Schweinerei beim Zirkustransport: Wer zahlt den Schaden?

22.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (162 mal gelesen)
Schweinerei beim Zirkustransport: Wer zahlt den Schaden? © R@?( )s?? - Fotolia.com
Schweine sind, wie bekannt, gefräßig. Dies schließt auch Exemplare mit ein, die nicht zwecks späterer Schlachtung gehalten werden, sondern sich ihren Lebensunterhalt redlich durch eigene Arbeit im Zirkus verdienen.

Ein Unternehmen, das auf den Transport von Tieren spezialisiert ist, erhielt 1990 von einer Spedition einen besonderen Auftrag. Es sollten sieben Kamele des Moskauer Staatszirkus von Pforzheim nach Speyer befördert werden. Der erstaunte Fahrer stellte in Pforzheim allerdings fest, dass ihm ein zusätzliches und nicht angemeldetes Tier zum Transport übergeben wurde: Ein ausgewachsenes Zirkusschwein. Auch dieses nahm er mit. Am Ziel angekommen, stellte er fest, dass alle Tiere wohlauf waren – und das Schwein sich sattgefressen hatte, und zwar am Holzboden des LKW-Laderaumes. 5.500 DM kostete die Reparatur. Die Tiertransportfirma verbuchte den Betrag unter "Erfahrungen". Einige Monate später sollte wieder eine Gruppe Moskauer Kamele transportiert werden, von Mulhouse nach Strasbourg. Auch das Schwein war – diesmal angemeldet – mit von der Partie.

Diesmal war die Transportfirma vorbereitet: Man stattete den Boden des Tiertransporters mit einem besonders widerstandsfähigen Hartholzbelag aus. Erfolglos, denn das holzliebende Tier riss auch diesen Holzboden der Länge nach auf und fraß, was es konnte. Schaden: 8.000 DM. Einen Monat später wurde ein dritter Transport in Auftrag gegeben. Der Tiertransporteur schraubte nun eine Spanplatte auf den Boden und streute dick Sägespäne darüber. Das Schwein freute sich über die Vorspeise und demolierte errneut den gesamten Boden. Schaden: 8.000 DM. Dem Transporteur reichte es nun. Er verklagte die Spedition, die ihm den Auftrag gegeben hatte, auf Schadensersatz. Denn er war der Meinung, dass man ihn vorher über die besonderen Gewohnheiten des Zirkusschweins hätte aufklären müssen.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf wies die Klage ab. Offenbar hatte es bei den ersten beiden Transporten Unklarheiten darüber gegeben, wer der Auftraggeber war – die beklagte Spedition war es jedenfalls nicht. Damit konnte der Tiertransporteur und Frachtführer für die ersten beiden Schadensfälle von dieser auch keinen Schadensersatz verlangen. Und der dritte Schaden fiel damit auch weg, da das Gericht der Meinung war, dass der Transporteur durch die beiden vorhergehenden Fälle hätte vorgewarnt sein müssen. Das Gericht betonte außerdem, dass die Pflicht, Sicherheitsvorkehrungen für den Transport und das Transportfahrzeug zu treffen, allein bei dem ausführenden Unternehmen liege.

Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 21.04.1994, Az. 18 U 156/93