Erwerbsminderungsrente – die Änderungen vom Sommer 2014

01.12.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1110 mal gelesen)
Die Regeln für die Erwerbsminderungsrente haben sich 2014 geändert. Für Menschen, die aus Krankheitsgründen nun Erwerbsminderungsrente neu beantragen, gibt es einige Verbesserungen.

Die Erwerbsminderungsrente
Als vermindert erwerbsfähig gelten Menschen, die infolge von Krankheiten (auch psychischer Art) oder Verletzungen nicht mehr die volle Leistung im Beruf erbringen können. Ihre Fähigkeit, sich den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, ist damit eingeschränkt. Grundsätzlich gelten Menschen als in der Erwerbsfähigkeit gemindert, die keine sechs Stunden am Tag mehr arbeiten können. Es gibt jedoch mehrere Abstufungen. Eine verminderte Erwerbsfähigkeit kann einen Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente nach dem sechsten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VI) begründen. Möglich sind auch Ansprüche auf Arbeitslosengeld II oder aus dem Sozialhilferecht.

Stufen der Erwerbsminderung
Man unterscheidet eine teilweise und eine volle Erwerbsminderung. Als teilweise erwerbsgemindert bezeichnet man Personen, die täglich noch in der Lage sind, für drei bis unter sechs Stunden zu arbeiten. Diese Menschen erhalten dann eine Teilrente. Voll erwerbsgemindert ist dagegen, wer nur noch unter drei Stunden täglich zur Arbeit in der Lage ist. In diesem Fall gibt es die volle Erwerbsminderungsrente.

Rente und Teilzeitarbeit
Bei teilweiser Erwerbsminderung kann neben der Rente noch in Teilzeit gearbeitet werden. Könnte ein Arbeitnehmer noch über drei, aber unter sechs Stunden täglich arbeiten, findet jedoch keine entsprechende Teilzeitarbeit, weil es im bisherigen Betrieb keine Teilzeitstelle gibt und er auf dem freien Arbeitsmarkt auch nichts findet, kann er Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente haben.

Prüfung durch Gutachter
Das Vorliegen einer Erwerbsminderung wird von einem medizinischen Gutachter festgestellt, den der Rentenversicherungsträger beauftragt. Bei der Erwerbsminderung kommt es in der Regel nicht darauf an, ob man den erlernten Beruf nicht mehr voll ausüben kann – es geht um die allgemeine Arbeitsfähigkeit in irgendeinem Beruf. Von einer Ausnahme profitieren Arbeitnehmer, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Für sie ist entscheidend, ob sie im erlernten Beruf noch voll arbeitsfähig sind.

Befristung
Eine Erwerbsminderungsrente wird normalerweise befristet ausgezahlt. Denn schließlich kann sich ja der Gesundheitszustand des Arbeitnehmers auch wieder bessern. Ist eine solche Besserung jedoch aus medizinischer Sicht nicht zu erwarten, kann die Erwerbsminderungsrente auch unbefristet bewilligt werden. Die Rentenzahlung beginnt dann mit dem Monat zu laufen, der auf den Eintritt der Erwerbsminderung folgt.

Die Neuerungen
Die Neuregelung wurde geschaffen, weil die Auszahlungsbeträge der Erwerbsminderungsrenten in den letzten Jahren regelmäßig gefallen sind. Der durchschnittliche Rentenbetrag im Jahr 2001 lag noch bei 676 Euro. 2012 waren es nur noch durchschnittlich 607 Euro. Wer aber durch eine Erkrankung nicht mehr arbeiten kann, ist oft auf staatliche Hilfe – bzw. die Hilfe der Gemeinschaft der Versicherten – angewiesen.

Verlängerte Zurechnungszeit
Für erwerbsgeminderte Personen mit Rentenbeginn ab 1. Juli 2014 gelten mehrere neue Regeln. Dazu gehört, dass die sogenannte Zurechnungszeit um zwei Jahre verlängert wurde (von 60 Jahren auf 62 Jahre). Das bedeutet: Werden Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Ihres Arbeitslebens im Alter von unter 62 Jahren erwerbsgemindert, wird Ihre Rente so berechnet, als ob Sie bis zum vollendeten 62. Lebensjahr zum bisherigen Verdienst gearbeitet hätten.

Wer hat Vorteile?
Von der Neuregelung profitiert also nur, wer unter 62 ist und ab 1. Juli 2014 neu Erwerbsminderungsrente erhält. Auf Personen, die schon vor diesem Datum Erwerbsminderungsrente bezogen haben, wird die Neuregelung nicht angewendet.

Günstigerprüfung
Neu ist auch die sogenannte Günstigerprüfung. Dabei prüft die Deutsche Rentenversicherung, ob Ihre Arbeitsfähigkeit in den letzten vier Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung bereits beeinträchtigt war. Schließlich kann eine Krankheit langsam anfangen, eine Verletzung sich erst spät als dauerhaftes Problem erweisen. Waren tatsächlich schon Beeinträchtigungen vorhanden, die Ihr Einkommen gesenkt haben, würde das Ihren Rentenanspruch verringern. Nach der Neuregelung nimmt man daher die letzten vier Jahre – wenn es Beeinträchtigungen gab – aus der Berechnung heraus. Dabei wird die Variante gewählt, die für den neuen Rentner günstiger ist.