Übernatürliche Wesen nehmen keine Barzahlung

15.05.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (335 mal gelesen)
Übernatürliche Wesen nehmen keine Barzahlung © Monika Wisniewska – Fotolia.com
Wesen in anderen Daseins-Spähren finanzielle Aufmerksamkeiten zukommen zu lassen, gestaltet sich oft schwierig. Dies musste auch ein Spriritueller Meister erfahren, der von zwei Anhängern auf Rückzahlung von 150.000 Euro verklagt wurde – wegen fehlgeschlagener Weiterleitung.

Die Kläger waren ein deutsches Ehepaar, das in der Schweiz ein esoterisches Zentrum betrieb. Der Beklagte war für das Paar über einen langen Zeitraum zu einem geistigen Berater geworden, dem sie vertrauten. Beide waren über Jahre hinweg seine Schüler, denen er sein sprituelles System vermittelte. Er stellte sich selbst als einen Adepten spiritueller Kräfte dar, der mit Wesen in Kontakt treten könne, die unter den Beteiligten als "die Unsterblichen" bezeichnet wurden. Mit diesen Wesen konnte der Spirituelle Meister nun nach eigenem Bekunden direkt körperlich in Kontakt treten und ihnen sogar Dinge übergeben. Auch Geld.

Spenden, so vermittelte er seinen Schülern, würde er direkt den "Unsterblichen" übergeben, damit diese das Geld an der effektivsten Stelle einsetzen könnten, um Gutes in der Welt zu wirken. Das Ehepaar, welches mittlerweile komplett in seinem Glaubenssystem aufgegangen war, versprach ihm, jedes Jahr das gemeinsame Einkommen an ihn zu melden. Der Meister erhob dann einen "Zehnten" – zehn Prozent für die Weiterleitung an die "Unsterblichen". Für das Finanzamt wurden ordentliche Rechungen geschrieben: Beratung, Coaching, Suchmaschinenoptimierung.

Der sprituelle Meister hatte nun jedoch eine Ehefrau, die auch seinem Glaubenssystem anhing. Allerdings, wie es so geht, eines Tages kam es zum Streit und zur Scheidung. Die Ex-Frau telefonierte nun eines Tages mit dem Ehepaar in der Schweiz, und erzählte einige interessante Details – zum Beispiel, dass die gesamten Zuwendungen für die "Unsterblichen" nicht an diese weiter geleitet, sondern für Einkäufe und die private und offenbar aufwändige Lebenshaltung des "Meisters" ausgegeben worden waren. Sie selbst habe früher auch an seine Ideen geglaubt und sei nun in Therapie.

Das Ehepaar fiel nun aus allen Wolken und schlug auf dem harten Boden der Tatsachen auf. Umgehend zog man vor Gericht und dort durch mehrere Instanzen.

Das Oberlandesgericht München kam nach ausführlicher Untersuchung des Falles zu dem Ergebnis, dass die Kläger offenbar tatsächlich ganz in das Glaubenssystem ihres "Meisters" integriert gewesen seien. Sie hätten seine Versprechungen tatsächlich geglaubt. Er dagegen habe etwas versprochen, was von vornherein unmöglich gewesen sei: Die körperliche Weiterleitung von Geld an sprituelle Wesen. Das den Zahlungen irgendwelche ernsthaften in den Rechnungen aufgeführten Leistungen gegenüber gestanden hätten, wurde durch Zeugenaussagen widerlegt.
Das Gericht entschied: Nach § 667 dies Bürgerlichen Gesetzbuches sei Geld, das jemand für einen nicht durchführbaren Auftrag entgegengenommen habe, zurückzugeben.

OLG München, Endurteil vom 10.12.2015, Az. 14 U 915/15