Sex mit Minderjährigen – eine Straftat

13.01.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1342 mal gelesen)
Sex mit Minderjährigen – eine Straftat © jinga80 - Fotolia.com
Sexuelle Handlungen an Minderjährigen sind eine Straftat. Verschiedene Tatbestände des Strafgesetzbuches beschreiben unterschiedliche Delikte aus diesem Bereich. Das Strafrecht macht die Strafbarkeit vom Alter der Beteiligten abhängig.

Kinder und Jugendliche
Zunächst ist zwischen Kindern und Jugendlichen zu unterscheiden. Als Kinder bezeichnet man Personen unter 14 Jahren. Jugendliche haben zwar das 14. Lebensjahr vollendet, sind aber noch nicht volljährig. Die einschlägigen Vorschriften stellen in der Regel die Vornahme sexueller Handlungen unter Strafe. Dies können solche mit oder ohne direkten körperlichen Kontakt sein.

Sexueller Verkehr mit Kindern
Wer mit einem Kind sexuell verkehrt, macht sich in jedem Fall strafbar. Nach § 176 Abs. 1 Strafgesetzbuch steht auf sexuellen Missbrauch von Kindern eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Um sich strafbar zu machen, reicht es aus, dass der Täter sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen läßt. Weder ein Zwang noch ein persönliches Verhältnis zum Opfer sind nötig, um die Strafbarkeit zu begründen. Die gleiche Strafe erwartet einen Täter, der ein Kind dazu bringt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen. Auch der Versuch ist strafbar.

Schwerer sexueller Missbrauch
Mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe steht auf den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern (§ 176a StGB). Ein solcher liegt vor, wenn der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre bereits wegen einer derartigen Straftat verurteilt worden ist. Eine Mindeststrafe von zwei Jahren gibt es, wenn ein über 18jähriger mit einem Kind den Beischlaf vollzieht oder sexuelle Handlungen vornimmt bzw. an sich vornehmen lässt, die mit einem Eindringen in den Körper einhergehen. Dies gilt auch für eine von mehreren Tätern begangene Tat oder wenn das Kind durch die Tat in die Gefahr eines schweren gesundheitlichen oder seelischen Schadens gebracht wurde. Körperliche schwere Misshandlungen und Lebensgefahr für das Kind bedeuten eine Mindeststrafe von fünf Jahren für den Täter.

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
Ein besonderer Straftatbestand ist auch der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen. Dies sind einerseits Personen unter sechzehn Jahren, die dem Täter zur Erziehung, Ausbildung oder Betreuung anvertraut worden sind. Andererseits sind es auch Personen unter 18 Jahren, wenn sie dem Täter zur Erziehung, Ausbildung oder Betreuung anvertraut oder im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet sind, wenn die mit dem jeweiligen Vertrauensverhältnis einhergehende Abhängigkeit ausgenutzt wird. Auch das Vornehmen sexueller Handlungen an einem eigenen leiblichen oder angenommenen Kind unter 18 Jahren gilt als Missbrauch von Schutzbefohlenen. Die Strafandrohung beträgt drei Monate bis fünf Jahre.

Gefangene, Patienten, Hilfsbedürftige
Ohne Altersbegrenzung stellt das Gesetz den sexuellen Missbrauch von Personen unter Strafe, die dem Täter als Häftlinge, Patienten in geschlossenen Einrichtungen, Betreute, Behinderte, Suchtkranke etc. ausgeliefert sind. Strafbar ist insbesondere der sexuelle Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung.

Sexueller Mißbrauch von Jugendlichen
Personen, die zwar das 14., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben, gelten als Jugendliche. Den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen stellt § 182 StGB unter Strafe. Gegenüber dem Missbrauch von Kindern wird hier jedoch die Ausnutzung einer Zwangslage gefordert. Strafbar ist auch der Missbrauch eines unter 18jährigen ohne Zwangslage durch einen über 18jährigen Täter, wenn dieser ihm Geld dafür bezahlt. Möglich ist eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Strafbar macht sich auch eine Person über 21 Jahre, die eine Person unter 16 Jahren sexuell missbraucht. Hier ist zusätzlich Voraussetzung, dass die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausgenutzt wird. Der Täter kann im letzten Fall zu einer Geldstrafe oder zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren verurteilt werden.

Missbrauchsvorwurf und Unterhalt
Auch im Familienrecht kann sich der Vorwurf eines sexuellen Missbrauchs gegenüber Kindern auswirken. So hatte sich das Oberlandesgericht Schleswig mit einem Fall zu beschäftigen, in dem eine Ehefrau nach der Trennung ihrem Mann vorwarf, er würde die bei ihm wohnenden gemeinsamen Kinder missbrauchen. Als sich herausstellte, dass sie absichtlich falsche Vorwürfe erhoben hatte, verlor sie ihr Recht auf Trennungsunterhalt (Oberlandesgericht Schleswig, Urteil vom 21.12.2012
Az. 10 UF 81/12).

Missbrauch von Schutzbefohlenen
Ein strafrechtliches Urteil zum Missbrauch von Schutzbefohlenen hat das Landgericht Passau im Herbst 2014 gefällt: Ein Schulbusfahrer hatte sexuelle Übergrifffe gegen Mädchen zwischen 13 und 16 begangen. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Freiheitsstrafe.