Bahnreisen: Wann darf man das Fahrrad im Zug mitnehmen?

30.07.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (114 mal gelesen)
Zug,Fahrradwagen Was sollten bahnreisende Radfahrer beachten? © Bu - Anwalt-Suchservice

Mit dem Fahrrad in die Bahn - eine praktische Sache. Aber: Beim Bahnfahren gibt es einiges zu beachten. Und: Nicht jedes Bike darf in die Bahn. Woran müssen sich Radfahrer beim Zugfahren halten?

Viele Fahrgäste der Bahn wollen heute ihre Fahrräder mitnehmen, um bei der Ankunft gleich auf das Rad steigen zu können. Pendler und Ausflügler nutzen diese Möglichkeit gleichermaßen. Nicht selten gibt es jedoch Ärger und mancher Radler wird vom Bahnpersonal sogar wieder aus dem Zug befördert. Denn: Auch hier gelten Regeln, und die Bahn muss an die Sicherheit aller Fahrgäste denken. Die nachfolgenden Regeln ergeben sich aus den Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn AG.

Fahrrad im Zug mitnehmen: Was gilt im Fernverkehr?


Fahrräder können im Fernverkehr in allen IC/EC-Zügen und auch in einigen (nicht in allen) ICE-Zügen mitgenommen werden.
Wer ein Fahrrad im Fernverkehr der Deutschen Bahn mitnehmen möchte, muss zunächst eine Fahrradkarte kaufen. Diese kann zusammen mit der normalen Fahrkarte erworben werden. Außerdem braucht man für das Fahrrad eine Stellplatzreservierung. Wird die Reservierung gleichzeitig mit der Fahrradkarte gebucht, kostet sie nichts zusätzlich.
Eine Fahrradkarte im Fernverkehr kostet 5,40 Euro mit Bahncard und 8 Euro ohne. Sie ist auch in Anschlusszügen gültig. Eine internationale Fahrradkarte für Auslandstouren kostet 9 Euro.

Vorsicht: Ohne vorherige Stellplatzreservierung kann das Fahrrad nicht mitfahren. Eine Fahrradkarte kann man auch in der Bahn zum Bordpreis kaufen, die Stellplatzreservierung muss jedoch vorhanden sein, also vorher gekauft und mitgeführt. Wer sie vergessen hat, kann sie im DB-Reisezentrum für vier Euro nachkaufen, aber nicht im Zug. Ohne Stellplatzreservierung heißt es also: Aussteigen.

In manchen Fällen kann das Fahrrad sogar kostenlos mitfahren: So können Kinderräder oder Klappräder mit Reifendurchmesser bis 16 Zoll kostenlos als Handgepäck mitreisen - dann aber nicht im Fahrradabteil, sondern in der Gepäckablage, ggf. in einer Tasche oder mit Spanngurten abgesichert, sodass das Rad nicht anderen Reisenden auf den Kopf fällt.

Wer eine BahnCard100 besitzt, kann auch ein ganz normales Fahrrad kostenfrei mitnehmen - allerdings ist hier wieder die Stellplatzreservierung Pflicht. Für BahnCard100-Inhaber ist diese kostenlos in den DB-Reisezentren oder DB-Agenturen erhältlich.

Wo ist der gebuchte Stellplatz?


Fahrradstellplätze befinden sich in der Zweiten Klasse. Aus der Stellplatzreservierung geht die Wagennummer hervor. Wo der Fahrradwagen stehen wird, kann man am Wagenstandsanzeiger am Bahnsteig ablesen. Am jeweiligen Wagen ist außen ein Fahrradsymbol zu sehen. Es empfiehlt sich, rechtzeitig zu kommen und am Standort des Fahrradwagens auf den Zug zu warten.
Im Fahrradwagen werden die Räder hängend oder stehend an entsprechenden Fahrradhaltern transportiert.

Was passiert, wenn ich mein Fahrrad nicht auf den reservierten Platz stelle?


So mancher Fahrgast nimmt es mit dem reservierten Stellplatz nicht so genau. Und wer seinen Stellplatz schon besetzt vorfindet, stellt sein Rad dann womöglich einfach irgendwo anders hin.
Aber: Fahrräder dürfen nur in den vorgesehenen Haltevorrichtungen mitgenommen werden. Sie dürfen auch keine Gänge, Eingangsbereiche, Feuerlöscher oder womöglich den Zugang zum Führerstand des Lokführers versperren. Wenn ein Fahrrad außerhalb des Fahrradständers steht, wird das Zugpersonal in der Regel versuchen, den Besitzer ausfindig zu machen. Ist dies nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes möglich, kann es vorkommen, dass das Bahnpersonal das Fahrrad auslädt und dieses vom Servicepersonal am Bahnhof zu Verwahrung ins dortige Fundbüro gebracht wird.
Der Grund: Lose herumfliegende Fahrräder, die umfallen und sich auch noch ineinander verhaken, blockieren im Notfall die Rettungswege und machen den Zug zu einer Todesfalle. In einem Notfall ist keine Zeit, um erst verhakte Fahrräder zu entwirren. Das Bahnpersonal kann hier persönlich in die Haftung genommen werden und versteht in diesem Punkt keinen Spaß.

Welche Fahrräder kann man mitnehmen?


Pro Fahrgast darf ein handelsübliches Fahrrad mitgenommen werden - also eines mit zwei Rädern und einem Sattel. Das Fahrrad MUSS in die vorhandenen Fahrradständer gestellt oder gehängt werden. Dies funktioniert in der Regel bei einer Reifenbreite von 40 bis 60 mm.
Das bedeutet: Sogenannte Fatbikes mit breiteren Reifen können nur mitfahren, wenn so viel Luft aus den Reifen abgelassen wird, dass sie in den Fahrradständer passen. Sonst fahren sie nicht mit...

Bei Elektro-Fahrrädern kommt es darauf an. Pedelecs, also Fahrräder mit Tretunterstützung durch einen Elektromotor bis 25 km/h bzw. bis 250 Watt Leistung, dürfen mitgenommen werden.
Nicht mitfahren dürfen dagegen S-Pedelecs mit Tretunterstützung durch einen Elektromotor über 25 km/h oder tretunabhängige E-Bikes, die oft noch stärker motorisiert sind. Denn diese Vehikel gelten nicht mehr als Fahrräder.
Übrigens muss der Akku während der gesamten Fahrt am Pedelec montiert bleiben. Die Aufladung an Bord ist untersagt. Nicht montierte Akkus gelten als Gefahrgut und dürfen nicht befördert werden.

Tandems und Liegeräder sowie Dreiräder können nur in bestimmten Zügen mitfahren, in denen genug Platz ist. Auch für sie gilt: Das Rad darf nicht einfach irgendwo hingestellt werden. Hier gilt es, vor der Buchung beim Reisezentrum nachzufragen.

Lastenfahrräder können in der Bahn nicht mitfahren. Die Fahrradständer und -Halter sind für sie nicht ausgelegt, obendrein ist meist nicht genug Platz. Hier steht die Sicherheit an erster Stelle.

Kann man einen Fahrradanhänger in der Bahn mitnehmen?


Ja, allerdings nur, wenn er sich zusammenklappen lässt. Der Anhänger ist zusammengeklappt in der Gepäckablage oder den Mehrzweckbereichen unterzubringen. Kinder oder Lasten können während der Zugfahrt also nicht im Anhänger bleiben. Pro Fahrrad ist ein Anhänger erlaubt. Es ist sinnvoll, sich vor der Fahrt zu informieren, wie man den Anhänger zusammenlegt.

Was gilt für Gruppen?


Gruppen mit mehr als fünf Fahrrädern müssen sich im Fernverkehr vorher anmelden. Dies können sie bei den Ticket-Verkaufsstellen tun oder unter Tel. 0180 6 99 66 33. Gruppen mit bis zu fünf Fahrrädern können ihre Fahrkarten, Fahrradkarten und Stellplätze zusammen online buchen, bei mehr als fünf Personen geht das nicht.

Welche Besonderheiten gelten im Nahverkehr?


Fahrräder können bei der DB im Interregio-Express (IRE), Regional-Express (RE), der Regionalbahn (RB) und in der S-Bahn mitgenommen werden. Für die Fahrt in Nahverkehrszügen ist eine Fahrradkarte, aber keine Stellplatzreservierung erforderlich. In der Regel gibt es im Nahverkehr keine Fahrradständer oder -Halter in den Fahrradwagen.
Allerdings kann auch im Nahverkehr nur eine begrenzte Anzahl von Fahrrädern mitgenommen werden. Ist der verfügbare Platz besetzt, müssen Radler unter Umständen auf den nächsten Zug warten.
Eine Tageskarte wie etwa ein "Quer-durchs-Land-Ticket" kann mit einer Fahrrad-Tageskarte kombiniert werden. In Bayern kostet diese beispielsweise 6 Euro pro Tag und Rad.
Für die Mitnahme von Fahrrädern im Nahverkehr gelten in jedem Bundesland eigene Regeln und eigene Preise. Einige Verkehrsverbünde befördern Fahrräder sogar umsonst. Viele Nahverkehrszüge haben Mehrzweckabteile für Fahrräder und Radler.

Die Verkehrsverbünde haben ihre eigenen Regeln, über die man sich zuvor auf deren Homepage informieren sollte. Wichtig zu wissen: In Verkehrsverbünden von Großstädten ist die Mitnahme von Fahrrädern oft nur zu bestimmten Uhrzeiten erlaubt (außerhalb des Berufsverkehrs).

Praxistipp


Einer Mitnahme von Fahrrädern in der Bahn steht in der Regel nichts entgegen. Aber: Reisende sollten sich an die Regeln halten. Außerhalb von Fahrradständern herumstehende Räder sind im Zug ein Sicherheitsrisiko und werden auch so behandelt. Auch an den reservierten Stellplatz sollte man sich halten.
Bei einem Streit mit einem Bahnunternehmen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr söp (https://soep-online.de/). Kommt es zum Rechtsstreit, hilft ein Rechtsanwalt für Zivilrecht.

(Ma)



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