Muss man die KfZ-Versicherung über Auto-Tuning informieren?

04.02.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (301 mal gelesen)
Muss man die KfZ-Versicherung über Auto-Tuning informieren? © styleuneed - Fotolia.com
Getunte Fahrzeuge sind in der Autoversicherung meist teurer – und auch nachträgliche Änderungen müssen gemeldet und unter Umständen mit erhöhten Prämien bezahlt werden. Bei einem Unfall drohen sonst Regressforderungen.

Tuning und Versicherungen
Tieferlegung, Spurverbreiterung, Edelstahl-Auspuffanlage und mehr PS durch Chip-Tuning – Autos können durch viele Maßnahmen nachträglich schicker und schneller gemacht werden. Eine große Tuningszene beschäftigt sich in Deutschland mit allen denkbaren Varianten des Autotunings. Geht es um die rechtlichen Rahmenbedingungen, wird meist über die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs oder die möglichen Eintragungen von Änderungen in den Fahrzeugpapieren nachgedacht. Oft vergessen wird die Frage, ob die bestehende Versicherung des Fahrzeugs ausreicht. Hier kann es bei einem Unfall schnell Ärger geben – denn durch mehr PS steigt die Versicherungsprämie, durch Zusatzeinbauten aller Art der Fahrzeugwert. Ist das Auto im falschen Tarif versichert, drohen nach einem Schadensfall finanzielle Folgen.

Mehr PS = Höhere Prämie
In die Berechnung von Versicherungsprämien fließen bei der Haftpflicht wie auch bei der Kaskoversicherung eine Reihe von Faktoren ein. Dazu gehören der Fahrzeugtyp, die Regionalklasse und die Typklasse (welche sich aus der Schadens- und Unfallbilanz des jeweiligen Fahrzeugtyps ergibt), aber auch besondere Merkmale des Fahrers (Wohnort, Beruf, seit wann ist Führerschein vorhanden) und des Fahrzeugs. Beim letzten Punkt kommt die Motorleistung ins Spiel. Eine höhere Motorleistung bedeutet höhere Versicherungsprämien. Dies geht auch aus § 25 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) hervor. Denn bei einer "Gefahrerhöhung" darf der Versicherer eine höhere Prämie verlangen oder die Versicherung des höheren Risikos verweigern – und mehr Motorleistung wird als Steigerung des Gefahrenpotentials angesehen. Jedes zusätzliche PS ist daher bei der Versicherung schriftlich anzumelden.

Fahrzeugwert steigt
Wichtig ist außerdem die Wertsteigerung des Fahrzeugs. Denn zusätzliche, teure Teile erhöhen den Wert oft beträchtlich. Schon eine neue Innenausstattung kann den Fahrzeugwert so sehr erhöhen, dass dies der Versicherung mitgeteilt werden sollte, da der Versicherungsvertrag dann entsprechend angepasst werden muss. Hier ist es wichtig, den Wert der Einbauten durch Rechnungen belegen zu können.

Folgen von Falschangaben
Die Haftpflichtversicherung des Tuners wird zwar bei einem Unfall trotz veralteter Angaben zum Fahrzeug den Fremdschaden ersetzen. Sie kann jedoch den Versicherten anteilig in Regress nehmen und sich ihr Geld teilweise zurückholen. Bei der Kaskoversicherung ist das Risiko für den Versicherungsnehmer noch höher, denn diese kann sich wegen der unrichtigen Daten komplett weigern, den Schaden zu bezahlen (außer jedoch, der Versicherte kann nach einem Unfall beweisen, dass der Schaden nicht auf der Tuningmaßnahme beruhte). Bei jeder maßgeblichen Tuningmaßnahme sollte daher Kontakt zur Versicherung aufgenommen werden.

Sonderkündigungsrecht des Versicherten bei Gefahrerhöhung
Erhöht der Versicherer die Prämie infolge von Änderungen am Fahrzeug um mehr als zehn Prozent oder schließt er die Absicherung eines erhöhten Risikos aus, darf der Versicherungsnehmer den Vertrag innerhalb eines Monats ab Zugang der entsprechenden Mitteilung fristlos kündigen. Nach dem Versicherungsrecht muss die KfZ-Versicherung ihren Kunden auf dieses Recht hinweisen (§ 25 Absatz 2 VVG).

Kaufvertrag mit falschen Angaben
Ein Unternehmen hatte ein gebrauchtes Auto gekauft, dass laut Kaufvertrag und Fahrzeugbrief 485 PS hatte. Auf dieser Basis wurde der PKW versichert. In Wahrheit hatte das Auto aber aufgrund von Tuningmaßnahmen 720 PS. Beim Käufer wurde weiter daran gearbeitet, nun kam das Fahrzeug auf 860 PS. Die Versicherung musste bald schon den Diebstahl aller vier Reifen und einen Glasbruchschaden regulieren. Als der Käufer selbst eine Verkaufsanzeige ins Netz stellte, erfur sie von der wahren Motorleistung – und trat vom Versicherungsvertrag zurück. Ebenso forderte die Versicherung die gezahlten Beträge für die beiden Schäden zurück. Als diese nicht eingingen, verklagte sie den Versicherungsnehmer – mit Recht, wie das Landgericht Bielefeld entschied. Durch eine höhere Motorleistung erhöhe sich das Unfallrisiko. Der Versicherungsnehmer habe von den Tuningmaßnahmen gewusst – er hätte korrekte Angaben machen müssen (Urteil vom 8.6.2015, Az. 8 O 40/14).