Wann sind Diamant-Ohrringe ein Pärchen?

26.02.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (111 mal gelesen)
Wann sind Diamant-Ohrringe ein Pärchen? © Jürgen Fälchle - Fotolia.com
Diamanten sind Gerüchten zufolge die besten Freunde einer Frau. Ihr Wert ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Bei Schmuckobjekten wie Ohrringen kommt es darauf an, ob die Edelsteine ein "Pärchen" bilden.

Um die Pärchenfrage ging es in einem Fall vor dem Oberlandesgericht Hamm. Ein Kunde hatte bei einem Juwelier zwei Diamantohrringe erstanden – durchaus auch als Geldanlage. Der stolze Preis lag bei 268.000 Euro. Die Ohrringe wurden als "Pärchen" verkauft; dies wurde mit Expertisen von Schmuckfachleuten belegt.

Unter einem "Pärchen" versteht man in der Schmuckwelt zwei Edelsteine, die sowohl von Größe und Karat her als auch vom Aussehen besonders gut zusammenpassen. Da solche sich ähnelnden Steine nicht ganz einfach aufzutreiben oder zu schleifen sind, ist ein solches Pärchen besonders viel wert.

Der Käufer war nun mit dem Pärchen nicht zufrieden. Er holte ein eigenes Gutachten ein, und meinte, zuviel bezahlt zu haben. Die Steine seien kein wirkliches Pärchen, auch wären sie von schlechterer Qualität als erwartet. Ihr Handelswert liege bei 130.000 bis 160.000 Euro. Der Kunde erklärte die Anfechtung des Kaufvertrages wegen arglistiger Täuschung, und bald traf man sich vor Gericht.

Das Gericht beauftragte nun einen weiteren Sachverständigen, der die Edelsteine unter die Lupe nahm. Nach dessen Ergebnis erfüllten die Diamanten jedoch alle üblichen Kriterien für ein Pärchen. Das Gericht erklärte, dass auch das private Gutachten des Klägers die Steine als Pärchen angesehen habe – nur eben nicht mit einem so hohen Wert. Am Verkaufspreis konnte das Gericht allerdings wenig aussetzen. Der Preis liege nicht deutlich über den Preisen, die andere Händler in dem Jahr für ähnliche Ware verlangt hätten. Laut Gerichts-Sachverständigem lag der Herstellungspreis bei 102.000 Euro, dazu kämen noch die Gewinnspannen von Hersteller und Händler. Es sei nicht unüblich, dass ein Händler den Betrag des Einkaufspreises nochmal als Gewinn draufschlage (Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 8.11.2016, Az. 7 U 80/15). Der Käufer konnte den Kaufvertrag damit nicht rückgängig machen.