Besuchsrecht für den Scheidungshund

16.10.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (249 mal gelesen)
Besuchsrecht für den Scheidungshund © adogslifephoto - Fotolia.com
Tiere sind zwar rein theoretisch Sachen, werden aber nicht immer so behandelt. Bei einer Scheidung kann es vor Gericht durchaus zum Streit über das Sorge- und Umgangsrecht für den geliebten Familienhund kommen. Da hilft nur noch ein Tierpsychologe.

Ein Ehepaar hatte sich scheiden lassen. Die Frau nahm – ohne Zustimmung des Mannes – den bisher gemeinsamen Hund zu sich. Der Mann wollte nicht auf den vierbeinigen Gefährten verzichten. Der Hund, ein achtjähriger Pudel namens Wuschel, wurde bei all dem nicht gefragt – zunächst jedenfalls.

Zuerst hatte sich das Paar über die Aufteilung seiner Besitzümer gütlich geeinigt. Erst am Hund Wuschel entzündete sich ein Streit, der schnell vor Gericht führte. In dem Hausratsverfahren vor dem Familiengericht forderte der Mann nun auch die Herausgabe verschiedener anderer Gegenstände, darunter eines Audi mit Sonderausstattung. Auf all dies wollte er jedoch verzichten, wenn er den Hund bekam. Ersatzweise beantragte er ein Umgangsrecht, wie es bei Kindern üblich ist. Die Frau konterte mit Gegenforderungen.

Das Amtsgericht Bad Mergentheim wollte keine willkürliche Entscheidung treffen. Zwar hätte man hier gesetzliche Regelungen über Haushaltsinventar heranziehen können, aber immerhin ging es um ein lebendes Wesen. Das Gericht nahm daher fachlichen Beistand zu Hilfe und holte einen Tierpsychologen hinzu. Der betonte, dass ein Herausreißen des Hundes aus seiner gewohnten Umgebung für diesen negative Auswirkungen haben könne. Dann veranstaltete er im Gerichtssaal einen einfachen Test: Zu wem würde der Pudel laufen, wenn er von der Leine gelassen wurde? Wuschel entschied sich für sein Ex-Herrchen, rannte zu diesem, sprang ihm auf den Schoß und schleckte ihm mit Lauten des Wohlwollens das Gesicht ab.

Ergebnis war: Der Hund blieb zur Schonung seiner Nerven bei der Frau, der Mann erhielt ein Umgangsrecht. Er durfte Wuschel zweimal im Monat zu sich nehmen. Auch Spaziergänge waren erlaubt. Als Besuchszeit wurde jeweils der erste und dritte Donnerstag eines jeden Monats zwischen 14 und 17 Uhr festgelegt. Alle Herausgabeanträge bezüglich anderer Sachen wurden abgewiesen, da diese nach Überzeugung des Richters nur vorgeschoben worden seien, um das Hundeproblem vor Gericht zu bringen – wegen eines Einzelgegenstandes wäre ein solches Verfahren nämlich gar nicht zulässig gewesen. Der Streitwert lag bei 50.000 Euro.

Amtsgericht Bad Mergentheim, Urteil vom 19.12.1996, Az. 1 F 143/95