Pokèmon Go: Weltweit gesteigerte Unfallgefahr durch freilaufende Monster

30.07.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (881 mal gelesen)
Pokèmon Go: Weltweit gesteigerte Unfallgefahr durch freilaufende Monster © Firma V - Fotolia.com
Das Spiel Pokèmon Go ist zu einem "Hype" geworden. Überall auf Straßen, Plätzen und in Gebäuden sind die Spieler mit ihren Smartphones auf der Jagd nach virtuellen Monstern. Wer sich allerdings allzu sehr in das Spiel hineinsteigert, riskiert unter Umständen böse Folgen – und zwar in der Realität.

Riskante Monsterjagd
Pokèmon Go-Spieler bewegen sich in der Realität, sind aber massiv auf ihr Smartphone konzentriert. Dies bringt ein stark erhöhtes Risiko von Unfällen mit sich – nicht nur für Fußgänger, die auf das Handy starrend vors nächste Auto laufen. International gibt es viele Beispiele: So rammte in Baltimore/USA ein Spieler in voller Fahrt ein am Straßenrand stehendes Polizeiauto. In Kalifornien marschierten zwei Männer geradewegs über eine Klippe an der Küste und stürzten ab. Beide wurden verletzt und mussten aufwändig geborgen werden. In Bosnien-Herzegowina liefen mehrere Spieler in ein Minenfeld aus dem Bürgerkrieg, weil sie Warnschilder übersehen hatten – sie überlebten. Und in Bergen in Niedersachsen wurden drei Spieler auf einem Truppenübungsplatz erwischt, auf dem gerade eine Übung mit scharfer Munition stattfand. Noch nicht einmal das Eintreffen der Wachsoldaten veranlasste sie, ihre Handys auszuschalten.

Pokèmon Go beim Fahren
So mancher Spieler gerät in Versuchung, beim Fahren nach Pokèmons Ausschau zu halten. Aber: Es ist nach wie vor verboten, ein Handy zu benutzen, während man ein Fahrzeug im Straßenverkehr lenkt. Zwar ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann der erste Pokèmon Go-Spieler nach einem Bußgeldbescheid vor Gericht geht und meint, er habe das Handy ja gar nicht zum Telefonieren benutzt. Verboten ist aber nicht das Telefonieren, sondern jede Nutzung, für die man das Gerät in die Hand nehmen muss. Darauf stehen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt im Flensburger Sündenregister. Bei groben oder wiederholten Verstößen drohen ein bis drei Monate Fahrverbot – selbst dann, wenn die anderen Verstöße keine Handyverstöße waren. Auch Radfahrer dürfen beim Fahren kein Handy benutzen. Hier liegt das Bußgeld bei 25 Euro. Da müssen Pikachu und Co leider am Straßenrand sitzen bleiben.

Pokèmon Go-Unfälle und Versicherungen
Immer wieder liest man gerade die Schlagzeile: "Pokèmon Go: Bei Unfall zahlt die Versicherung". Aber stimmt das so pauschal?

Beispiel: Spieler überfährt Fußgänger
Nehmen wir an, ein Autofahrer überfährt einen Fußgänger, weil der Autofahrer gerade auf ein Pokèmon konzentriert ist. Hier kann ein hoher Schaden entstehen, unter Umständen ist eine lebenslange Rente wegen Berufsunfähigkeit zu zahlen. Hier bezahlt die KfZ-Haftpflichtversicherung den Fremdschaden. Zwar gilt Herumfummeln am Handy während der Fahrt als grobe Fahrlässigkeit. Die KfZ-Haftpflichtversicherung zahlt jedoch trotzdem. Sie kann ihren Kunden auch nicht später in Regress nehmen (also einen Teil des Geldes zurückfordern) weil dies nur bei Verletzung vertraglicher Obliegenheiten möglich ist – dies wäre zum Beispiel bei Autofahren unter Alkohol der Fall, aber nicht bei Unaufmerksamkeit wegen Handynutzung. Hat der Fußgänger aber selbst gerade Monster gejagt und war unaufmerksam, wird man ihm ein anteiliges Mitverschulden anrechnen.

Beispiel: Monsterjagd auf dem Pannenstreifen
Die KfZ-Haftpflicht zahlt nur Schäden beim Betrieb des Autos. Parkt der Spieler dieses am Rand der Autobahn, um auf dem Pannenstreifen Pokèmons zu jagen, zahlt die KfZ-Haftpflicht mögliche Unfallschäden anderer Verkehrsteilnehmer durch Ausweichmanöver nicht.

Beispiel: Auto gegen Baum
Die Kaskoversicherung ist für den eigenen Schaden des Versicherungsnehmers zuständig. Eine Vollkasko zahlt bei einem Unfall den Schaden am eigenen Fahrzeug – oft mit einer Selbstbeteiligung. Bei grober Fahrlässigkeit kann sie jedoch ihre Zahlung anteilig reduzieren – bis auf Null, abhängig vom Grad des Verschuldens des Fahrers. Es sei denn, der "Einwand der groben Fahrlässigkeit" wurde im Vertrag ausgeschlossen. Dies hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Beispiel: Fußgänger verursacht Unfall
Verursacht ein unachtsamer Fußgänger einen Unfall, zahlt seine Privathaftpflichtversicherung – wenn er eine abgeschlossen hat. Auch hier ist ein grob fahrlässiges Verursachen des Schadens in der Regel mitversichert. Diese Versicherung ist auch bei der sonstigen Beschädigung fremden Eigentums zuständig. Aber: Sie zahlt – wie alle anderen Versicherungen – nicht bei Vorsatz. Zum Beispiel also nicht, wenn auf der Monsterjagd ein fremder Gartenzaun niedergetrampelt wird. Was übrigens auch strafbar wäre (Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung).

Unfallversicherung
Eine private Unfallversicherung bezahlt im Falle eines nicht vorsätzlich verursachten Unfalls zum Beispiel die Behandlungskosten des Versicherungsnehmers. Grobe Fahrlässigkeit ist hier normalerweise kein Hinderungsgrund.

Fazit
Viele mögliche Unfallvarianten bei Pokèmon Go sind versichert. Spieler sollten aber bedenken: Die eigene Gesundheit ist keine reine Geldfrage. Wer als Fußgänger vor ein Auto läuft, kommt oft ums Leben – oder ist künftig behindert. Und nicht nur das Versicherungsrecht spielt hier eine Rolle: Nach dem Strafrecht steht zum Beispiel auf fahrlässige Körperverletzung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Allzu sorglos sollte man daher mit der eigenen Gesundheit oder der anderer Leute nicht umgehen.