Es ist Herbst – Tipps für Ihre Sicherheit

03.10.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 7 Min. (194 mal gelesen)
Es ist Herbst – Tipps für Ihre Sicherheit © Bu - Anwalt-Suchservice

Der Herbst ist da, und mit ihm kommen Dunkelheit, feuchtes Laub auf den Straßen sowie Regen und Nebel. Jetzt müssen Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer besonders aufmerksam sein, um Unfälle zu vermeiden.

Der Herbst ist eine besonders unfallträchtige Jahreszeit. Die tägliche Helligkeitsphase ist nun kürzer, die Wetterlage oft unfreundlich. Nieselregen und Nebel verschlechtern die Sicht der Verkehrsteilnehmer, feuchtes Laub erhöht die Rutschgefahr. Allerdings kann man schon mit wenig Aufwand viel für die Sicherheit im Straßenverkehr tun. Auch rechtliche Aspekte spielen hier eine Rolle – denn wer die Vorsicht außer acht lässt, hat nach einem Unfall auch vor Gericht schnell das Nachsehen.

Welche Tipps gibt es für Fußgänger?


Fußgänger machen sich oft nicht klar, dass sie in der dunklen Jahreszeit für andere Verkehrsteilnehmer oft nicht ausreichend zu sehen sind. Nicht nur Dunkelheit beeinträchtigt im Herbst die Sicht, sondern auch Nebel und Sprühregen.
Ein dunkel gekleideter Fußgänger ist für andere erst auf eine geringe Distanz von etwa zehn bis 20 Metern zu erkennen. Abhängig von der Straße und der gefahrenen Geschwindigkeit der Fahrzeuge reicht dann der Bremsweg oft nicht mehr aus. Dieser verlängert sich im Herbst zusätzlich meist noch durch feuchten Straßenbelag und Blätter auf der Straße. Wenn der Autofahrer den Fußgänger gesehen hat, hilft oft auch eine Vollbremsung nichts mehr. Auf diese Weise kommt es zu einer erheblichen Anzahl von Unfällen.
Tipp: Ziehen Sie helle Kleidung an und befestigen Sie daran Reflektoren oder LED-Armbänder.
Besondere Gefahren bestehen auch für Jogger, die häufig im Laufen Straßen überqueren. Für sie gibt es spezielle Laufjacken in Neonfarben mit integrierten Reflektoren. Auch eine billige Warnweste aus dem Autozubehör hilft enorm dabei, gesehen zu werden. Schon verlängert sich die Distanz, in der man gesehen wird, auf 150 Meter.
Fußgänger wie Jogger sollten sich außerdem an die Verkehrsregeln halten und Straßen nicht einfach spontan oder durch den fließenden Verkehr überqueren. Warten Sie an einer roten Fußgängerampel. Am Zebrastreifen sollten Sie dem Autofahrer vor dem Losgehen erst Gelegenheit geben, Sie zu bemerken, bevor Sie auf die Straße gehen. Überqueren Sie Straßen ohne Zebrastreifen erst dann, wenn die Straße frei ist. Einige Sekunden Zeitgewinn rechtfertigen keinen Krankenhausaufenthalt, unabhängig von der Schuldfrage. Kopfhörer mit Musik erhöhen die Gefahr, ein sich näherndes Fahrzeug nicht zu bemerken, erheblich. Und: Achten Sie beim Überqueren von Straßen auf den Verkehr und nicht auf Ihr Smartphone!

Wie funktioniert die Haftung bei Unfällen Fußgänger – Auto?


Mancher geht davon aus, dass bei einem Unfall zwischen Fußgänger und Autofahrer immer der Autofahrer haftet. Dies ist in Wirklichkeit oft nicht der Fall. Verhält sich der Fußgänger unvorsichtig, wird ihm ein Mitverschulden angerechnet. Im Extremfall kann der Fußgänger sogar alleine für die Unfallfolgen haften, wenn sich der Autofahrer besonders vorsichtig verhalten hat und der Unfall für diesen unvermeidbar war. Denn dann fällt sogar die sogenannte Betriebsgefahr des Autos unter den Tisch, für die der Autofahrer ansonsten auch ohne Verschulden haftet, einfach weil er ein Fahrzeug auf die Straße gebracht hat.

