Unfallversicherungsrecht: Berufskrankheiten und ihre Anerkennung

07.04.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (623 mal gelesen)
Unfallversicherungsrecht: Berufskrankheiten und ihre Anerkennung
Typische Berufskrankheiten sind etwa Allergien, Hauterkrankungen oder Arthrosen. In einer Rechtsverordnung der Bundesregierung (BKV) sind die anerkannten Berufskrankheiten aufgelistet, bei deren Auftreten die Versicherungen in die Pflicht genommen werden. Arbeitnehmer, die Krankheiten auf ihre berufliche Tätigkeit zurückführen, die nicht in der Liste der BKV aufgeführt sind, müssen oft letztlich gerichtlich klären lassen, ob ihre Erkrankung eine Berufskrankheit ist.

Keine Berufskrankheit wegen Computermaus

Ein Tennisellenbogen ist auch bei häufiger Nutzung der Computermaus nicht ursächlich auf eine Berufstätigkeit am Computer zurückzuführen und daher nicht als Berufskrankheit anzuerkennen. Dies entschied das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 28/10 ) im Fall eines Arbeitnehmers, der seine Erkrankungen Epicondylitis humeri radialis (sogenannter Tennisellenbogen) auf seine Bürotätigkeit zurückführte . Mehr als drei Viertel seiner täglichen Arbeitszeit habe er am Computer komplexe Datenlisten bearbeiten und dabei ständig mit der Computermaus hoch- und runterscrollen müssen.

Das sah das Hessische Landessozialgericht anders. Ursächlich für eine Epicondylitis könnten u.a. kurzzyklische, repetitive, feinmotorische Handtätigkeiten mit sehr hoher Bewegungsfrequenz wie z.B. beim Maschinenschreiben oder Klavierspielen sein. Auch andere Bewegungsmuster wie z.B. beim Obstpflücken oder Betätigen eines Schraubendrehers könnten aufgrund der achsenungünstigen Auslenkung des Handgelenks eine Epicondylitis auslösen. Gleiches gelte für die forcierte rückseitige Streckung der Hand wie z.B. beim Hämmern oder dem Rückhandschlag beim Tennisspiel.

Bei der Arbeit mit der Computermaus sei die Bewegungsfrequenz jedoch viel geringer als beim Klavierspielen. Allenfalls kurzfristig könne es beim Scrollen und Klicken der Maustaste zu einer vergleichbaren Frequenz kommen. Die Arbeit mit der regelmäßig frei beweglichen Computermaus erfolge auch nicht bei achsenungünstiger Auslenkung des Handgelenks. Ferner sei der benötigte Kraftaufwand minimal. Die Richter verwiesen zudem darauf, dass keine Studien vorlägen, die den Zusammenhang einer Erkrankung des Ellenbogengelenks im Sinne einer Epicondylitis mit der PC-Arbeit bestätigten.

Parkinson wegen „Chemischer Keule“ im Hopfenanbau?

Die Parkinson-Krankheit kann auf den Umgang mit Pestiziden zurückgehen. Häufig treten die Symptome dieser Krankheit erst mit zeitlicher Verzögerung auf. Im vom Bayerischen Landessozialgericht (Aktenzeichen L 2 U 558/10 ) zu entscheidenden Fall hatte ein Landwirt fast 30 Jahre lang Hopfen angebaut und mehrmals im Jahr Schädlingsbekämpfungs-, Unkrautvernichtungsmittel sowie Fungizide eingebracht. Erst in den letzten Jahren seiner Tätigkeit nutzte der Kläger eine Atemmaske. Schließlich gab er den Hopfenanbau auf. Mehr als zehn Jahr später wurde ein Parkinson-ähnliches Krankheitsbild festgestellt.

Das Bayerische Landessozialgericht hat offen gelassen, ob eine durch Pestizide verursachte parkinson-ähnliche Erkrankung überhaupt als neue, d.h. als „Wie“-Berufskrankheit anzuerkennen ist. Denn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den eingesetzten Chemikalien und der Erkrankung war nicht überwiegend wahrscheinlich. Der Zeitraum von 10 Jahren zwischen letzter Exposition und der Krankheits-Diagnose lässt es nicht zu, den notwendigen Ursachenzusammenhang zu bejahen.