Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz- Kündigung?

31.03.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (308 mal gelesen)
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz- Kündigung?
Die Grenze von der harmlosen Anmache zur sexuellen Belästigung ist für viele Arbeitnehmer oft nicht klar. Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz sind keine Ausnahme, die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen wurde im Laufe ihres Berufslebens schon einmal damit konfrontiert. Arbeitgeber haben in diesen Fällen den Arbeitnehmer vor weiteren sexuellen Belästigungen zu schützen, was in der Regel zur Kündigung des Belästigers führt.

Sexuelle Belästigung ist Kündigungsgrund!

Die sexuelle Belästigung eines Arbeitskollegen kann einen wichtigen Grund "an sich" für eine außerordentliche Kündigung eines Arbeitsverhältnisses darstellen. Maßgeblich sind aber die konkreten Umstände des Einzelfalls. Gegebenenfalls kann auch eine Abmahnung als Reaktion auf eine solche Pflichtwidrigkeit ausreichen, so dass sich eine Kündigung als unverhältnismäßig erweist. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 13 Sa 141/12).

Im zu entscheidenden Fall hatte ein Arbeitnehmer im Rahmen einer abendlichen Vertriebsveranstaltung einen Mitarbeiter einer Tochtergesellschaft zunächst mit der Hand in der Magengegend angefasst und dann von hinten mit den Armen auf Höhe der Magengegend umschlungen und sich kurz an ihn gepresst. Dies hatte den Mitarbeiter derart angewidert, dass er sich an den Vorgesetzten des Belästigers wandte. Der Mann wurde fristlos gekündigt.
Seine gegen die Kündigung gerichtete Klage hatte Erfolg. Das Landesarbeitsgericht stellte aber klar, das eine sexuelle Belästigung eines Arbeitskollegen einen wichtigen Grund "an sich" für eine außerordentliche Kündigung eines Arbeitsverhältnisses darstellen kann.

Nicht jede Berührung ist sexuell motiviert

Hier sei allerdings eine außerordentliche Kündigung, sowohl als Verdachts- als auch als Tatkündigung, mangels Vorliegens eines wichtigen Grundes unwirksam. Es falle bereits schwer, das Berühren des Mannes in der Magengegend als sexuelle Handlung einzustufen. Allerdings beschreibe der Vortrag der Beklagten, wonach der Kläger Herrn C. von hinten auf Höhe der Magengegend mit den Armen umschlungen und sich an ihn gepresst habe, kein sozial adäquates Verhalten, selbst wenn man berücksichtige, dass es sich um einen geselligen Abend gehandelt habe. Doch sei es der Firma möglich, ein solches Fehlverhalten des Mitarbeiters beispielsweise durch eine Abmahnung zu unterbinden, was dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz entspreche, da auch nach dem Vortrag der Beklagten nicht von einem gravierenden Fehlverhalten des Klägers auszugehen sei. Selbst wenn man einen wichtigen Grund annehme, scheitere die Wirksamkeit der außerordentlichen Kündigung an einer Interessenabwägung im konkreten Fall, nachdem das Arbeitsverhältnis des Klägers 13 Jahre unbeanstandet bestanden habe und es keine Hinweise auf andere Pflichtverletzungen gegeben habe. Auch die hilfsweise ordentliche Kündigung sei (ausschließlich) mangels sozialer Rechtfertigung unwirksam. Ohne Ausspruch einer entsprechenden Abmahnung gebe es für eine solche Kündigung keinen Anlass, so das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg.