GmbH-Gründung – Welche Rechte und Pflichten habe ich als Gründer?

07.04.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (402 mal gelesen)
GmbH-Gründung – Welche Rechte und Pflichten habe ich als Gründer? © bloomua - Fotolia.com
Die GmbH oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die beliebteste Gesellschaftsform bei deutschen Unternehmensgründern. Allerdings haben Gründer bereits in der Startphase viele rechtliche Details zu beachten. Manche Pflichten bestehen schon vor der eigentlichen Gründung der GmbH.

Warum GmbH?
Die GmbH gibt einem oder mehreren Gründern die Möglichkeit, sich unternehmerisch zu betätigen. Dabei kann die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt und so das Privatvermögen geschützt werden. Die Gründung einer GmbH sorgt für die Entstehung einer selbstständigen juristischen Person mit eigenen Rechten und Pflichten sowie einem eigenen Namen. Die GmbH kann für viele unterschiedliche Unternehmenszwecke eingesetzt werden.

Ablauf der Gründung
Eine GmbH kann durch eine oder mehrere Personen gegründet werden. Bei einer Einzelperson spricht man von einer Ein-Personen-GmbH. Voraussetzung ist immer ein Mindest-Stammkapital von mindestens 25.000 Euro. Davon muss die Hälfte bei der Gründung eingezahlt sein. Die Einzelheiten der GmbH regelt der Gesellschaftsvertrag. Dieser muss von den Gesellschaftern unterzeichnet und von einem Notar beurkundet werden. Der Notar erstellt auch eine Gesellschafterliste und erhält einen Nachweis über die Einzahlung des Stammkapitals. Der Notar sorgt dann für die Eintragung im Handelsregister, das beim örtlichen Amtsgericht geführt wird. Das Amtsgericht bestätigt die Anmeldung der neuen Gesellschaft. Zwischen der notariellen Beurkundung und der Eintragung im Handelsregister existiert die GmbH bereits als Gmbh „in Gründung“ („i.G.“). Die maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften für die GmbH gehören zum Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht.

Stammkapital
Das Stammkapital der GmbH muss mindestens den Betrag von 25.000 Euro erreichen. Aber auch für die Stammeinlagen der einzelnen Gesellschafter gibt es einen Mindestbetrag: Ab 100 Euro ist man dabei. Wie hoch im konkreten Fall das Stammkapital und die Stammeinlagen der einzelnen Gründer sind, muss im Gesellschaftsvertrag stehen. Vor der Anmeldung müssen mindestens 12.500 Euro und 25 Prozent jeder einzelnen Stammeinlage eingezahlt sein. Eine Besonderheit gilt bei der Ein-Mann-GmbH: Hier muss der einzige Gesellschafter für den noch nicht eingezahlten Teil seiner Einlage eine Sicherheit stellen können. Das Stammkapital darf später nicht an die Gesellschafter ausgezahlt werden.

Vorstufen: Die Vor-Gründungsgesellschaft
Bereits vor der eigentlichen Eintragung der GmbH können die Gesellschafter Rechte und Pflichten haben. Die erste Phase der Gründung ist in vielen Fällen die Vor-Gründungsgesellschaft. Diese ist besonders bei komplizierten Gründungen zu empfehlen. Sie entsteht, indem sich mehrere Personen nur zu dem Zweck zusammentun, eine GmbH zu gründen, deren Einzelheiten (z.B. die Finanzierung) noch zu klären sind. Diese Vor-Gründungsgesellschaft ist in der Regel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, deren Gesellschafter gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen haften. Wollen sich die Gesellschafter verbindlich dazu verpflichten, eine GmbH zu gründen, ist auch für diese GbR ausnahmsweise ein notarieller Gesellschaftsvertrag notwendig. Soll die Vor-Gründungsgesellschaft bereits unternehmerisch tätig werden, wird oft eine oHG gegründet (offene Handelsgesellschaft). Auch bei dieser haften die Gesellschafter persönlich. Die Vor-Gründungsgesellschaft endet mit der notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrages der GmbH.

Vor-GmbH
Von einer Vor-GmbH oder GmbH in Gründung spricht man, wenn der Gesellschaftsvertrag der späteren GmbH bereits durch den Notar beurkundet, aber die GmbH noch nicht im Handelsregister eingetragen ist. Hier ist die Haftung komplizierter. Grundsätzlich haftet die Vor-GmbH mit ihrem „Vorgesellschaftsvermögen“. Ihre Gesellschafter haften zwar nicht nach außen hin, sie haften aber gegenüber der Gesellschaft. Dieser gegenüber sind sie verpflichtet, einerseits die zugesagten Einlagen einzuzahlen, andererseits aber auch alle Verbindlichkeiten der Vor-GmbH auszugleichen. Letzteres bezeichnet man als Verlustdeckungshaftung. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat entschieden, dass bei Vermögenslosigkeit der Vor-GmbH auch eine direkte Haftung der Gesellschafter nach außen hin eintreten kann (Urteil vom 25. Januar 2006, Az. 10 AZR 238/05).

Risiken für Vor-Geschäftsführer
Wer als Geschäftsführer einer Vor-GmbH auftritt, kann sich der sogenannten „Handelndenhaftung“ aussetzen. Sobald er nach außen hin erkennbar im Namen der Vor-GmbH Geschäfte tätigt und Verbindlichkeiten eingeht, muss er für die Verpflichtungen der Gesellschaft einstehen. Diese Haftung beginnt mit Abschluss des notariellen Gesellschaftsvertrages und endet, sobald die GmbH ins Handelsregister eingetragen ist. Allerdings hat der Geschäftsführer nach einem solchen Haftungsfall einen Regressanspruch gegen die Gesellschaft.

Womit kann ich mich strafbar machen?
Wer eine GmbH gründet, kann sich auch strafbar machen. Zum Beispiel, wenn er gegenüber dem Amtsgericht falsche Angaben zum Stand der Stammeinlagen oder des Stammkapitals macht, wenn er die Vermögenslage der GmbH verschleiert oder – im Fall der Zahlungsunfähigkeit – wenn er zu spät Insolvenz anmeldet. Gechäftsführer können sich zum Beispiel strafbar machen, wenn sie es versäumen, die Gesellschafter über einen eingetretenen Verlust in Höhe der Hälfte des Stammkapitals zu informieren.