Sexting – vom Trend zur weltweiten Foto-Mafia

14.08.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (939 mal gelesen)
Sexting – vom Trend zur weltweiten Foto-Mafia
Der Begriff Sexting steht für einen Trend, bei dem Jugendliche erotische Fotos von sich selbst anfertigen und über Smartphone oder soziale Netzwerke an andere schicken. Natürlich sind diese Fotos nur für den jeweiligen „Flirtpartner“ und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Immer häufiger landen sie jedoch genau dort.

Private Fotos mit schneller Verbreitung

Schnell ist ein privates Foto hochgeladen oder per Whatsapp verbreitet. Sexting ist eng mit Mobbing verbunden – so mussten viele Jugendliche erleben, wie ihre intimen Fotos plötzlich an der ganzen Schule und darüber hinaus verbreitet wurden. Dies kann durch einen rachsüchtgen Expartner, aus Rivalität und Eifersucht oder aus Angeberei passieren. Whatsapp oder Facebook bieten die Möglichkeit, ein Foto kostenlos an ganze Nutzergruppen weiterzusenden, deren Mitglieder den Vorgang dann wiederholen können. Es sind Fälle bekannt, in denen Nacktfotos von Schülern plötzlich deutschlandweit verbreitet waren. Ein solches Foto wieder aus dem Internet zu entfernen, ist fast unmöglich.

Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht

Das „Recht am eigenen Bild“ ist Teil des per Grundgesetz festgeschriebenen allgemeinen Persönlichkeitsrechts – und ist speziell in § 22 Kunsturheberrechtsgesetz geregelt. Dort steht, dass niemand Bilder einer Person ohne deren Zustimmung verbreiten darf. Wer dies mißachtet, macht sich nach § 33 dieses Gesetzes strafbar – darauf stehen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Weitere Konsequenz für den Täter können erhebliche Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche sein. Die psychologischen Auswirkungen einer solchen Blosstellung sind massiv – und werden von den Gerichten auch entsprechend gewürdigt.

Strafbare Kinderpornografie

Rechtlich besonders problematisch sind Bilder, die unter „Kinderpornographie“ fallen. Denn hier können sich auch Jugendliche strafbar machen, die Bilder von sich selbst verschicken. Darunter fallen Fotos von Kindern (unter 14) und Jugendlichen (unter 18 Jahren). Strafbar sind Beschaffung, Verbreitung und Besitz solcher Fotos. Unter Pornographie fällt die Darstellung sexueller Handlungen – einfache Fotos von Körper oder Körperteilen fallen normalerweise nicht darunter. Strafandrohung: Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Wer solche Fotos erhält, sollte sie sofort löschen – und nicht etwa weiterschicken. Ab 14 ist man „strafmündig“. Verschickt also ein 17jähriger Fotos von sich und seiner gleichaltrigen Freundin bei sexuellen Handlungen, hat er sich strafbar gemacht.

Erpressungsfälle

Es sind Fälle bekannt geworden, in denen Kinder oder Jugendliche Nacktbilder von sich an Personen verschickt haben, die sie nur übers Internet kannten – und die dann damit drohten, die Bilder zu veröffentlichen, wenn nicht weitere Bilder geschickt würden. So ging z.B. der Fall eines 34jährigen Handwerkers durch die Presse, der sich im Chat als „Jessigirl“ ausgegeben und mit Mädchen Stylingtipps getauscht hatte. Dabei wurden auch freizügige Fotos zugeschickt, und es kam zur Erpressung von Nacktfotos. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von mehreren tausend Euro verurteilt.

Kriminelle Strukturen

Inzwischen soll sich um das Sexting eine regelrechte Industrie entwickeln – so ist von Callcenter-ähnlichen Unternehmen im Ausland die Rede, in denen professionelle Chatter ihren Arbeitstag damit verbringen, naiven Jugendlichen Nacktbilder abzuschwatzen. Sobald ein Bild gesendet wurde, wird erpresst – dabei kann es um Geld gehen oder um weitere Nacktbilder, die dann verkauft werden können. Auf den Philippinen soll es Betriebe geben, in denen die Mitarbeiter sogar Schulungen über die Beeinflussung von naiven europäischen Jugendlichen bekommen. Ein Junge aus Schottland brachte sich im Jahr 2013 um, nachdem er einer solchen Taktik auf den Leim gegangen war.

Gegenmaßnahmen

Natürlich kann versucht werden, entsprechende Fotos vom jeweiligen Internet-Provider entfernen zu lassen. Nach deutschem Recht ist der Provider dazu verpflichtet. Fotos sind jedoch schnell so weit verbreitet, dass dies meist wenig effektiv ist. Am sinnvollsten ist hier die Vorbeugung: Keine Nacktfotos per Smartphone verschicken oder weiterleiten, und schon gar nicht an Unbekannte. Auch Eltern sollten sich mit diesen Risiken beschäften – und ihren Kindern nicht einfach zum zehnten Geburtstag ein Smartphone in die Hand drücken, mit dem diese dann unbegrenzt in der virtuellen Erwachsenenwelt unterwegs sein können.


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