Wenn Bello beißt - Tierhalterhaftung

12.08.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (270 mal gelesen)
Wenn Bello beißt - Tierhalterhaftung
Schnell noch mit dem Hund Gassi gehen – und schon ist es passiert: Eine Beißerei mit anderen Hunden, ein Passant mischt sich ein, und bald wird der Hundebesitzer mit Arzt- sowie Tierarztrechnungen und Schmerzensgeldforderungen konfrontiert. Mancher Tierhalter erfährt dann zum ersten Mal, wofür er anderen gegebenenfalls haftet.

Tierhalterhaftung – gesetzlich geregelt

Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt in § 833, dass Tierhalter für die Schäden gerade stehen müssen, die ihre Lieblinge verursachen. Dies gilt für den Tod oder die Verletzung eines Menschen ebenso wie für eine Sachbeschädigung. Verletzt Ihr Hund also einen anderen Hund, müssen Sie dessen Tierarztrechnung übernehmen. Beißt er einen Passanten, stehen Sie ebenfalls in der Pflicht. Teuer werden kann es übrigens auch bei größeren Tieren, wie zum Beispiel Pferden.

Wer ist Tierhalter?

Als Tierhalter zählt nicht automatisch der Eigentümer. Wer als Tierhalter haften muss, richtet sich nach einigen Anhaltspunkten: Tierhalter ist derjenige, der an der Haltung des Tieres ein eigenes Interesse hat, der dessen Haltungskosten trägt, der über das Tier bestimmen kann und das wirtschaftliche Risiko bei dessen Verlust trägt. Diese Indizien müssen nicht alle erfüllt sein. Beispiel: Der reiche Vater kauft seiner Tochter ein Pferd und zahlt für Futter und Stall. Die Tochter hat wenig Geld, ist aber im Pferdepass als Besitzerin eingetragen; sie pflegt und reitet das Pferd. Der Vater zahlt die Haftpflichtversicherung. Das Pferd verursacht einen Schaden. Hier gilt die Tochter als Tierhalterin, nicht der Vater – denn er hat kein Eigeninteresse und reitet nicht. Dass der Geschädigte gerne den reicheren von beiden verklagen möchte, spielt keine Rolle (OLG Schleswig, Az. 13 O 146/03).

Pferd gegen Auto

In einem vor dem Amtsgericht Limburg verhandelten Fall musste der Eigentümer eines Pferdes, das beim Überqueren eines Zebrastreifens gescheut und ein Auto beschädigt hatte, den Schaden bezahlen (Az. 4 C 547/98). Zwar war das Pferd nur deshalb in Panik geraten, weil ihm auf dem Zebrastreifen ein aggressiver, laut wiehernder Esel entgegenkam. Dessen Tierhalter kam jedoch ohne Mithaftung davon. Denn das Gesetz stellt Eigentümer von Nutztieren von einer Haftung frei – und der Esel war als Reittier für zahlende Gäste im Einsatz. Richtet also ein Haustier einen Schaden an, mit dem Sie Ihr Geld verdienen – also z.B. ein Rennpferd oder eine Milchkuh – hat der Geschädigte womöglich schlechte Karten. Auch bei beruflich eingesetzten Tieren haftet der Tierhalter allerdings, wenn er diese nicht ausreichend beaufsichtigt hat. Lässt also ein Reiterhofbetreiber das Gatter einer Wiese offen, so dass seine Ponys weglaufen und Nachbars Garten verwüsten, muss er zahlen.

Auch ohne Verschulden: Der Halter haftet

Die Tierhalterhaftung gilt bei Nicht-Nutztieren auch ohne jedes Verschulden des Tierhalters. Beißt Ihr Hund also einen Passanten, kommt es nicht darauf an, ob Sie den Hund ausreichend festgehalten haben – Sie haften in jedem Fall. Allerdings kann das Gericht auch ein Mitverschulden des Geschädigten berücksichtigen: So musste eine Frau, die in eine Beißerei zweier Hunde eingriff, um ihren eigenen Hund zu schützen, 50 Prozent des Schadens selbst tragen. Sie war vom fremden Hund gebissen worden (OLG Hamm, Az. I-6 U 72/11).

Gefährliche Berufe: Tierarzt und Hufschmied

Beißt Ihr Hund bei der Behandlung den Tierarzt, müssen Sie als Tierhalter den Schaden bezahlen. Dass Sie gar nicht dabei waren und keine Möglichkeit hatten, auf Ihren Bello einzuwirken, spielt keine Rolle (OLG Celle, Az. 20 U 38/11). Das gleiche gilt auch, wenn Ihr Pferd den Hufschmied tritt oder in der Tierklinik mal eben das Röntgengerät zerlegt. Dass die Geschädigten hier beruflich die Obhut über ein fremdes Tier übernommen haben, zählt seit einem Urteil des Bundesgerichtshofes von 2009 nicht mehr (BGH, Az. VI ZR 166/08). Allerdings kann auch den Tierärzten und Hufschmieden ein Mitverschulden angelastet werden, wenn sie Fehler machen.

Dauerschaden durch Katzenbiss

Auch Katzen können aggressiv sein. So musste der Halter einer Katze kräftig zahlen, die in ein Hotelzimmer eingedrungen war. Die Bewohnerin hatte versucht, die Katze zu fangen und nach draußen zu befördern – aber das Tier biss die Frau dermaßen kräftig in die Hand, dass eine dauerhafte Verletzung zurückblieb. Es musste daher nicht nur eine vierstellige Summe an Arztkosten und Schmerzensgeld gezahlt werden – sondern das Gericht stellte auch fest, dass die Halterin für alle zukünftig auftretenden Schäden und Behandlungskosten gerade stehen müsse (LG Bielefeld, Az. 21 S 38/11).

Ausweg: Haftpflichtversicherung

Für Tierhalter gibt es besondere Haftpflichtversicherungen, die derartige Schäden abdecken. Hier sollten Sie auf die Vertragsbedingungen achten: Je nach Tier gibt es unterschiedliche Verträge; einige Gesellschaften bieten Rabatte bei mehreren Tieren der gleichen Gattung an.