Beispiele: Haftung von Fußgängern


Das Oberlandesgericht Nürnberg verurteilte eine Fußgängerin dazu, allein den Schaden zu tragen, der entstanden war, als sie mit einem mannshohen Werbeplakat vier Spuren einer Straße überquerte, um dieses auf einem Grünstreifen aufzustellen. Nur ein paar Meter entfernt hatte sich eine Fußgängerampel befunden, die die Klägerin jedoch aus Bequemlichkeit nicht nutzte. Das Gericht sprach den Autofahrer, der sie angefahren hatte, von jeder Haftung frei, da er mit einem derart verkehrswidrigen Verhalten nicht habe rechnen müssen (Urteil vom 31.1.2018, Az. 4 U 1386/17).
Das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass ein beim Überqueren einer Straße verletztes Paar zwei Drittel der Haftung übernehmen müsse. Der Unfall hatte sich im Januar im Dunkeln ereignet. Das ältere Paar hatte in dunkler Kleidung eine Straße ohne Beachtung des fließenden Verkehrs überquert. Ein Auto erfasste beide, wodurch beide schwer verletzt wurden. Mehrere Operationen waren erforderlich. Das Gericht erklärte, dass die Fußgänger auf das sich nähernde Fahrzeug hätten achten und dieses erst einmal vorbeilassen müssen, bevor sie losliefen.
Der Autofahrer war 11 km/h zu schnell gefahren und trug ein Drittel des Schadens (Urteil vom 10.4.2018, Az. 9 U 131/16).
Das Oberlandesgericht Naumburg wies die Klage eines elfjähigen Mächens auf Schmerzensgeld gegen eine Autofahrerin komplett ab. Das Kind war zwischen geparkten Autos hindurch im Dunkeln auf eine Straße gelaufen, um diese zu überqueren. Die Einwände dabeistehender Freunde hatte es ignoriert. Das Mädchen lief unmittelbar vor ein Auto, das nicht mehr bremsen konnte. Nach Ansicht des Gerichts muss man auch mit elf Jahren schon erkennen, dass ein solches Verhalten vollkommen unvernünftig ist (Beschluss vom 25.4.2013, Az. 10 U 22/12).

Was sollten Radfahrer beachten?


Radfahrer sollten insbesondere darauf achten, dass ihr Fahrrad verkehrssicher ist. So muss die Beleuchtung vorschriftsmäßig und funktionstüchtig sein.
Zwar sind heute auch Fahrradbeleuchtungen mit Batterie oder Akku erlaubt. Verboten sind aber blinkende Leuchten. Die Fahrradbeleuchtung muss bei Helligkeit nicht am Rad befestigt sein, sobald die Sichtverhältnisse dies aber erfordern, ist sie zu montieren und einzuschalten.
Speichenreflektoren und zusätzliche Reflektoren an der Kleidung helfen Radfahrern, gesehen zu werden. Zu empfehlen ist – wie auch bei Fußgängern – helle Kleidung. In einigen deutschen Großstädten werden derzeit die von der Straße getrennten Radwege zurückgebaut und durch Radfahrstreifen ersetzt, so dass sich Radler und Autofahrer die Fahrbahn teilen. Dass Radfahrer diese Streifen auf der Fahrbahn keinesfalls in falscher Fahrtrichtung und ohne Licht benutzen dürfen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Denn so erhöht sich die Unfallgefahr beträchtlich. Zudem werden auch andere Radfahrer gefährdet, die in der richtigen Fahrtrichtung unterwegs sind und womöglich zu Ausweichmanövern gezwungen werden.
Radfahrer müssen in der dunklen Jahreszeit ebenfalls besonders auf dunkel gekleidete, unaufmerksame Fußgänger achten – und ihren Fahrstil der erhöhten Rutschgefahr durch Feuchtigkeit und Herbstlaub anpassen.

Was müssen Autofahrer beachten?


Auch Autofahrer sollten in der dunklen Jahreszeit darauf achten, dass ihr Fahrzeug technisch in Ordnung und für Herbst und Winter bereit ist. Viele Werkstätten bieten einen günstigen oder gar kostenlosen Herbst- oder Wintercheck an. Dabei wird besonders auf Bremsen, Bereifung und Beleuchtung geachtet. Viele Autofahrer übersehen eine defekte Lampe im Scheinwerfer, da sie ihr Auto nie selbst von außen kontrollieren. Eine falsch eingestellte Beleuchtung kann andere Verkehrsteilnehmer erheblich blenden.
Kontrollieren sollte man auch die Stände der Flüssigkeiten. Das Wasser in der Scheibenwaschanlage sollte ausreichend mit Frostschutzmittel gemischt sein. Auch das Kühlwasser sollte genug Frostschutz enthalten. Nicht zuletzt sollten Hilfsmittel wie Eiskratzer und Enteisungsspray mitgeführt werden.
Unbedingt abzuraten ist davon, mit nur einer geringen freigekratzten Sichtöffnung loszufahren. Dadurch wird die Unfallgefahr ganz erheblich erhöht, bei einem Unfall wird sich so etwas stark auf die Haftung auswirken.
Autofahrer sollten zu jeder Jahreszeit unbedingt vermeiden, auf Radfahrstreifen zu parken und dadurch Radfahrer zum lebensgefährlichen Ausweichen auf die Autofahrspur zu zwingen.

Was muss man zur Winterreifenpflicht wissen?


