Unfälle beim Wintersport- Wer haftet?

22.12.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (174 mal gelesen)
Unfälle beim Wintersport- Wer haftet? © Igor Link - Fotolia.com
Wintersport ist nicht ungefährlich. Immer wieder kommt es beim Ski- und Snowboardfahren zu Unfällen, die dramatische gesundheitliche Folgen haben. Für den Verunglückten und dessen Versicherungen ist es dann wichtig zu klären, wer die Verantwortung für den Sportunfall trägt.

Zusammenstoß- Von oben kommender Skifahrer haftet!

Bei einem Unfall auf der Skipiste haftet allein der von oben kommende Skifahrer, entschied das Landgericht Ravensburg (Aktenzeichen 4 O 185/05). Das Gericht verwies bei seiner Begründung auf die Regeln des Internationalen Skiverbandes, die weltweit auf allen Pisten gelten würden und gewissermaßen die Straßenverkehrsordnung der Piste darstellen. Hiernach müsse der hintere Fahrer die Fahrspur und die Geschwindigkeit so wählen, dass der vor ihm fahrende Fahrer nicht gefährdet werde (FIS-Regel Nr. 3).

Unfall am Schlepplift - Mitfahrer haftet nicht!

Eine Skifahrerin klagte erfolglos vor dem Landgericht Coburg (Aktenzeichen 22 O 600/11) gegen den Mitbenutzer eines Doppelschlepplifts wegen eines Sturzes. Die Frau war mit einem anderen Skifahrer während der Fahrt mit einem Doppelschlepplift gestürzt. Sie behauptete, dass der Beklagte habe den Sturz und dadurch einen Bruch in ihrem Handgelenk verursacht. Er sei schräg vor ihr mit seinen Skiern in der Liftspur und sogar auf ihren Skienden gestanden. Deshalb sei es zum Sturz gekommen. Die Klägerin wollte mindestens 10.000,00 Euro Schmerzensgeld und über 5.600,00 Euro weiteren Schadenersatz. Das Landgericht Coburg war von ihren Angaben nicht überzeugt und lehnte die Schadensersatzforderung ab. Das Gericht konnten die Angaben der Klägerin deshalb nicht überzeugen, weil diese während des Prozesses mindestens drei verschiedene Versionen des Unfallhergangs präsentierte. Auch einen Verstoß des Beklagten gegen die allgemeinen Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS konnte das Gericht nicht feststellen.

Stehenbleiben auf der Skipiste erlaubt!

Ein Skifahrer darf auf der Skipiste stehen bleiben, um sich ein Bild über den weiteren Pistenverlauf machen zu können. Fährt ein anderer Skifahrer in ihn hinein, haftet dieser alleine für die Unfallfolgen. So entschied das Oberlandesgericht Dresden (Aktenzeichen 7 U 1994/03).

Snowboarder trifft höhere Haftungsquote

Noch eine interessante Entscheidung: Nach einem Urteil des Landgerichts Bonn (Aktenzeichen 1 O 484/04 ) trägt ein Snowboardfahrer bei einem Unfall mit einem Skifahrer eine höhere Haftungsquote. Das Bonner Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass ein Snowboardfahrer ein höheres Gefährdungspotential darstelle.