Homeoffice: Welche Kosten kann ich von der Steuer absetzen?

11.05.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (154 mal gelesen)
Laptop,Bügeleisen Homeoffice: Was können Arbeitnehmer absetzen? © Ma - Anwalt-Suchservice

Corona sorgt dafür, dass derzeit viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Dabei entstehen jedoch auch Kosten. Hier stellt sich die Frage: Was können Arbeitnehmer jetzt von der Steuer absetzen?

Wer wegen der Coronakrise im Homeoffice arbeitet, muss oft privat angeschaffte Möbel oder Geräte benutzen. Natürlich hat der Arbeitnehmer im Homeoffice auch laufende Kosten, etwa für Miete und Strom. Nutzt er ein Arbeitszimmer in der Mietwohnung, steht dieses nicht mehr zum Wohnen zur Verfügung. Das Finanzamt erlaubt es zwar, ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen. Hier gelten jedoch strenge Regeln. Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer?

Was gilt, wenn man kein richtiges Arbeitszimmer nutzt?


Die Coronakrise hat viele Arbeitnehmer dazu gezwungen, kurzfristig nach Hause auszuweichen. Dabei war in vielen Fällen Improvisation angesagt. Ein komplett eingerichtetes Arbeitszimmer wird kaum jemandem zur Verfügung stehen, der bisher seiner Arbeit im Betrieb nachgegangen ist. Das heißt: Der Arbeitnehmer sitzt nun mit Smartphone und Laptop an irgendeinem freien Tisch in Küche oder Wohnzimmer.

In diesem Fall lässt sich nur wenig von der Steuer absetzen. Ein häusliches Arbeitszimmer liegt in einem solchen Fall nicht vor. Anteilige Miete kann also nicht abgesetzt werden. Der Küchentisch ist genauso wenig absetzbar wie der Küchenstuhl, auf dem der Arbeitnehmer sitzt. Wird extra ein Bürostuhl angeschafft, um zu Hause zu arbeiten, sieht die Sache schon wieder anders aus.
Anders ist es auch mit Technik, die extra für die Tätigkeit zu Hause angeschafft wird. Kauft sich der Arbeitnehmer dafür etwa einen neuen Laptop, ist dieser absetzbar. Allerdings sollte das neue Gerät auch für die Arbeit erforderlich sein und nachweislich auch tatsächlich hauptsächlich dafür genutzt werden. Ab einem bestimmten Wert müssen Arbeitsmittel über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden (siehe unten).
Die Voraussetzung ist natürlich, dass nicht der Arbeitgeber diese Dinge bezahlt hat. In diesem Fall könnte der Arbeitnehmer die Arbeitsmittel nicht absetzen (da sie ja schon der Chef als Betriebsausgaben absetzt).

Wie sollte ein häusliches Arbeitszimmer aussehen?


Erkennt das Finanzamt ein häusliches Arbeitszimmer an, kann man deutlich mehr absetzen. Dies ist aber an harte Voraussetzungen geknüpft. Zunächst einmal muss das Arbeitszimmer selbst praktisch ausschließlich beruflich genutzt werden. Das heißt: Es darf sich nicht um einen Hobbyraum oder irgendein anderes Zimmer handeln, das normalerweise anders genutzt wird und in das der Arbeitnehmer nur mal eben seinen Laptop hinein gestellt hat. Wird der Raum zu mehr als zehn Prozent für private Zwecke genutzt, ist nichts - überhaupt nichts - absetzbar. Eine prozentuale Aufteilung findet nicht statt, das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Beschluss vom 27.7.2015, Az. GrS 1/14).

Arbeitnehmer dürfen also durchaus ihr Bügelbrett im Arbeitszimmer an die Wand lehnen oder ihre Modelleisenbahn-Lok ins Regal stellen. Dient das Zimmer aber normalerweise zum Bügeln oder stolpert man überall über Schienen und Weichen, kann leider nichts abgesetzt werden.
Auch ein Wohnzimmer wird nicht zum Arbeitszimmer, weil man einen Schreibtisch in die Ecke stellt: Es muss sich um einen eigenen Raum handeln, der eben (fast) nur zum Arbeiten genutzt wird und der entsprechend ausgestattet ist. Eine Arbeitsecke ist also steuerlich kein Arbeitszimmer.

Dazu kommt: Der Raum muss in den Haushalt des Steuerzahlers eingebunden sein, seine "häusliche Sphäre". Er muss also zur Wohnung oder zum Eigenheim gehören. Auch Räume im Keller- oder Dachgeschoss können ein Arbeitszimmer sein. Sie müssen aber nach Ausstattung und Funktion als Arbeitszimmer dienen und nicht als Lagerraum oder Heizungskeller.

Welche Voraussetzungen muss der Berufstätige erfüllen?


Grundsätzlich kann man berufliche Aufwendungen, die zu Hause anfallen, nicht absetzen. Ausnahmen macht das Finanzamt nur in diesen beiden Fällen:

1. Das Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit des Betreffenden.

2. Dem Betreffenden steht kein anderer Arbeitsplatz für seine berufliche Tätigkeit zur Verfügung (in diesem Fall ist ein beschränkter Abzug der Kosten bis 1.250 Euro im Jahr möglich).

Als Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit gilt das Arbeitszimmer zum Beispiel bei Selbstständigen, die von zu Hause aus arbeiten - etwa bei freien Journalisten oder Schriftstellern. Sie können alle Kosten für das Arbeitszimmer absetzen.

