Mit Moon Boots auf Gas- und Bremspedal?

16.11.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (205 mal gelesen)
Mit Moon Boots auf Gas- und Bremspedal? © Petair - Fotolia.com
Der Winter hat sich in diesem Jahr nicht lange bitten lassen. Vielerorts haben die ersten Schneefälle bereits für winterliche Verhältnisse gesorgt. Dick gefütterte Stiefel und Moon Boots halten jetzt die Füße warm und sorgen für sichern Stand auf rutschigem Untergrund. Doch so sehr Winterstiefel die Sicherheit der Fußgänger erhöhen, als Fahrer eines Autos kann solch klobiges Schuhwerk auch Probleme bereiten. Und wie sieht das Ganze rechtlich aus -sind Boots am Steuer überhaupt erlaubt? Drohen gar Bußgelder, zahlt die Versicherung im Fall der Fälle? Ein Überblick.

Was sagt die StVO
Grundsätzlich schreibt das Gesetz nicht vor, welche Art von Schuhen der Fahrer eines Autos zu tragen hat. Ein Verbot bestimmten Schuhwerks gibt es ebenso wenig. Weder Gummistiefel, Moon Boots oder Treckingstiefel noch High Heels, Socken oder Badeschlappen sind per se verboten. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt dem Führer eines Fahrzeugs lediglich auf, für die Verkehrssicherheit desselben Sorge zu tragen. § 23 Abs. 1 S. 2 StVO bestimmt, dass der Fahrzeugführer dafür verantwortlich ist, "dass das Fahrzeug sowie die Ladung und Besetzung vorschriftsmäßig sind und dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung oder Besetzung nicht leidet".

Kein Gefühl für die Pedale
Eine Sorgfaltspflicht, die einem Urteil des OLG Celle aus dem Jahr 2010 zufolge (322S s46/07) selbst durch Barfußfahren nicht verletzt wird. Diese Variante scheidet im Winter zwar ohnehin aus, aber ähnlich ungewohnt wie das Fahren ohne Schuhe - verändertes Druckgefühl beim Betätigen der Pedale, wenig Halt, mangels rutschfester Sohle - kann es sich anfühlen mit steifen, klobigen Stiefeln zu fahren. Auch hier stellt mangelndes Gefühl für die Pedale ein Problem dar und - gerade bei breiten Modellen - kann die Gefahr bestehen, Bremse und Gas gleichzeitig zu betätigen. Dennoch: so lange nichts passiert, hat auch der mit Moon Boots bestückte Fahrer bei einer Verkehrskontrolle kein Bußgeld zu befürchten.

Wenn etwas passiert
Hier kommt allerdings ein großes "aber" ins Spiel: Denn wer nachgewiesener Maßen aufgrund unpassenden Schuhwerks einen Unfall verursacht oder sogar Dritte schädigt, kann sehr wohl bußgeldrechtlich belangt werden. Auch eine Mithaftung kommt in einem solchen Fall in Frage. Allerdings muss der Unfallgegner dann nachweisen, dass der Unfall durch das Tragen bestimmter Schuhe verursacht worden ist.

Versicherungsschutz bleibt bestehen
Ein Verlust des Versicherungsschutzes droht dem "Winterstiefel-Piloten" jedoch nicht. Die Kfz-Haftpflichtversicherung hat Schäden beim Unfallgegner zu tragen, ganz gleich, welche Schuhwahl der Versicherte getroffen hatte. Sogar der Eintritt der Vollkaskoversicherung für Schäden am eigenen Fahrzeug ist in der Regel unproblematisch, da die Rechtsprechung das Tragen bestimmter Schuhe am Steuer bislang nicht als grobe Fahrlässigkeit eingestuft hat. Anders sieht es bei Berufskraftfahrern aus - diese Berufsgruppe muss laut Gesetz geschlossenes Schuhwerk tragen. Ob Moon Boots o.Ä. hierunter fallen, erscheint zumindest diskussionswürdig.

Fazit
Wer auf solche Unwägbarkeiten verzichten möchte, der sollte jedoch auf Nummer sicher gehen und auf unpraktisches, übergroßes, rutschiges oder extrem besohltes Schuhwerk verzichten. Mit einem im Auto deponierten Paar Wechselschuhe lassen sich Bußgeld- und Haftungsrisiken - seien sie auch noch so gering - gänzlich auf null reduzieren. Das gute Gefühl, sein Fahrzeug auch bei nötigen Bremsmanövern sicher zu beherrschen, gibt es gratis dazu.