Es ist Herbst – Tipps für Ihre Sicherheit

30.09.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 8 Min. (322 mal gelesen)
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Der Herbst ist da. Mit ihm kommen Dunkelheit, feuchtes Laub auf den Straßen sowie Regen und Nebel. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer müssen jetzt besonders aufmerksam sein, um Unfälle zu vermeiden.

Der Herbst ist eine besonders unfallträchtige Jahreszeit. Die Tage sind nun kürzer und man ist häufig im Dunkeln unterwegs. Dazu kommt ein deutlich unfreundlicheres Wetter. Nieselregen und Nebel sorgen für schlechte Sicht der Verkehrsteilnehmer und feuchtes Laub vergrößert die Rutschgefahr. Allerdings ist wenig Aufwand nötig, um etwas für die eigene Sicherheit im Straßenverkehr zu tun. Dabei spielen auch rechtliche Aspekte eine Rolle: Wer die Vorsicht außer Acht lässt, kann nach einem Unfall auch vor Gericht schnell das Nachsehen haben.

Welche Tipps gibt es für Fußgänger?


Viele Fußgänger machen sich nicht klar, dass sie in der dunklen Jahreszeit für andere Verkehrsteilnehmer oft schlecht zu sehen sind. Dunkelheit, Nebel und Sprühregen beeinträchtigen die Sicht.
Ein dunkel gekleideter Fußgänger wird von anderen Verkehrsteilnehmern erst auf eine geringe Entfernung von etwa zehn bis 20 Metern gesehen. Abhängig von der Straße und der Geschwindigkeit kann es dann passieren, dass der Bremsweg eines Fahrzeugs nicht ausreicht. Und dieser verlängert sich im Herbst zusätzlich oft auch noch durch feuchten Straßenbelag und Blätter auf der Straße. Hat der Autofahrer den Fußgänger gesehen, ist es oft schon zu spät, und auch eine Vollbremsung hilft nicht mehr. So kommt es zu vielen Unfällen.
Tipp: Ziehen Sie helle Kleidung an und befestigen Sie daran Reflektoren oder LED-Armbänder.

Besonders gefährdet sind auch Jogger, die häufig im Laufen Straßen überqueren. Größere Sicherheit bieten spezielle Laufjacken in Neonfarben mit integrierten Reflektoren. Aber auch schon eine billige Warnweste aus dem Autozubehör hilft enorm dabei, rechtzeitig gesehen zu werden. Solche Kleidungsstücke sorgen dafür, dass man schon auf eine Entfernung von 150 Metern gesehen wird.
Fußgänger und Jogger sollten sich an die Verkehrsregeln halten und Straßen nicht einfach spontan oder durch den fließenden Verkehr überqueren. Nutzen Sie Fußgängerampeln. Am Zebrastreifen ist es wichtig, Autofahrern vor dem Losgehen erst Gelegenheit zu geben, Sie zu bemerken, bevor Sie auf die Fahrbahn gehen oder laufen. Überqueren Sie Straßen ohne Zebrastreifen erst, wenn diese frei sind. Ein paar Sekunden Zeitgewinn rechtfertigen keinen Krankenhausaufenthalt, unabhängig davon, wer schuld ist. Kopfhörer mit Musik führen dazu, dass man ein sich näherndes Fahrzeug nicht hört. Wichtig ist es auch, beim Überqueren von Straßen auf den Verkehr und nicht auf Ihr Smartphone zu achten.

Wer haftet nach einem Unfall: Fußgänger oder Autofahrer?


Mancher denkt, dass bei einem Unfall zwischen Fußgänger und Autofahrer generell der Autofahrer haftet. In Wahrheit ist dies jedoch oft nicht der Fall. Hat sich ein Fußgänger unvorsichtig verhalten, ist er mitschuldig am Unfall – und dies wird auch vom Gericht berücksichtigt. Im Extremfall kann es passieren, dass ein Fußgänger sogar allein für die Unfallfolgen haftet. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn der Autofahrer sich besonders vorsichtig verhalten hat und der Unfall für ihn nicht zu vermeiden war. In diesem Fall fällt sogar die sogenannte Betriebsgefahr des Autos weg, für die der Autofahrer sonst auch ohne Verschulden haftet, einfach, weil er ein Fahrzeug auf die Straße gebracht hat.

