Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder

17.10.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (620 mal gelesen)
Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder
Auch volljährige Kinder können noch einen Unterhaltsanspruch gegen ihre Eltern haben. Dieser Anspruch ist nicht auf den Scheidungsfall begrenzt. Sogar die Finanzierung einer Ausbildung ist für die Eltern Pflicht.

Kindesunterhalt – was ist das?
Eltern sind grundsätzlich verpflichtet, für den Lebensbedarf ihrer Kinder aufzukommen. Lebt die Familie zusammen, wird dieser Pflicht durch die Erziehung und Pflege der Kinder sowie durch die gemeinsame Haushaltsführung Rechnung getragen. Kritisch wird es meist, wenn die Eltern sich trennen, sich scheiden lassen oder wenn ein Kind von zu Hause auszieht. Hier stellt sich schnell die Frage, inwieweit das Kind durch Geld unterstützt werden muss. Anspruch auf Kindesunterhalt haben minderjährige Kinder – aber auch Volljährige, die sich in ihrer ersten Ausbildung befinden. Barunterhalt zahlen muss bei Minderjährigen der Elternteil, der das Kind nicht selbst erzieht.

Unterhalt für Volljährige
Mit dem 18. Geburtstag wird man volljährig. Damit besteht kein Sorgerecht der Eltern mehr und es tritt Eigenverantwortung ein. Die Eltern müssen nun grundsätzlich Barunterhalt an das Kind zahlen – und zwar beide, also auch der Elternteil, bei dem das Kind lebt. Leben die Eltern getrennt und hat bisher ein Elternteil vom anderen den Unterhalt für das Kind eingefordert, so ist das volljährige Kind jetzt selbst dafür verantwortlich, das Geld einzuziehen. Voraussetzung für den Unterhaltsanspruch eines volljährigen Kindes gegen seine Eltern ist, dass es sich in seiner Erstausbildung befindet. Damit ist nicht die Schule gemeint, sondern die Berufsausbildung, welche zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führt. Dies kann auch ein Studium sein.

Mehrere Kinder – wer kassiert zuerst?
Gibt es mehrere Kinder, entsteht leicht Streit um die Frage, wer zuerst seinen Unterhalt bekommt. Hier unterscheidet man zwischen privilegierten und nicht privilegierten Kindern. Privilegierte Volljährige sind minderjährigen Kindern gleichrangig. Privilegiert ist man vor Vollendung des 21. Lebensjahres, wenn man noch unverheiratet ist, bei den Eltern oder einem Elternteil lebt und noch eine allgemeine Schulausbildung wahrnimmt. Erfüllt ein Kind diese Voraussetzungen nicht, sind zuerst seine Geschwister beim Unterhalt an der Reihe: Die minderjährigen und die privilegierten volljährigen Kinder gehen vor.

Selbstbehalt der Eltern
Die Eltern haben gegenüber ihren unterhaltsberechtigten Kindern ein Anrecht auf einen gewissen Selbstbehalt, um ihren eigenen Lebensunterhalt decken zu können. Dieser beträgt für erwerbstätige Elternteile bei minderjährigen und bei privilegierten volljährigen Kindern 1.000 Euro im Monat einschließlich eines Mietanteils von 360 Euro. Der angemessene Eigenbedarf, speziell gegenüber nicht privilegierten volljährigen Kindern, beträgt 1.200 Euro im Monat. Der Betrag schließt eine Warmmiete bis 450 Euro im Monat ein.

Düsseldorfer Tabelle
Der Kindesunterhalt wird nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet, die kein Gesetz ist, sondern lediglich eine von Richtern ausgearbeitete Richtlinie. Sie weist den Unterhaltsbedarf aus, der nicht mit dem zu zahlenden Betrag identisch ist. Dieser wird dann noch durch Faktoren wie die Anzahl der Kinder und den Selbstbehalt der Eltern beeinflusst. Wie hoch der Unterhaltsbedarf nach der Düsseldorfer Tabelle ist, richtet sich nach dem Alter des Kindes und dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen. Bei einem Einkommen zwischen 2.701 und 3.100 Euro weist die 2013er Tabelle für ein volljähriges Kind einen Unterhaltsbedarf von 586 Euro aus. Dies gilt für Kinder, die bei ihren Eltern wohnen. Die Tabelle wird regelmäßig überarbeitet.

Ausbildung
Wird in einer Berufsausbildung Geld verdient, ist dies auf den Unterhaltsanspruch anzurechnen. Allerdings darf der Azubi von seiner Ausbildungsvergütung vor dieser Anrechnung 90 Euro abziehen. Dieser Betrag wird ihm für besondere Ausbildungskosten wie Fachliteratur und Berufskleidung zugestanden.

Studenten
Die Düsseldorfer Tabelle schreibt für einen Studenten, der nicht mehr bei seinen Eltern wohnt, einen Unterhaltsbedarf von 670 Euro pro Monat vor. Diese Summe enthält bis zu 280 Euro für Unterkunft und Heizung. Ein unbegrenzt langes Dauerstudium müssen die Eltern nicht finanzieren. Aber: Der Unterhaltsanspruch beschränkt sich auch nicht auf die bekanntermaßen unrealistische „Regelstudienzeit“, sondern orientiert sich an der durchschnittlichen realen Studienzeit im jeweiligen Fach. Auch ein einzelner Fachwechsel beeinflusst den Unterhaltsanspruch nicht. Selbst eine Kombination von Ausbildung und Studium wird oft als akzeptabel angesehen – wenn zügig gelernt wird.