Was ändert sich 2015 im Gesundheitswesen?

02.01.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (353 mal gelesen)
Was ändert sich 2015 im Gesundheitswesen? © spotmatikphoto - Fotolia.co
Im Bereich Gesundheit und Pflege gibt es im Jahr 2015 mehrere wichtige Änderungen. Dazu gehört die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Änderungen gibt es auch bei der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung und beim Beitragssystem der gesetzlichen Krankenkassen.

Die Gesundheitskarte
Zum 1. Januar 2015 hat die elektronische Gesundheitskarte endgültig die bisherige Krankenversicherungskarte abgelöst. Sie ist jetzt alleiniger Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen. Die alten Karten sind ungültig, unabhängig vom darauf genannten Datum. Sinn der Gesundheitskarte ist es, den Informationsaustausch zwischen Ärzten und Krankenhäusern zu verbessern. So sollen einerseits durch eine bessere Identifikation des Patienten Personenverwechslungen und Missbräuche ausgeschlossen werden. Andererseits sollen Ärzte ohne Zeitverzug wichtige Gesundheitsdaten erhalten können, die sie für die Behandlung brauchen – etwa über Allergien oder Vorerkrankungen des Patienten. Die auf der Karte gespeicherten Informationen werden allerdings erst in mehreren Ausbaustufen ergänzt, bis die Karte alle geplanten Infos liefern kann. Datenschützer sehen das System kritisch. Immerhin soll jeder Versicherte selbst entscheiden können, ob er die Möglichkeiten der nächsten Ausbaustufen der Karte nutzt und ob zum Beispiel medizinische Notfalldaten oder seine Bereitschaft zur Organspende darauf gespeichert werden sollen.

Krankenkassenbeiträge
Eine weitere Änderung besteht darin, dass die gesetzlichen Krankenkassen ab 2015 einen Teil des Beitrags selbst festlegen dürfen. Dazu setzt man zunächst den gesetzlichen Beitrag von 15,5 Prozent um 0,9 Prozent auf 14,6 Prozent herunter. Nun ist es Sache der Kassen, ob und in welcher Höhe sie weitere Prozente verlangen. Sinn der Übung ist ein stärkerer Wettbewerb unter den Krankenkassen. Offenbar funktioniert dies auch: Zum Jahresende wurde bekannt, dass insgesamt 62 Kassen ihre Beiträge im Vergleich zu 2014 senken. Wird der Beitrag erhöht, haben Versicherte das Recht zu kündigen: Die Kündigung muss spätestens bis zum Ende des Monats stattfinden, für den die Kasse den Zusatzbeitrag erstmals erhebt oder erhöht. Sie wird dann zum Ende des übernächsten Monats wirksam. Aber: Billig hat oft auch Nachteile. Denn mehrere Kassen haben angekündigt, die angebotenen Zusatzleistungen zu kürzen, um Beitragssenkungen zu finanzieren.

Neue Beitragsbemessungsgrenzen
Die Beitragsbemessungsgrenzen werden regelmäßig geändert, um sich der Einkommensentwicklung anzupassen. Für die Krankenversicherung gilt nun eine Beitragsbemessungsgrenze von jährlich 49.500 Euro oder monatlich 4.125 Euro. Die Versicherungspflichtgrenze liegt nun jährlich bei 54.900 Euro oder monatlich bei 4.575 Euro. Eine Abweichung gibt es für Versicherte, die bereits am 31.12.2002 privat krankenversichert waren: Hier beträgt die Versicherungspflichtgrenze jährlich 49.500 Euro oder monatlich 4.125 Euro. Wenn das Brutto-Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers die Versicherungspflichtgrenze überschreitet, muss dieser nicht mehr in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sein und kann in eine private Kasse wechseln.

Pflegeversicherung
In der Pflegeversicherung steigen die Beiträge. Sowohl die ambulanten als auch die stationären Pflegeleistungen werden ab 2015 erhöht bzw. ausgeweitet. Besser kombiniert werden können nun Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Pflegen Sie einen Angehörigen zuhause, kann dieser bei zeitweiliger Abwesenheit der Pflegeperson jetzt einfacher für einen begrenzten Zeitraum in einem Pflegeheim oder auch durch einen ambulanten Pflegedienst betreut werden. Erweitert wird der Anspruch auf Betreuung durch Helfer im Rahmen der ambulanten Pflege. Angehoben werden soll die Zahl der Betreuungskräfte in Heimen. Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung wird mit Jahresbeginn 2015 von früher 2,05 Prozent auf 2,35 Prozent angehoben. Bei Kinderlosen ab dem vollendeten 23. Lebensjahr steigt er auf 2,6 Prozent.

Familienpflegezeit
Geändert wurden ebenfalls die gesetzlichen Regelungen über die Familienpflegezeit. Dies betrifft Arbeitnehmer, die einen schwer kranken Angehörigen zuhause pflegen. Angehörige dürfen bis zu zehn Arbeitstage zuhause bleiben, um bei einem Notfall – also in einer akuten Pflegesituation – eine bedarfsgerechte Pflege für den Betreffenden zu organisieren. In dieser Zeit erhalten Sie nun eine Lohnersatzleistung – das Pflegeunterstützungsgeld. Beantragt werden muss dieses bei der Pflegeversicherung des zu pflegenden Angehörigen. Weiterhin können Arbeitnehmer bis zu sechs Monate ganz oder teilweise mit der Arbeit pausieren, um einen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung zu pflegen. Seit 1. Januar 2015 können Sie für diesen Zeitraum ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen, um den Einkommensverlust auszugleichen. Aber: In Unternehmen mit 15 oder weniger Beschäftigten besteht auf die sechsmonatige Arbeitspause kein Rechtsanspruch.