Beispiele: Haftung von Fußgängern


Das Oberlandesgericht Nürnberg entschied, dass eine Fußgängerin den Schaden eines Unfalls tragen musste. Sie hatte mit einem mannshohen Werbeplakat vier Spuren einer Straße überquert, um es auf einem Grünstreifen aufzustellen. Dabei wurde sie angefahren. Zwar hatte es nur ein paar Meter entfernt eine Fußgängerampel gegeben, diese hatte die Klägerin jedoch aus Bequemlichkeit nicht benutzt. Das Gericht entschied, dass der Autofahrer nicht für den Unfall hafte. Er habe mit einem derart verkehrswidrigen Verhalten der Fußgängerin nicht rechnen müssen (Urteil vom 31.1.2018, Az. 4 U 1386/17).

Das Oberlandesgericht Hamm ließ ein beim Überqueren einer Straße verletztes Paar zwei Drittel der Haftung tragen. Der Unfall hatte sich im Januar im Dunkeln abgespielt. Das ältere Paar hatte in dunkler Kleidung eine Straße überquert, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Beide wurden von einem Auto erfasst und erlitten schwere Verletzungen. Das Gericht betonte, dass die Fußgänger auf das sich nähernde Fahrzeug hätten achten und dieses erst einmal vorbeilassen müssen, bevor sie losliefen.
Der Autofahrer musste ein Drittel des Schadens tragen, weil er 11 km/h zu schnell gefahren war (Urteil vom 10.4.2018, Az. 9 U 131/16).

Das Oberlandesgericht Naumburg wies die Schmerzensgeld-Klage eines elfjährigen Mädchens gegen eine Autofahrerin vollständig ab. Das Kind war zwischen geparkten Autos hindurch im Dunkeln auf eine Straße gelaufen, weil es diese überqueren wollte. Es hatte die Einwände danebenstehender Freunde ignoriert. Das Mädchen lief unmittelbar vor ein Auto, welches nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. Das Gericht erkläre, dass man auch mit elf Jahren schon wissen muss, dass ein solches Verhalten absolut unvernünftig ist (Beschluss vom 25.4.2013, Az. 10 U 22/12).

Was sollten Radfahrer beachten?


Radfahrer sollten besonders darauf achten, ob ihr Fahrrad verkehrssicher ist. Eine vorschriftsmäßige und funktionstüchtige Beleuchtung ist gerade im Herbst sehr wichtig.
Heute sind zwar auch Fahrradbeleuchtungen mit Batterie oder Akku zulässig. Verboten sind jedoch blinkende Leuchten. Die Fahrradbeleuchtung muss nicht am Rad befestigt sein, solange es noch hell ist. Sobald die Sichtverhältnisse dies jedoch erfordern, muss man sie montieren und einschalten.
Speichenreflektoren und zusätzliche Reflektoren an der Kleidung helfen Radfahrern, besser gesehen zu werden. Auch hier ist helle Kleidung zu empfehlen.
In einigen deutschen Großstädten werden derzeit die von der Straße getrennten Radwege zurückgebaut und durch Radfahrstreifen ersetzt. Dadurch teilen sich Radler und Autofahrer die Fahrbahn. Dass Radfahrer diese Streifen auf der Fahrbahn auf keinen Fall in falscher Fahrtrichtung und ohne Licht benutzen dürfen, sollte eigentlich selbstverständlich sein: So erhöht sich die Unfallgefahr beträchtlich. Obendrein werden auch noch andere Radfahrer gefährdet, die in der richtigen Fahrtrichtung unterwegs sind und die womöglich zum Ausweichen auf die Fahrbahn gezwungen werden.
In der dunklen Jahreszeit müssen Radfahrer ebenfalls besonders auf dunkel gekleidete, unaufmerksame Fußgänger achten – und ihren Fahrstil an die gesteigerte Rutschgefahr durch Feuchtigkeit und Herbstlaub anpassen.