In Deutschland existiert eine wetterabhängige Winterreifenpflicht. Sobald winterliche Straßenverhältnisse mit Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte herrschen, dürfen Autofahrer nur noch mit Winterreifen unterwegs sein. Übrigens hat sich die Regelung zur Winterreifenpflicht 2017 geändert. Künftig sind nur noch Reifen mit dem “Alpine-Symbol” zulässig (Berg mit Schneeflocke). Bis Ende 2017 hergestellte M+S-Reifen können noch bis 30. September 2024 benutzt und aufgebraucht werden. Allwetterreifen mit entsprechendem Symbol gelten als Winterreifen. Wer bei winterlichen Verhältnisen ohne Wintereifen herumfährt, riskiert ein Bußgeld von 60 Euro und einen Punkt in Flensburg, bei Gefährdung anderer sind es 100 Euro, bei einem Unfall sind es 120 Euro.
Seit Juni 2017 begeht ein Fahrzeughalter, der andere mit seinem Auto ohne Winterreifen fahren lässt, eine Ordnungswidrigkeit (75 Euro und ein Punkt). Wer frühzeitig im Herbst seine Reifen wechselt, sollte bedenken, dass Winterreifen aus einer weicheren Gummimischung bestehen. Bei warmen Herbsttemperaturen kann sich dadurch unter Umständen der Bremsweg verlängern.

Erhöhte Vorsicht bei schlechter Sicht


im Herbst stören Dunkelheit, Regen und Nebel die Sicht von Autofahrern. In dieser Jahreszeit ist es besonders wichtig, vorausschauend zu fahren und im Zweifel auch mal den Fuß vom Gas zu nehmen. Radfahrer und Fußgänger sind nun deutlich schlechter zu sehen, und unangenehmes Wetter verringert deren Aufmerksamkeit für den Verkehr. § 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) enthält das sogenannte Sichtfahrgebot. Das bedeutet: Man darf nur so schnell fahren, dass man innerhalb der übersehbaren Strecke anhalten kann. Dieses Gebot ist insbesondere bei Dunkelheit oder anderweitig schlechten Sichtverhältnissen zu beachten – und zwar auch, wenn ein ausgeschildertes Tempolimit eine höhere Geschwindigkeit erlaubt. Die Nichtbeachtung des Sichtfahrgebots führt bei einem Unfall zu einer Mithaftung, deren Höhe mit der gefahrenen Geschwindigkeit steigt. Das Sichtfahrgebot betrifft alle Straßen.

Herbstlaub und Wildwechsel


Feuchtes Laub ist nicht nur für Fußgänger und Radler im Herbst eine Gefahr. Für Autofahrer verhindert es ein kontrolliertes Abbremsen und kann das Fahrzeug ins Schleudern bringen. Besonders gefährlich sind Nebenstraßen. Denn hier sammelt sich besonders viel Laub an, das seltener beseitigt wird. An der Rutschgefahr ändern auch elektronische Assistenten nichts.
Eine weitere Gefahr stellt der Wildwechsel dar. Der Herbst ist Hochsaison für Wildunfälle. Autofahrer sollten daher besonders in ländlichen Gebieten und in der Nähe von Wäldern langsamer fahren und auf Wildwechselschilder achten. Diese stehen oft an Stellen, an denen es bereits mehrfach zu Wildunfällen gekommen ist. Ein 20 Kilo leichtes Reh verwandelt sich bei einem Aufprall mit 50 km/h in ein Geschoss mit einer Wirkung von einer halben Tonne. Bei Wild neben oder auf der Straße sollte man sofort das Fernlicht abblenden und hupen. Wenn ein einzelnes Tier die Straße überquert, muss mit weiteren folgenden Tieren gerechnet werden. Bei Wildunfällen ist immer die Polizei zu benachrichtigen.

Was müsssen Hauseigentümer beachten?


Hauseigentümer haben hinsichtlich der Wege auf ihrem Grundstück eine Verkehrssicherungspflicht. Dies gilt auch für die öffentlichen Gehwege vor ihrem Grundstück, denn meist übertragen die Gemeinden ihre entsprechende Pflicht per Satzung auf die Anlieger. Hauseigentümer können die Arbeit wiederum ihren Mietern übertragen, behalten dann aber eine Kontrollpflicht. Verkehrssicherungspflicht bedeutet nicht nur, dass die Verpflichteten im Winter Schnee räumen müssen. Sie haben auch im Herbst das Herbstlaub zu beseitigen, da dieses eine Rutschgefahr für Fußgänger bedeutet. Beachtetet man diese Pflicht nicht, haftet man im Falle eines Sturzes schnell auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Wann gefegt werden muss, richtet sich nach der örtlichen Straßenreinigungssatzung. Für Herbstlaub gelten allerdings weniger strenge Maßstäbe als für das Schneeräumen. Die Rechtsprechung ist hier nicht einheitlich: Manche Gerichte sind hier sehr streng, andere räumen ein, dass es kaum möglich ist, jedes Blatt zu entfernen (Landgericht Coburg, Az. 14 O 742/07). Faustregel: Je mehr Laub, desto öfter muss gefegt werden.

Praxistipp


Gerichte beurteilen bei Haftungsfragen durchaus das Verhalten der Beteiligten im konkreten Einzelfall. Gerade bei Unfällen im Straßenverkehr sollte man allerdings nicht nur an die Haftung denken, sondern besondere Vorsicht walten lassen, um Verletzungen für sich und andere zu vermeiden. Ist es dann doch einmal zu einem Unfall gekommen, empfiehlt es sich, einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren.

(Bu)



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