Die Ausnahme "kein anderer Arbeitsplatz" trifft zum Beispiel auf reisende Vertriebsleute zu, die ja auch irgendwo ihre Büroarbeit machen müssen, oder auf Lehrer, die natürlich einen Platz zum Vorbereiten des Unterrichts und zum Korrigieren von Schülerarbeiten brauchen. Sie gilt auch für Arbeitnehmer, deren Chef ihnen in der Firma keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, sodass sie zu Hause am Schreibtisch sitzen müssen. Diese können dann ihre Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer mit bis zu 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Homeoffice: Welche Besonderheiten gelten in Corona-Zeiten?


Hat der Arbeitgeber wegen der Ausbreitung des Coronavirus Homeoffice angeordnet, trifft die oben genannte zweite Ausnahme zu. Dies sollte sich der Beschäftigte vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen. Ein Steuerabzug kann dann zumindest für den Zeitraum des Jahres erfolgen, in dem der Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten musste. Es ist sinnvoll, das Arbeitszimmer für das Finanzamt zu fotografieren. Manchmal verlangt das Finanzamt als Nachweis auch einen Grundriss der Wohnung, in dem das Arbeitszimmer eingezeichnet ist, mit Quadratmeter-Angaben.

Häusliches Arbeitszimmer: Was kann ich absetzen?


Manche Kosten lassen sich direkt dem Zweck "Arbeitszimmer" zuteilen - zum Beispiel eine neue Schreibtischlampe. Diese sind im jeweiligen Jahr voll abzugsfähig. Auch die Kosten für eine Renovierung des Arbeitszimmers können voll abgezogen werden.

Schreibtisch und Bürostuhl gehören zur Ausstattung des Arbeitszimmers und sind ebenfalls voll abzugsfähig - zumindest, wenn der Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer den Betrag von 952 Euro (800 Euro netto) nicht überschreitet. Dann handelt es sich nämlich um sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter.
Alles, was darüber liegt, muss über einen gewissen Zeitraum abgeschrieben werden. Wie lange dieser Zeitraum bei den einzelnen Gegenständen dauert, richtet sich nach der sogenannten "Afa-Tabelle": Büromöbel etwa sind über einen Zeitraum von 13 Jahren abzuschreiben, so lange muss ein Schreibtisch also aus Sicht der Finanzbehörden halten.

Viele Kosten fallen allerdings für die ganze Wohnung an: Etwa die Miete und die klassischen Betriebskosten wie Heizung, Strom und Wasser. Diese Beträge können Arbeitnehmer mit häuslichem Arbeitszimmer anteilig von der Steuer absetzen. Dazu ermitteln Sie, wie hoch der Anteil des Arbeitszimmers an der Wohnfläche Ihrer Wohnung ist - in Prozent. Dieser Prozentsatz von Miete, Heizkosten, Strom, Wasser/Abwasser ist dann abzugsfähig.

Natürlich funktioniert das bei einer zeitweiligen Homeoffice-Tätigkeit wegen Corona auch nur für den Zeitraum, in dem Sie im Homeoffice gearbeitet haben und nicht für das ganze Jahr.

Nicht absetzbar sind Luxus- und Kunstgegenstände. Aus irgendwelchen Gründen weigert sich das Finanzamt, teure Gemälde und Skulpturen als Arbeitszimmerausstattung anzuerkennen...

Kann ich Fahrtkosten absetzen, wenn ich im Homeoffice arbeite?


Nein. Dies ist dann nicht mehr möglich. Hier gilt "entweder - oder". Es können also nicht gleichzeitig Fahrtkosten in Ansatz gebracht werden. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass es sich hier immer noch um den Ausnahmefall handelt "dem Arbeitnehmer steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung".

Was gilt, wenn der Arbeitgeber für das Homeoffice zahlt?


Vermietet der Arbeitnehmer einen Raum seiner Wohnung an den Arbeitgeber als Büroraum, in dem er selbst dann arbeitet, hat er kein häusliches Arbeitszimmer. Er geht ja ins Büro, auch wenn er nur die Treppe hinauf muss. Dem Arbeitnehmer entstehen dann Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, für die er Steuern zahlen muss. Seine Kosten für das Bürozimmer kann er dann in dieser Einkunftsart absetzen (etwa wieder die anteiligen Betriebskosten). Dazu muss das Finanzamt diese Konstruktion anerkennen. Voraussetzung: Die Vereinbarung dient in erster Linie den Interessen des Betriebes.

Dient die Vereinbarung in erster Linie dem Wohl des Arbeitnehmers, weil es für diesen bequemer ist, zu Hause zu arbeiten, kann das Finanzamt die vom Chef gezahlte Miete aber auch als zu versteuernden Arbeitslohn ansehen. Dies ergibt sich aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die Finanzämter vom 18.4.2019.

Was gilt, wenn sich ein Paar das Homeoffice teilt?


Der Höchstbetrag von 1.250 Euro gilt personenbezogen. Jeder der beiden kann also die Kosten, die er selbst getragen hat, bis zum Höchstbetrag geltend machen. Dies ergibt sich aus zwei Urteilen des Bundesfinanzhofes (Urteile vom 15.12.2016, Az. VI R 53/12 und Az. VI R 86/13).

Praxistipp


Wer derzeit im Homeoffice arbeiten muss, kann davon profitieren, sich ein Arbeitszimmer einzurichten. Hier gibt es viele Möglichkeiten, Steuern zu sparen - mit entsprechenden Nachweisen. Rat und Hilfe zu steuerlichen Fragen finden Sie bei einem Fachanwalt für Steuerrecht.

(Wk)



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