Was müssen Autofahrer beachten?


Im Herbst sollten Autofahrer besonders darauf achten, dass ihr Fahrzeug technisch in Ordnung und für Herbst und Winter bereit ist. Eine Reihe von Werkstätten bietet einen günstigen oder gar kostenlosen Herbst- oder Wintercheck an. Geachtet wird dabei hauptsächlich auf Bremsen, Bereifung und Beleuchtung.
Eine defekte Lampe im Scheinwerfer übersieht man schnell: Die meisten Autofahrer kontrollieren ihr Auto nicht von außen. Eine falsch eingestellte Beleuchtung kann dazu führen, dass andere Verkehrsteilnehmer geblendet werden.
Auch die Stände der Flüssigkeiten sollte man kontrollieren. Das Wasser in der Scheibenwaschanlage sollte ausreichend Frostschutzmittel enthalten. Dies gilt ebenso für das Kühlwasser. Nicht zuletzt sollte man daran denken, Hilfsmittel wie Eiskratzer und Enteisungsspray mitzunehmen.
Sehr gefährlich ist es, nur mit einer geringen freigekratzten Sichtöffnung loszufahren. Bei einem Unfall wird sich so etwas stark auf die Haftung auswirken.
Autofahrer sollten es zu jeder Jahreszeit unbedingt vermeiden, auf Radfahrstreifen zu parken. Dadurch werden Radfahrer zum lebensgefährlichen Ausweichen auf die Autofahrspur gezwungen.

Was muss man zur Winterreifenpflicht wissen?


In Deutschland gibt es eine wetterabhängige Winterreifenpflicht. Es gibt also kein festes Datum, ab wann Winterreifen aufgezogen werden müssen. Sobald jedoch winterliche Straßenverhältnisse mit Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte herrschen, müssen Autofahrer auf Winterreifen umsteigen.
Übrigens hat sich die Regelung zur Winterreifenpflicht 2017 geändert. Künftig sind nur noch Reifen mit dem “Alpine-Symbol” erlaubt (Berg mit Schneeflocke). Bis Ende 2017 hergestellte M+S-Reifen dürfen jedoch noch bis 30. September 2024 benutzt und aufgebraucht werden.

Wenn Allwetterreifen über das entsprechende Symbol verfügen, gelten sie als Winterreifen. Fährt man bei winterlichen Wetterverhältnissen ohne Winterreifen, können 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg die Folge sein. Bei Behinderung anderer sind es 80 Euro, bei Gefährdung anderer werden es schnell 100 Euro, bei einem Unfall sogar 120 Euro – jeweils mit einem Punkt in Flensburg. Diese Folgen treffen den Fahrer, nicht den Fahrzeughalter.
Seit Juni 2017 ist es allerdings auch eine Ordnungswidrigkeit, als Fahrzeughalter andere mit seinem Auto ohne Winterreifen fahren zu lassen. Geahndet wird diese mit 75 Euro und einem Punkt.
Wer schon früh im Herbst seine Reifen wechselt, sollte daran denken, dass Winterreifen aus einer weicheren Gummimischung bestehen. An warmen Herbsttagen kann sich dadurch unter Umständen der Bremsweg verlängern.

