Pilze sammeln: Ist es immer erlaubt?

26.10.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (1819 mal gelesen)
Fliegenpilz Pilze sammeln: Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert ein Bußgeld. © Bu - Anwalt-Suchservice

Viele Menschen gehen im Herbst gerne Pilze sammeln. Jedoch: Mancher weiß nicht, dass man gar nicht überall einfach so sammeln darf. Auch bei der Menge der gesammelten Pilze gibt es Einschränkungen.

Wird es Herbst, bevölkern die Pilzsammler wieder die Wälder. Aber: Das Sammeln ist nicht überall erlaubt. Wer trotzdem Pilze sammelt, riskiert ein empfindliches Bußgeld. Auch die Sammelmenge ist eingeschränkt.

Was darf man im Wald?


Das Bundeswaldgesetz regelt, was man im Wald tun darf und was nicht. § 14 dieses Gesetzes erlaubt das Betreten des Waldes jedem zu Erholungszwecken. Weitere Einzelheiten legen die Bundesländer in ihren jeweiligen Waldgesetzen fest. Übrigens: Diese Vorschriften gelten nicht nur für die Wälder in Bundes- und Landeseigentum, sondern grundsätzlich auch für solche in privatem Besitz. Verboten ist in der Regel etwa das Betreten von Gebieten, in denen gerade Holz geschlagen wird oder von Aufforstungsgebieten mit jungen Bäumen.

Darf man Pilze zum Geldverdienen sammeln?


Aus mehreren Bundesländern – wie etwa Rheinland-Pfalz – wurde in der Presse über gewerbliche Pilzsammler berichtet, die in Busladungsstärke anrücken und dann im Wald als Sammelkette durchs Unterholz marschieren. Die gefundenen Pilze verkaufen sie anschließend an Restaurants oder auf Wochenmärkten. Dies ist natürlich nicht Sinn der Sache. Denn: Pilze gehören zum Ökosystem des Waldes, sie dienen Tieren als Nahrung und leben in Symbiose mit anderen Pflanzen. Werden sie derart massenweise gesammelt, kann sich ihr Bestand oft jahrelang nicht mehr richtig erholen. Obendrein werden durch die Sammeltrupps erhebliche Zerstörungen am Wald angerichtet, etwa junge Bäume und das Unterholz plattgetrampelt. Deshalb sind solche Sammelaktionen verboten.

Was darf man aus dem Wald mitnehmen?


Dies bestimmen die Waldgesetze der einzelnen Bundesländer. Die Vorschriften können sich allerdings von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Oft ist darin geregelt, welche Walderzeugnisse man sich aneignen darf – was also jeder ohne weiteres aus dem Wald mit nach Hause nehmen darf.
Ein Beispiel: Nach § 23 des Landeswaldgesetzes von Rheinland-Pfalz darf man Pilze, Beeren sowie Zweige, Blumen und Kräuter bis zur Menge eines Handstraußes mitnehmen. Allerdings darf dies nur für den persönlichen Bedarf geschehen, also nicht zum Verkauf. Und: Die Entnahme aus dem Wald muss pfleglich stattfinden, also ohne die Umgebung und andere Pflanzen dabei zu schädigen.
Die gewerbliche Sammelei ist unzulässig. Dies gilt etwa für das Sammeln von Pilzen oder Kräutern für den Verkauf auf einem Wochenmarkt. Ausnahmen gibt es, wenn der Pilzsammler eine Genehmigung des Waldbesitzers und (!) der örtlichen Forst- oder Naturschutzbehörde besitzt. An manchen Orten werden solche Genehmigungen in Form sogenannter Pilzsammelscheine gegen eine Gebühr erteilt.

Was besagt das Bundesnaturschutzgesetz?


Das bundesweit gültige Bundesnaturschutzgesetz enthält ebenfalls die oben für Rheinland-Pfalz zitierte Regelung. § 39 des Gesetzes erlaubt ausdrücklich das Sammeln von "geringen Mengen" - auf pflegliche Weise und nur für den persönlichen Bedarf. Als gering wird dabei meist eine Menge angesehen, die etwa für ein oder zwei Mahlzeiten reicht. Oft werden dabei 500 Gramm pro Person angesetzt. Die zuständigen Naturschutzbehörden haben hier einen gewissen Ermessensspielraum.

Die Bundesartenschutzverordnung schützt auch Pilze


Auch in der Bundesartenschutzverordnung finden sich Regelungen über Pilze. Die Verordnung nennt verschiedene besonders geschützte Pilzarten, die man nicht pflücken darf. Eine Auflistung findet sich in Anlage 1 zu § 1. Auf der Liste finden sich durchaus auch bekannte Speisepilze wie Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln, Röhrlinge und Trüffel.

Aber:
In § 2 Absatz 1 der Bundesartenschutzverordnung ist eine Ausnahme vom Pflück-Verbot geregelt. Diese betrifft Steinpilze, Pfifferlinge, Schweinsohren, Brätlinge, Birkenpilze und Rotkappen sowie Morcheln. Die genannten Arten darf man also in geringen Mengen für den eigenen Bedarf sammeln.

Was ist in Naturschutzgebieten zu beachten?


Ist ein Wald zum Naturschutzgebiet erklärt worden, gibt es auch eine sogenannte Schutzgebietsverordnung. Darin ist üblicherweise geregelt, welche Einschränkungen im jeweiligen Schutzgebiet für eine Nutzung durch den Menschen beachtet werden müssen. So kann beispielsweise das Betreten des Gebietes eingeschränkt werden. In Naturschutzgebieten ist meist das Pilzesammeln verboten. Dies gilt auch für Nationalparks (§§ 23, 24 Bundesnaturschutzgesetz).

Wie hoch sind die Bußgelder?


Bei Verstößen gegen die genannten Regelungen riskiert man ein hohes Bußgeld. Das Waldgesetz von Rheinland-Pfalz zum Beispiel ahndet das Sammeln von Pilzen über den persönlichen Bedarf hinaus als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld bis zu 2.500 Euro – in schweren Fällen können es sogar bis zu 10.000 Euro sein.
Das Bundesnaturschutzgesetz sieht für das gewerbliche Sammeln ohne behördliche Genehmigung eine Geldbuße bis zu 10.000 Euro vor. Das Sammeln der nach dem Artenschutzgesetz besonders geschützten Pilzarten wird noch teurer: Hier liegt ein Verstoß gegen § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes vor. Es droht ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro (§ 69 Abs. 7 BNatSchG).

Unabhängig von Gesetzen: Vorsicht vor Giftpilzen


Nicht jeder Giftpilz ist so leicht zu erkennen wie der giftige Fliegenpilz auf unserem Foto. Viele Speisepilze können sehr leicht mit Giftpilzen verwechselt werden. Viele giftige Arten sehen nämlich Speisepilzen sehr ähnlich. Pilzvergiftungen kommen ständig vor und führen jedes Jahr auch zu Todesfällen. Wer sich nicht sicher ist, ob ein Pilz essbar ist, sollte diesen stehen lassen. Eine Bestimmung per App bietet keine ausreichende Sicherheit.

Praxistipp


Vor dem Pilze suchen sollte man sich nicht nur über Pilze an sich gründlich informieren, sondern auch darüber, was im jeweiligen Wald erlaubt ist. Genauere Auskünfte dazu kann die örtliche untere Naturschutzbehörde erteilen. Falls es zu einer Auseinandersetzung mit einer Behörde kommt, ist ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht der beste Ansprechpartner.

(Bu)



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