Sex mit Minderjährigen: Welche Strafen drohen?

15.08.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (1483 mal gelesen)
Sex mit Minderjährigen: Welche Strafen drohen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Sexuelle Kontakte mit Minderjährigen können zu empfindlichen Strafen führen. Dabei gibt es für die verschiedenen Delikte unterschiedliche Altersgrenzen. Hohe Strafen sieht der Gesetzgeber unter anderem bei Schutzbefohlenen vor.

Wann genau Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen strafbar ist, ist vielen Menschen nicht geläufig. Der Gesetzgeber hat ein abgestuftes System von Straftatbeständen entwickelt, bei denen sich die Strafbarkeit jeweils nach dem Delikt, aber auch nach dem Alter der Betroffenen richtet. Dabei wird zum Beispiel zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden. Und in vielen Fällen ist das strafbare Delikt gerade kein Sex im Sinne von Beischlaf.

Kinder bis einschließlich 13 Jahre


Wer das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, gilt als Kind. Wer sexuelle Handlungen an einem Kind vornimmt – oder von dem Kind an sich vornehmen lässt – macht sich strafbar nach § 176 Strafgesetzbuch (StGB). Hierauf steht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Das bedeutet: Immer mindestens ein halbes Jahr Knast. Wer dafür sorgt, dass ein Kind sexuelle Handlungen an einer dritten Person vornimmt oder an sich vornehmen lässt, wird ebenso bestraft. Eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten und bis zu fünf Jahren hat zu erwarten, wer sexuelle Handlungen an sich selbst vor einem Kind vornimmt. Dies gilt auch für Personen, die ein Kind mithilfe von Telefon oder Internet dazu bringen, sexuelle Handlungen an oder vor dem Täter oder Dritten vorzunehmen oder an sich vornehmen zu lassen. Ebenso ist es verboten, Kindern pornographische Bilder, Filme, Online-Videos und Ähnliches zu zeigen. Hier droht wiederum eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Was ist eine sexuelle Handlung?


Mit diesem nebulösen Begriff sind in erster Linie körperliche Berührungen mit sexuellem Bezug gemeint. Dabei muss es sich aber nicht um Geschlechtsverkehr im Sinne von Beischlaf handeln. Es kann also zum Beispiel auch das Berühren eines von Kleidung bedeckten Geschlechtsteils sein, ein Anfassen der Brüste eines Mädchens unter der Kleidung oder ein Zungenkuss.

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern


In vielen Fällen ist es mit der oben genannten Mindeststrafe von sechs Monaten nicht getan. Das Gesetz sieht bei einer Reihe von Sexualstraftaten gegen Kinder deutlich höhere Mindesttrafen vor. Ist man über 18 und vollzieht mit einem Kind den Beischlaf (oder macht irgendetwas, das mit einem Eindringen in den Körper des Kindes verbunden ist) liegt die Mindeststrafe bei zwei Jahren. Dies gilt auch, wenn mehrere die Tat gemeinschaftlich begehen oder die Gesundheit des Kindes durch die Tat ernsthaft gefährdet wird (§ 176a StGB). Wird das Kind bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder in Todesgefahr gebracht, liegt die Mindeststrafe bei fünf Jahren.

Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren


Wer das 14. Lebensjahr vollendet hat, gilt bis zum Erreichen der Volljährigkeit als Jugendlicher. § 180 StGB betrifft insbesondere Personen unter 16, also 14 und 15jährige. Wer sexuellen Handlungen einer dritten Person mit oder vor diesen Vorschub leistet – die Tat also fördert, indem er für eine Gelegenheit sorgt oder einen Kontakt vermittelt – muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Die Sache mit dem Verschaffen von Gelegenheit gilt ausdrücklich nicht für einen sorgeberechtigten Elternteil, der einen Kontakt zwischen dem Jugendlichen und seinem / ihrem Partner zulässt. Außer natürlich, dieser Elternteil verletzt seine Pflichten und erlaubt zum Beispiel einen unfreiwilligen Kontakt gegen den Willen des oder der Jugendlichen.

Täter über 21


In bestimmten Fällen spielt auch das Alter des Täters eine Rolle. Missbraucht eine Person über 21 Jahre einen Jugendlichen unter 16, indem sie sexuelle Handlungen an diesem vornimmt oder von ihm an sich vornehmen lässt und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird der Erwachsene mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Dies gilt auch, wenn er die jugendliche Person dazu bringt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten zu dulden. Verfolgt wird dies allerdings nur auf Strafantrag der geschädigten Person hin (§ 182 StGB).

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen


Strafbar ist es auch, eine jugendliche Person unter 18 sexuell zu missbrauchen, indem man unter Ausnutzung einer Zwangslage sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder die jugendliche Person dazu bringt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen. Hier droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Eine Zwangslage liegt zum Beispiel vor, wenn jemand droht, einen wohnsitzlosen Jugendlichen nicht mehr länger bei sich wohnen zu lassen. Auch drogenabhängige Jugendliche, die von zu Hause abgehauen sind, befinden sich in einer Zwangslage.

Sex gegen Geld?


Wer über 18 ist, darf keine Person unter 18 dadurch missbrauchen, dass er gegen Entgelt sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (§ 182 Abs. 2 StGB).

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen


Altersabhängig sieht das Gesetz besondere Strafen für den Missbrauch von Schutzbefohlenen vor, also von solchen Personen, die der Täter gerade vor Schaden bewahren soll. Dies sind einerseits Personen unter sechzehn Jahren, die ihm zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut worden sind. Andererseits sind es 16- bis 18jährige, auf die dies ebenfalls zutrifft oder die zum Täter in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis stehen. Nutzt der Täter dieses Dienst- oder sonstige Verhältnis zum Opfer für die Tat aus, macht er sich strafbar. Unter die Schutzbefohlenen fallen auch eigene oder adoptierte Kinder unter achtzehn Jahren oder Kinder des (auch unverheirateten) Partners. Missbrauch steht hier wieder für „sexuelle Handlungen“, aber eben unter Ausnutzung des besonderen Vertrauensverhältnisses. Die Strafandrohung liegt bei mindestens drei Monaten und bis zu fünf Jahren Haft.