Erhöhte Vorsicht bei schlechter Sicht


Im Herbst beeinträchtigen Dunkelheit, Regen und Nebel die Sicht von Autofahrern. In dieser Jahreszeit ist es besonders wichtig, vorausschauend zu fahren und im Zweifelsfall auch mal den Fuß vom Gas zu nehmen. Radfahrer und Fußgänger sind jetzt erheblich schlechter zu sehen. Auch sind sie bei unangenehmem Wetter deutlich unaufmerksamer für den Verkehr.
§ 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt das sogenannte Sichtfahrgebot. Dieses besagt: Man darf nur so schnell fahren, dass man innerhalb der übersehbaren Strecke auch anhalten kann. Diese Regel ist speziell bei Dunkelheit oder allgemein schlechten Sichtverhältnissen zu beachten – und zwar auch dann, wenn ein ausgeschildertes Tempolimit eine höhere Geschwindigkeit erlaubt. Wird das Sichtfahrgebot nicht beachtet und es kommt zu einem Unfall, führt dies zu einer Mithaftung. Deren Höhe steigt mit der gefahrenen Geschwindigkeit. Das Sichtfahrgebot gilt für alle Straßen.

Herbstlaub und Wildwechsel


Feuchtes Laub bedeutet nicht nur für Fußgänger und Radfahrer im Herbst eine Gefahr. Auf der Straße hindert es Autofahrer am kontrollierten Abbremsen und kann das Fahrzeug sogar ins Schleudern bringen. Besonders gefährlich sind Nebenstraßen, in denen sich oft besonders viel Laub ansammelt, das seltener beseitigt wird. Achtung: Auch elektronische Assistenzsysteme ändern nichts an der Rutschgefahr.
Eine weitere Gefahr ist der Wildwechsel. Der Herbst gilt als Hochsaison für Wildunfälle. Daher sollten Autofahrer besonders in ländlichen Gebieten und in der Nähe von Wäldern langsamer fahren und auf Wildwechselschilder achten. Oft werden diese an Stellen aufgebaut, an denen es schon mehrmals zu Wildunfällen gekommen ist.
Ein 20 Kilo leichtes Reh wird bei einem Aufprall mit 50 km/h zu einem Geschoss mit einer Wirkung von einer halben Tonne. Steht Wild neben oder auf der Straße, sollte man sofort das Fernlicht abblenden und hupen. Überquert ein einzelnes Tier die Straße, muss man mit weiteren folgenden Tieren rechnen. Kommt es zu einem Wildunfall, ist immer die Polizei zu benachrichtigen.

Was müssen Hauseigentümer beachten?


Hauseigentümer haben bezüglich der Wege auf ihrem Grundstück eine Verkehrssicherungspflicht. Diese gilt auch für die öffentlichen Gehwege vor dem Grundstück. Meist übertragen nämlich die Gemeinden ihre entsprechende Pflicht per Satzung auf die Anlieger.
Hauseigentümer können die Arbeit wiederum per Mietvertrag auf ihre Mieter übertragen. Dann behalten sie jedoch eine Kontrollpflicht.
Verkehrssicherungspflicht bedeutet einerseits, dass die Verpflichteten im Winter Schnee räumen müssen. Im Herbst haben sie aber auch das Herbstlaub zu beseitigen, denn dieses bedeutet eine Rutschgefahr für Fußgänger. Wer diese Pflicht missachtet, haftet im Falle eines Sturzes schnell auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.
Wann gefegt oder geräumt werden muss, richtet sich nach der örtlichen Straßenreinigungssatzung. Für Herbstlaub gelten weniger strenge Maßstäbe als für das Schneeräumen. Die Gerichte entscheiden hier jedoch nicht einheitlich: Manche sind sehr streng, andere räumen ein, dass es kaum möglich ist, jedes Blatt zu entfernen (Landgericht Coburg, Az. 14 O 742/07). Eine Faustregel lautet: Je mehr Laub, desto öfter muss man fegen.

Praxistipp


Bei Haftungsfragen beurteilen die Gerichte jeweils das Verhalten der Beteiligten im Einzelfall. Besonders im Straßenverkehr sollte man jedoch nicht nur an die Haftung denken. Wichtiger ist es, durch vorsichtiges Verhalten Verletzungen für sich und andere zu vermeiden. Ist es dann doch einmal zu einem Unfall gekommen, ist ein Fachanwalt für Verkehrsrecht der beste Ansprechpartner.

(Bu)



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