Schwanger trotz Sterilisation- haftet das Krankenhaus?

26.09.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (265 mal gelesen)
Schwanger trotz Sterilisation- haftet das Krankenhaus?
In Deutschland entscheiden sich jährlich rund sieben Prozent der Frauen für eine Sterilisation als Schwangerschaftsverhütung. Auch wenn diese Verhütungsmethode als sehr sicher eingestuft werden kann, kann es auch nach einer Sterilisation zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Eine Haftung des behandelnden Arztes oder des Krankenhauses kommt allerdings nur sehr eingeschränkt zum tragen.

Haftung des Krankenhauses nur bei unzureichender Aufklärung

Nach einer aktuellen Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamms (Aktenzeichen 26 U 112/13) haftet das behandelnde Krankenhaus für eine nach einer Sterilisation eingetretene, ungewollte Schwangerschaft nicht, wenn die behandelte Patientin über eine verbleibende Versagerquote zutreffend informiert worden ist.

Im zu entscheidenden Fall hatte eine Frau sich nach der Geburt ihres zweiten Kindes im beklagten Krankenhaus sterilisieren lassen. Trotzdem kam es zu einer erneuten, ungewollten Schwangerschaft. Mit der Begründung, die Sterilisation sei fehlerhaft durchgeführt und sie, die Patientin, über die verbleibende Versagerquote unzureichend aufgeklärt worden, erlangte die Frau unter anderem ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro und einen Unterhaltsschaden von rund 300 Euro monatlich.

Ohne Erfolg, entschied das Oberlandesgericht Hamm. Nach sachverständiger Begutachtung konnten keine Behandlungsfehler festgestellt werden. Es sei keine falsche Operationsmethode gewählt worden. Ein für die Schwangerschaft kausaler Behandlungsfehler durch einen fehlerhaft unterlassenen oder unzureichenden Verschluss eines Eileiters könnten die Kläger nicht beweisen. In der Schwangerschaft könne sich die auch bei einer fachgerechten Sterilisation verbleibende Versagerquote schicksalhaft realisiert haben. Die Kläger könnten auch nicht nachweisen, dass die behandelnden Ärzte des beklagten Krankenhauses gegen die Pflicht zur therapeutischen Aufklärung verstoßen hätten, indem sie die Klägerin über die verbleibende Versagerquote und die daraus folgende Notwendigkeit weiterer Verhütungsmaßnahmen unzureichend aufgeklärt hätten. Nach der Vernehmung des die Klägerin behandelnden Arztes stehe fest, dass er die Klägerin mündlich zutreffend auf eine Versagerquote von 4 in 1000 Fällen hingewiesen habe. Für die gebotene therapeutische Aufklärung sei das ausreichend. Die Patientin wisse dann, dass das Risiko einer Schwangerschaft in dem genannten Promillebereich fortbestehe und sie ggfls. weitere Verhütungsmaßnahmen ergreifen müsse, wenn sie einen einhundertprozentigen Sicherheitsstandard anstrebe, so die Hammer Richter.