Beklebtes Auto: Was ist erlaubt beim Lackieren oder Folieren?

21.11.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (636 mal gelesen)
Beklebtes Auto: Was ist erlaubt beim Lackieren oder Folieren? © Rh - Anwalt-Suchservice

Soll das eigene Auto optisch neu gestaltet werden, bietet sich als Alternative zur Lackierung eine Folierung an. Bei beiden Varianten gibt es auch in rechtlicher Hinsicht verschiedene Punkte zu beachten.

Lack hält nicht ewig, und Fahrzeuge werden durch Steinschläge und Kratzer mit der Zeit unansehnlich. Oft kommt es auch vor, dass man sein Traumauto auf dem Gebrauchtmarkt findet – aber in einer unansehnlichen Farbe. Oder man möchte ein Fahrzeug für Werbezwecke nutzen und es später wieder in neutralem Design verkaufen. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten der Abhilfe an: Eine Neulackierung oder eine Folierung.

Lack und Folien: Was sind die Unterschiede?


Mit einer Lackierung wird das Aussehen des Fahrzeugs auf Dauer verändert. Ein Auto komplett neu zu lackieren, ist recht aufwendig. Denn erst einmal muss der alte Lack entfernt werden. Dann besteht eine Neulackierung aus mehreren Schichten. Ohne eine gute Grundierung hält der Lack nicht, und bei älteren oder wertvollen Fahrzeugen mag auch noch eine zusätzliche Rostvorsorge angesagt sein. Und erst mit einem Klarlack zum Abschluss sieht das Ganze gut aus. Die Komplettlackierung eines Kompaktautos kann schon mal fünf- bis sechstausend Euro kosten. Das Folieren eines Autos, auch „Car-Wrapping“ genannt, ist deutlich günstiger. Es gibt verschiedene Typen von Folie mit unterschiedlicher Haltbarkeit, die auf den zuvor gründlich gereinigten Lack aufgetragen werden können. Wie viel dies kostet, hängt von einer Reihe von Faktoren wie der Größe des Autos ab und in erster Linie auch von den Wünschen des Kunden. Man kann davon ausgehen, dass eine Folierung ab etwa 1.500 Euro zu haben ist, aber auch deutlich höhere Kosten sind möglich. Der Vorteil der Folierung ist, dass diese auch wieder entfernt werden kann. Wie gut dies funktioniert, ist allerdings davon abhängig, welcher Folientyp verwendet wurde und wie lange die Folie auf dem Fahrzeug war. Folien schützen auch den darunter liegenden Lack. Die Lebensdauer eine Folie liegt bei sechs bis sieben Jahren, mit zunehmendem Alter wird diese porös und rissig.

Welche Folienarten gibt es?


Es gibt beispielsweise durchgefärbte und bedruckte Folien. Bedruckte Folien sind billiger, sind aber auf Dauer empfindlicher gegen UV-Strahlung und Regen. Durchgefärbte und laminierte Folien sind widerstandsfähiger und bleichen nicht so sehr aus. Auch sind sie reißfester. Es gibt besondere durchsichtige Folien, die ausschließlich dem Lack- oder Steinschlagschutz dienen. Ein Auto muss nicht immer komplett foliert werden, zum Teil wird nur eine Teilfolierung vorgenommen.

Wie entfernt man die Folie wieder?


Eine Folie wieder zu entfernen kann beim Verkauf hilfreich sein – zum Beispiel, wenn es sich um einen Firmenwagen oder ein Einsatzfahrzeug handelt oder die Farbgebung so exotisch ist, dass sie die Verkaufschancen verringert. Außerdem hat eine Folie nur eine begrenzte Haltbarkeit. Im Lauf der Jahre versprödet sie. Beim Abziehen kann es bei manchen Folien passieren, dass diese in viele kleine Fetzen zerreißen. Hochwertige Folien sollten sich rückstandsfrei und in größeren Stücken entfernen lassen. Dabei hilft ein Heißluftfön. Das Auto sollte vor dem Ablösen nicht über Nacht draußen in der Kälte gestanden haben.

Leasingfahrzeug folieren


Wer ein Auto least, sollte vor dem Folieren beim Leasinggeber nachfragen, ob dieser etwas dagegen hat. Gerade bei Firmenwagen bestehen hier in der Regel keine Einwände. Hier ist es allerdings besonders wichtig, dass das Fahrzeug später wieder in den Originalzustand ohne Folie versetzt werden kann. Sonst gibt es sehr wahrscheinlich heftige Abzüge wegen Mängeln.

Rechtliche Grenzen: Was muss man bei der Gestaltung beachten?


Dass keine Beschriftungen verwendet werden dürfen, mit denen das Aussehen von Polizei- oder Rettungsfahrzeugen imitiert wird, sollte sich von selbst verstehen. Signal- und Warnfarben und die typische Farbgebung von Polizeiautos sind daher zu vermeiden. „Leuchtstoffe und rückstrahlende Mittel“, also etwa reflektierende Folien, gelten nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) als lichttechnische Einrichtungen. Gemäß § 49a Abs. 7 StVZO dürfen sie nur für vorgeschriebene oder für zulässig erklärte Warnanstriche oder Warnschilder an PKWs und Anhängern verwendet werden – also nicht zum Spaß oder weil es gut aussieht. Aber auch die Verkehrssicherheit darf unter der Folie nicht leiden. So dürfen zum Beispiel Scheinwerfer nicht abgedeckt werden.

Was muss man zum Folieren von Scheiben wissen?


Einschränkungen gibt es auch beim Folieren von Autoscheiben mit Tönungsfolie. Denn § 40 der StVZO besagt, dass die Scheiben im direkten Sichtfeld des Fahrers klar, lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein müssen. Eine Folie, die womöglich Blasen wirft oder Lufteinschlüsse hat, entspricht dem nicht. Daher dürfen weder die Frontscheibe noch die Seitenscheiben vorne mit Tönungsfolie verklebt werden. Ausnahme: Laut DEKRA-Homepage ist am oberen Rand der Frontscheibe ein höchstens zehn Zentimeter hoher, jedoch bauartgenehmigter Folienstreifen erlaubt. Die anderen Scheiben, die nicht im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers liegen, dürfen (nur) von innen mit Tönungsfolie versehen werden. Zur Scheibeneinfassung ist ein Abstand von 1 mm einzuhalten. Wird die Heckscheibe getönt, ist ein zweiter Außenspiegel Pflicht. Gibt es hinten eine Zusatzbremsleuchte, muss deren Leuchtbereich frei bleiben. Im Übrigen dürfen in Deutschland zum Scheibentönen nach § 22a Abs. 1 Nr. 3 StVZO nur Folien verwendet werden, die eine deutsche Allgemeine Bauartzulassung (ABG) haben. Die ABG-Nummer der Folie muss von außen sichtbar sein, eine entsprechende Bescheinigung muss mitgeführt werden. Eine Eintragung in den Fahrzeugpapieren ist nicht erforderlich.

Welche Bußgelder drohen bei verkehrsrechtswidriger Folierung?


Ein unzulässigerweise verklebter Scheinwerfer schlägt mit 20 Euro zu Buche, kommt es dadurch zu einem Unfall, werden es 35 Euro. Ein nicht vorschriftsmäßig ausgerüstetes Fahrzeug in Betrieb zu nehmen, kostet 25 Euro, bei Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit sind es 90 Euro und ein Punkt in Flensburg. Die Verwendung von Folien ohne Bauartgenehmigung kann zum Erlöschen der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs führen; Fahren ohne Betriebserlaubnis kostet 50 Euro und bei Gefährdung der Verkehrssicherheit 90 Euro und einen Punkt. Hier ist allerdings für den Fahrer eher schmerzhaft, dass die Weiterfahrt ohne Betriebserlaubnis untersagt werden kann.

Was muss ich beachten, wenn ich ein foliertes Auto kaufe?


Zunächst ist es wichtig zu wissen, seit wann die Folie auf dem Lack ist und ob diese von einem Fachbetrieb aufgebracht wurde. Denn vielleicht hat die Folie bereits bald das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Eine Folie kann außerdem auch Rost, Lackschäden oder andere Mängel verdecken, die sich nach ihrer Entfernung negativ auf den Fahrzeugwert auswirken.

Unfall mit einem folierten Auto


Bei einem Unfall entstehen durch die Folie zusätzliche Kosten, denn hier muss erst ausgebeult, dann lackiert und schließlich wieder foliert werden, um einen einheitlichen Gesamteindruck herzustellen. Unfallsachverständen bereitet die Folie bei der Bewertung des Fahrzeugs zum Teil Probleme. Meist wird sie als wertsteigernd angesehen, wenn das Auto in einer grellen, schlecht verkäuflichen Farbe lackiert ist und die Folie es in ein dunkles oder silbergraues Fahrzeug verwandelt. Ist das Auto jedoch in den üblichen Farben lackiert und die Folie bunt, wird sie oft als wertmindernd betrachtet, da damit die Anzahl der möglichen Käufer sinkt.

Praxistipp


1. Sehen Sie davon ab, Ihr Auto selbst zu folieren. Diese Aufgabe ist schwieriger, als es zunächst den Anschein hat und Lufteinschlüsse oder winzige Unregelmäßigkeiten zerstören schnell den guten Gesamteindruck. Wird die Arbeit von einem Fachbetrieb durchgeführt, haben Sie im Notfall Rechte – denn es handelt sich um einen Werkvertrag, und hier gilt die gesetzliche Sachmängelhaftung. Bei der Durchsetzung Ihrer Rechte kann Ihnen ein auf das Zivilrecht spezialisierter Anwalt helfen.
2. Vermeiden Sie nicht vorschriftsmäßige Folierungen, denn hier droht ein Bußgeld und gegebenenfalls sogar ein Punkt in Flensburg. Wenn Sie sich zur Unrecht mit einem Bußgeld überzogen fühlen, wenden Sie sich umgehend an einen Anwalt für Verkehrsrecht.