Tiere im Auto: Was muss ich beachten?

29.07.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (287 mal gelesen)
Hund,Frauchen,Auto Wer sein Haustier im Auto mitnimmt, sollte an dessen Sicherheit denken. © - freepik.com

Ob der Hund mit zum Spazierengehen in den Wald soll, die Katze zu ihrer Urlaubsbetreuung oder das Zwergkaninchen zum Tierarzt – beim Transport von Tieren im Auto sind einige Dinge zu beachten.

Manche Tiere lässt Autofahren gleichgültig. Andere klettern dagegen begeistert im Auto herum, werden seekrank oder erschrecken vor jedem lauten Hupen im Straßenverkehr. Die Aufmerksamkeit des Fahrers kann so leicht abgelenkt werden. Auch stellt sich die Frage, wie man sein Haustier am besten für den Fall eines Unfalls sichert. Was gilt in rechtlicher Hinsicht?

Gibt es eine Anschnallpflicht für Tiere?


Eine regelrechte Anschnallpflicht besteht nicht einmal für große Hunde. Dass es nicht so besonders sinnvoll ist, Hund und Katz' beim Fahren unkontrolliert durchs Auto klettern zu lassen oder gar auf dem Schoß zu haben, sollte mit etwas Nachdenken jedem klar sein. Immerhin wird der vierbeinige Liebling bei einer Vollbremsung schnell zum Wurfgeschoss. Das tut weder dem Tier gut, noch den menschlichen Insassen und der Verkehrssicherheit.

Ähnlich sieht es auch die Straßenverkehrsordnung: Für sie gelten Tiere als Ladung, und die Ladung ist nach § 22 StVO so zu sichern, dass sie nicht einmal bei einer kräftigen Vollbremsung, einem wilden Ausweichmanöver oder einem Auffahrunfall unkontrolliert herumrutscht oder durch das Auto fliegt. Denn: Bereits bei einem Aufprall mit 50 km/h wirkt in einem PKW das Dreißigfache des Eigengewichts auf einen Körper ein. Somit entwickelt ein 20 Kilo schwerer Hund eine Durchschlagskraft von mehr als einer halben Tonne, wenn er eine Person trifft oder von innen durch die Windschutzscheibe fliegt.

Damit besteht zwar keine Anschnallpflicht für Tiere, wohl aber eine Pflicht, diese irgendwie gegen unkontrolliertes Herumfliegen im Falle eines Unfalls oder einer Vollbremsung zu sichern.

Tiere im Auto: Fahrer darf nicht gestört werden


Der Fahrer eines PKW hat nach § 23 StVO dafür zu sorgen, dass seine Sicht und sein Gehör nicht durch die Personen-Besatzung des Fahrzeugs, durch Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Autos beeinträchtigt werden. Das bedeutet: Kreischt dem Fahrer während der Fahrt ein Papagei ins Ohr oder verkrallt sich eine Katze in Panik in sein Bein, weil draußen ein LKW gehupt hat, erhöht dies nicht nur massiv die Unfallgefahr, sondern es liegt auch eine Ordnungswidrigkeit vor.

Wieviel Bußgeld wird fällig?


Wer Ladung bzw. ein Tier im Auto nicht ausreichend sichert, riskiert ein Bußgeld von 35 Euro. Kommt es zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, sind es 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Kommt es zu einem Unfall, sind 75 Euro und ein Punkt fällig.
10 Euro Bußgeld fallen an, wenn die Sicht oder das Gehör des Fahrers durch Tiere im Auto beeinträchtigt werden.
Ungenügend gesicherte Tiere im Auto können bei einem Unfall als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. Dann kann zumindest die Kaskoversicherung ihre Leistungen reduzieren.

Welche Lösungen gibt es?


Für kleinere Tiere kann man im Zoohandel Transportboxen kaufen. Sinnvoll sind diese natürlich nur dann, wenn man sie mit Gurten festschnallt.
Für große Hunde sind besondere Hundegurte erhältlich, um den Vierbeiner auf der Rückbank zu sichern. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Gurt- und Brustgeschirr. Solche Gurte sind gepolstert und werden im Gurtschloss der Rückbank eingeklinkt.

Für kleine Hunde gibt es Hunde-Autositze. Diese sehen wie eine Art Sitzschale aus, die mit Schlaufen am Sicherheitsgurt und an der Kopfstütze befestigt werden. Zusätzlich wird der Hund mit einem Transportgeschirr gesichert, das mit einem Haken am Hundesitz befestigt wird.

Dann gibt es auch noch Sicherungsnetze oder -Gitter, die den Laderaum eines Kombis vom Fahrgastraum abtrennen und das Tier bei einem Aufprall abfangen. Hier sollte man jedoch nur Gitter verwenden, die genau zum Fahrzeug passen und mit diesem fest verbunden werden können. Universallösungen lassen sich oft nicht gut befestigen. Netze sind häufig nicht stabil genug, können im Notfall reißen und haben obendrein den Nachteil, dass sich das Tier bei einem Unfall womöglich daran verletzt oder darin verwickelt.

Hunde langsam ans Auto gewöhnen


Hunde müssen besonders oft im Auto mitfahren – immerhin begleiten sie ihre Besitzer regelmäßig in die freie Natur, ins Wochenende oder auch mal in den Urlaub. Wenn der Hund das Autofahren in der Transportbox noch nicht kennt, kann er daran langsam gewöhnt werden. Empfehlenswert ist eine behagliche Ausstattung der Box mit einer weichen Decke und einem Spielzeug. Vielleicht legt man auch ein altes Kleidungsstück dazu, das nach Frauchen oder Herrchen riecht. Ein Leckerbissen kann auch nicht schaden. Für den Anfang sind kurze Fahrtstrecken anzuraten und die erste Fahrt sollte nicht ausgerechnet zum Tierarzt gehen. Wenn der Hund mit einem Sicherheitsgeschirr auf der Rückbank angeschnallt werden soll, empfiehlt es sich, dass zu Anfang ein bekannter Mensch daneben sitzt. Dieser kann dann auch gleich darauf achten, dass die Gurte korrekt eingestellt sind und weder zu fest noch zu locker sitzen.

Tiere nicht bei Hitze im Auto lassen!


Bei starker Sonneneinstrahlung heizt sich ein PKW im Stand schnell auf. Einen Hund darin zu lassen – womöglich noch bei geschlossenen Fenstern – fällt durchaus unter Tierquälerei. Denn: Im Auto herrschen schnell 70 Grad Celsius. Auch ein Schattenplatz oder ein spaltbreit geöffnetes Fenster nutzen nichts.

Vorsätzliche Tierquälerei ist eine Straftat und kann unter Umständen sogar eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen.
Was jedoch viele Menschen nicht wissen: Auch fahrlässiges (weil gedankenloses) Handeln kann bestraft werden - als Ordnungswidrigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 Tierschutzgesetz. Die Geldbuße beträgt bis zu 25.000 Euro.
Hinzu kommt: Wenn ein Passant Polizei oder Feuerwehr ruft, um einen bereits hitzegeschädigten Hund zu retten, muss der Hundebesitzer die Einsatzkosten bezahlen. So hat zum Beispiel das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz entschieden (Az. 12 A 10619/05). Hier ging es um einen Fall, in dem die Polizei angerückt war und die Autoscheibe mit einem Beil eingeschlagen hatte.

Praxistipp


Wer Tiere im Auto transportiert, sollte unbedingt auf ausreichende Sicherung achten - dies kann bei einem Unfall Tier und Tierhalter retten. Bei rechtlichen Fragen rund um Tiere im Auto oder bei einem Bußgeldverfahren hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.