstoff hätte hinweisen müssen. Beim Austausch habe ein Mitarbeiter der Klägerin ihr zugesichert, dass das neue Auto genauso zu bedienen sei wie das bisherige. Es habe keinen Hinweis auf eine andere Treibstoffart gegeben, und den kleinen Hinweis auf dem Tankdeckel habe sie wegen Dunkelheit und Schneetreiben nicht lesen können.

Gericht: Die Autofahrerin haftet
Das Amtsgericht München sah die Verantwortung jedoch bei der Fahrerin. Beim Mietvertrag über ein Auto habe der Mieter die Pflicht, sich so zu verhalten, dass das Eigentum des Vermieters nicht beschädigt werde. Dies sei nach dem Zivilrecht eine vertragliche Nebenpflicht. Wer ein Auto miete, habe eine sogenannte Nachforschungs- und Sorgfaltspflicht bezüglich der notwendigen Kraftstoffsorte, führte das Gericht aus. Dass die Mieterin trotz Hinweis auf dem Tankdeckel den falschen Sprit eingefüllt habe, sei als grob fahrlässig anzusehen. Der Tankdeckel sei rot gewesen und habe einen weißen Aufdruck mit dem Wort "Diesel" gehabt. Dies sei deutlich genug und auch bei Dunkelheit und Schneetreiben zu erkennen – immerhin seien Tankstellen ausreichend beleuchtet. Schon bei Übernahme des Mietfahrzeuges habe sie sich mit der Bedienung und auch der notwendigen Treibstoffsorte vertraut zu machen. Dies sei eine Selbstverständlichkeit bei einem fremden Fahrzeug. Letztendlich unterscheide sich auch die Fahrweise eines Diesels von einem Benziner – dies hätte der Frau nach Meinung des Gerichts auffallen müssen. Das Gericht sah damit die alleinige Verantwortung für den Schaden bei der Fahrzeug-Mieterin und nicht bei der Autovermietung (Amtsgericht München, Urteil vom 10.6.2015, Az. 113 C 27219/14).