Tiere im Auto: Was muss ich beachten?

13.08.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (247 mal gelesen)
Tiere im Auto: Was muss ich beachten? © aleksandr - Fotolia.com
Ob der Hund mit zum Joggen in den Wald soll, die Katze zu ihrer Urlaubsbetreuung oder das Kaninchen zum Tierarzt – beim Transport von Tieren im Auto sind einige wichtige Dinge zu beachten.

Anschnallpflicht für Tiere?
Eine regelrechte Anschnallpflicht gibt es selbst für große Hunde nicht. Dass es nicht wirklich sinnvoll ist, Hund und Katz' beim Fahren unkontrolliert durchs Auto klettern zu lassen oder gar auf dem Schoß zu haben, sollte mit etwas Nachdenken klar sein – denn bei einer Vollbremsung wird der vierbeinige Liebling schnell zum Wurfgeschoss, und das tut weder dem Tier gut, noch den menschlichen Insassen und der Verkehrssicherheit. So sieht es auch die Straßenverkehrsordnung: Tiere gelten als Ladung, und die Ladung ist nach § 22 so zu sichern, dass sie auch bei einer heftigen Vollbremsung, einem wilden Ausweichmanöver oder gar einem Auffahrunfall nicht herumrutscht oder -fliegt. Denn: Schon bei einem Aufprall mit 50 km/h wirkt in einem PKW das Dreißigfache des Eigengewichts auf einen Körper. Ein 20-Kilo-Hund entwickelt also eine Durchschlagskraft von über einer halben Tonne, wenn er eine Person trifft oder von innen durch die Windschutzscheibe fliegt.

Fahrer darf nicht gestört werden
Nach § 23 StVO hat der Fahrer dafür zu sorgen, dass seine Sicht und sein Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. Ein dem Fahrer ins Ohr kreischender Papagei oder eine panische Katze, die sich in seine Hosenbeine verkrallt, weil draußen ein LKW gehupt hat, sind nicht nur beim Fahren recht ungünstig, sondern auch eine Ordnungswidrigkeit.

Wieviel Bußgeld wird fällig?
Wer ein Tier im Auto nicht ausreichend sichert, riskiert ein Bußgeld von 35 Euro. Kommt es zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, sind es 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. 10 Euro Bußgeld gibt es, wenn der Fahrer nicht dafür sorgt, dass sein Gehör und seine Sicht durch das Tier nicht beeinträchtigt werden. Ist es durch grobe Fahrlässigkeit des Fahrers zu einem Unfall gekommen, kann zumindest die Kaskoversicherung ihre Leistungen reduzieren.

Welche Lösungen gibt es?
Für kleinere Tiere sind im Zoohandel Transportboxen erhältlich. Natürlich machen auch diese nur Sinn, wenn man sie mit Gurten festschnallt. Für große Hunde gibt es spezielle Hundegurte, mit denen der Vierbeiner auf der Rückbank gesichert werden kann. Es handelt sich dabei um eine Kombi aus Gurt- und Brustgeschirr. Die Gurte sind abgepolstert und werden im Gurtschloss der Rückbank eingeklinkt. Eine weitere Möglichkeit sind Sicherungsnetze oder -Gitter, die den Laderaum eines Kombis von der Fahrgastzelle abtrennen und das Tier bei einem Aufprall abfangen. Hier sollten allerdings nur Gitter verwendet werden, die genau zum Fahrzeug passen und damit fest verbunden werden können. Universallösungen sind oft nicht optimal zu befestigen. Netze sind oft nicht stabil genug und haben den Nachteil, dass sich das Tier bei einem Unfall daran verletzen oder darin verwickeln kann.

Hunde langsam ans Auto gewöhnen
Gerade Hunde müssen oft im Auto transportiert werden – denn schließlich begleiten sie ihre Besitzer regelmäßig auch in die freie Natur, ins Wochenende oder gar in den Urlaub. Kennt der Hund das Autofahren in der Transportbox noch nicht, kann er langsam daran gewöhnt werden. Empfohlen wird eine behagliche Ausstattung der Box mit einer weichen Decke und einem Spielzeug, vielleicht sogar einem alten Kleidungsstück, das nach Frauchen oder Herrchen riecht, und womöglich auch mal ein Leckerbissen. Zuerst sind kurze Fahrtstrecken anzuraten, und die erste Fahrt sollte nicht gerade zum Tierarzt gehen. Soll der Hund mit einem Sicherheitsgeschirr angeschnallt werden, sollte am Anfang ein bekannter Mensch daneben sitzen – und darauf achten, dass die Gurte richtig eingestellt sind und weder zu fest, noch zu locker sitzen.

Tiere nicht bei Hitze im Auto lassen!
Ein Auto kann sich bei starker Sonneneinstrahlung im Stand schnell aufheizen. Einen Hund darin zu lassen – womöglich noch bei geschlossenen Fenstern – kann als Tierquälerei gelten. Denn schnell herrschen hier 70 Grad Celsius. Vorsätzliches Handeln ist eine Straftat und kann sogar eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen. Was mancher nicht weiß: Fahrlässiges weil gedankenloses Handeln ist immer noch eine Ordnungswidrigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 Tierschutzgesetz. Die Geldbuße liegt bei bis zu 25.000 Euro. Ruft ein Passant Polizei oder Feuerwehr, muss der Hundebesitzer für die Einsatzkosten aufkommen. So entschied zum Beispiel das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz, Az. 12 A 10619/05. In diesem Fall war die Polizei angerückt und hatte die Autoscheibe mit einem Beil eingeschlagen.