Knast für den falschen Staatsanwalt

04.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (386 mal gelesen)
Knast für den falschen Staatsanwalt © Andrey Popov – Fotolia.com
Mit einem besonders hartnäckigen Fall von Betrug hatte es das Landgericht Düsseldorf zu tun. Vor Gericht stand ein Mann, der sich als Pilot, Arzt, Diplomat und sogar als Staatsanwalt ausgegeben hatte. Da die bisherigen juristischen Warnschüsse wohl nicht vernommen worden waren, gab es diesmal keine Bewährung.

Tassilo von Hirsch hatte sich der Mann genannt, wenn er als Staatsanwalt auftrat. In Wirklichkeit war er Aushilfskellner mit Realschulabschluss. Das hinderte den 28jährigen aber nicht daran, im Laufe der Zeit eine Reihe unterschiedlicher Identitäten anzunehmen und fleißig auf Kosten anderer Leute Waren zu bestellen. 38 Alias-Namen sind bekannt. Allein im aktuellen Verfahren – das nicht sein erstes war – ging es um über 30 Straftaten. Verurteilt wurde er wegen Betruges in 14 Fällen, Computerbetruges in neun Fällen, Titelmissbrauchs und Beleidigung. Als angeblicher Staatsanwalt hatte er auch Emails mit dem Landeswappen und dem Briefkopf der Staatsanwaltschaft verschickt.

Hauptsächlich ging es dem Mann dabei um Geld, Luxus und Sex. Beim Shoppen, in Clubs und Bordellen will er eine sechsstellige Summe ausgegeben haben. Die im Verfahren zuständige Staatsanwältin hob hervor, dass er einmal eine Prostitutierte extra per Flugzeug von Berlin nach Düsseldorf habe anreisen lassen. Die Dame habe er nach stundenlangem Einsatz um ihren Lohn und die Reisespesen geprellt. Auch habe er mehrfach Stellenanzeigen aufgegeben, um den Bewerberinnen dann 20.000 Euro für Sex zu bieten (das Geld hätten sie mutmaßlich nie gesehen).

Das Gericht zeigte sich wenig erbaut davon, dass der Mann, den man zuvor bereits wegen anderer Betrügereien milde zu Bewährungsstrafen verurteilt hatte, sich nun als falscher Staatsanwalt betätigte. Drei Jahre und neun Monate waren die Folge – ohne Bewährung. Ohne sein Geständnis wäre die Strafe höher ausgefallen.

Dem Rechtsanwalt des notorischen Betrügers und Hochstaplers ist Respekt zu zollen. Der Strafverteidiger setzte sich pflichtschuldigst intensiv für eine weitere Bewährungsstrafe ein und warb für eine Therapie seines Mandanten. Und das, obwohl der Anwalt selbst auf der Liste der Geschädigten stand: Sein Mandant hatte für diverse Telefonate mit Sex-Hotlines das Konto der Anwaltskanzlei angegeben, das er von deren Briefkopf hatte.

LG Düsseldorf, 29.8.2016, Az. 20 KLs 7/16