Kategorie: Familienrecht

Der "gemeinsame" Anwalt bei Scheidung - für alle Beteiligten ein Risiko

, Autor: Herr Peter Hasler (433 mal gelesen)
Peter Hasler
Scheiden tut weh - dies betrifft sowohl die Gefühle als auch das Portemonnaie. Deshalb ist die Suche nach kostensparenden Lösungen verständlich. Sind sich die scheidungswilligen Ehegatten über die Regelung ihrer Trennungs- u. Scheidungsfolgen (Unterhalt, Zugewinn, Sorgerecht etc.) einig, entschließen sich manche, die gefundenen Lösungen von einem "gemeinsamen" Anwalt prüfen und ggf. bestätigen, erforderlichenfalls auch ändern zu lassen. Dieses Vorhaben ist schon im Ansatz bedenklich. Einen "gemeinsamen" Anwalt, der die Interessen beider Ehegatten wahrnimmt, gibt es grundsätzlich nicht. Es ist dem Anwalt sogar ausdrücklich verboten, widerstreitende Interessen zu vertreten. So ist es leicht nachvollziehbar, dass etwa die Interesssenlage beim Unterhaltsberechtigten und Unterhaltsverpflichteten regelmäßig gegenläufig ist. Die trennungswilligen Ehegatten sind also gehalten, auch bei nur geringen Interessengegensätzen jeweils einen eigenen Rechtsanwalt aufzusuchen.

Von diesem Grundsatz macht der Bundesgerichtshof (BGH) in seiner jüngsten Entscheidung vom 19.09.2013 (AZ IX ZR 322/12) eine Ausnahme: Eine gemeinsame Beratung durch nur einen Rechtsanwalt ist möglich, wenn keinerlei Interessengegensatz besteht und beide Ehegatten darüber belehrt werden, dass bei auftretenden Problemen der Anwalt sofort seine Tätigkeit einstellen muss. Er darf danach keinen von beiden Ehegatten mehr vertreten und beraten mit der Folge, dass dann Kosten für insgesamt 3 Rechtsanwälte fällig werden können.

Wer sich in der Trennungssituation befindet, sollte deshalb sorgfältig prüfen, ob er nicht von vornherein den sicheren Weg des "eigenen" Anwalts geht.

Peter Hasler
Fachanwalt für Familienrecht


War dieser Rechtstipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben:

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
28.11.2014, BGH Az. XII ZB 20/14 - (39 mal gelesen)

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass das postmortale Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen im Falle einer für die Feststellung der Vaterschaft erforderlichen DNA-Untersuchung und einer damit einhergehenden Exhumierung regelmäßig hinter das Recht ...

13.11.2014, Autor Andreas Jäger (208 mal gelesen)

Wer als unterhaltsberechtigter Partner den Trennungsunterhalt zunächst nicht einfordert, läuft Gefahr, dass der Anspruch „verwirkt“ ist. Sobald sich ein Ehepaar zu einer Trennung entscheidet, ist über den ...

4.5/5 (2 Bewertungen)
10.11.2014, Autor Lothar Böhm (183 mal gelesen)

Der Bundesgerichtshof hat mit seiner Entscheidung vom 24.09.2014 (XII ZB 111/13) erneut entschieden, dass von dem Unterhaltsschuldner im Rahmen der gesteigerten Unterhaltspflicht im Hinblick auf den nicht gesicherten Mindestunterhalt seines Kindes auch ...

04.11.2014, Autor Andreas Jäger (64 mal gelesen)

Das FG Rheinland-Pfalz hat entschieden, dass Scheidungsprozesskosten steuerrechtlich als außergewöhnliche Belastung einzuordnen sind, Scheidungsfolgekosten allerdings (noch) nicht. Nach einer Reform des ...

4.0/5 (1 Bewertungen)
01.11.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice (251 mal gelesen)

Es kommt vor, dass sich Deutsche auf Reisen im Ausland verlieben – oder ihre Gefühle für einen ausländischen Staatsbürger entdecken, der sich in Deutschland aufhält. Eine Heirat mit einem Nicht-EU-Bürger wirft oft ungeahnte bürokratische Probleme auf. ...

5.0/5 (1 Bewertungen)


Seite 1 von 81 vorwärtszurück