Sportunfall: Wer haftet?

19.12.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (690 mal gelesen)
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In der Freizeit macht man sich nicht gerne Gedanken um Haftungsrisiken. Gerade beim Sport kommt es jedoch häufig zu Verletzungen. Schnell stellt sich dann die Frage nach der Haftung von Verein oder Trainer.

Beim Sport kommt es oft zu Verletzungen. Dies gilt nicht nur für Fußball, Eishockey oder die diversen Kampfsportarten. Bei allen Mannschaftsspielen kann es zum Beispiel zu Kollisionen mit anderen Spielern kommen, und bei jedem Sport kann man Sehnen überdehnen oder unglücklich fallen. Oft ist es dann nicht mit einem Verband und ein paar Wochen Pause getan: Auch bleibende Schäden kommen vor. Hier ist es dann schnell mit der Rücksicht auf Vereinskollegen, Sportkameraden oder Trainer vorbei, und es stellt sich die Frage nach einer möglichen Haftung.

Wie funktioniert die Haftung im Sportverein?


Ein Sportverein muss grundsätzlich dafür sorgen, dass seine Mitglieder keinen Gefahren ausgesetzt werden, die über das Maß hinausgehen, mit dem man vernünftigerweise bei einem normalen Training rechnen muss. Manche Sportarten beinhalten von Natur aus ein etwas höheres Verletzungsrisiko – beispielsweise Fußball, Judo oder Reiten. Kommt es dabei zu einem Unfall, kann der Geschädigte nicht automatisch jemand anderen haftbar machen. Es sind jedoch auch Fälle denkbar, in denen ein Trainer seine Pflichten verletzt und deshalb ein Sportler verletzt wird. Hier ist dann rechtlich gesehen eine Haftung von Verein und Trainer nicht ausgeschlossen.

Wann haftet ein Trainer?


Ein Trainer haftet, wenn er seine Sorgfaltspflichten verletzt hat und deshalb jemand geschädigt wurde. Ein solcher Fall kann zum Beispiel vorliegen, wenn der Trainer Kinder an einem defekten Trainingsgerät trainieren lässt, wenn er zu wenig oder unsachgemäß bei Turnübungen Hilfestellung leistet oder seine Aufsichtspflicht gegenüber Kindern vernachlässigt, indem er diese allein in der Halle herumtoben lässt.

Wann haftet der Verein?


Auch bei einem Verschulden des Trainers haftet allerdings unter Umständen der Verein. Denn rechtlich gesehen ist der Trainer dessen “Verrichtungsgehilfe“. Er hilft nämlich dem Verein bei dessen Aufgaben und der Verein muss demzufolge für Schäden gerade stehen, die der Trainer verursacht. Der Verein kann andererseits von einer Haftung für ein Verschulden des Trainers befreit sein, wenn nachzuweisen ist, dass dieser ausreichend qualifiziert war, vom Verein sorgfältig ausgesucht wurde und man seine Tätigkeit auch kontrolliert hat.
Darüber hinaus kann sich eine direkte Haftung des Vereins bei einem organisatorischen Verschulden ergeben. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Personalplanung nicht funktioniert, kein Trainer anwesend ist und eine Horde Kinder unbeaufsichtigt durch die Sporthalle tobt.

Urteil: Wer trägt die Verantwortung für die Turnstunde?


Wenn ein Übungsleiter eine Turnstunde mit Kindern übernimmt, trägt er auch die Verantwortung dafür, dass die Kinder sich nicht verletzen. Rechtlich ist er, wie bereits erklärt, ein sogenannter „Verrichtungsgehilfe“ des Vereins. Damit haftet der Verein auch für Pflichtverletzungen des Übungsleiters. Pflicht des Vereins ist es, durch geeignete Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen sicherzustellen, dass der Übungsleiter tatsächlich über ausreichende Sachkunde verfügt. So hat das Landgericht Kaiserslautern entschieden. Das Gericht verurteilte hier sowohl den Verein, als auch zwei Trainer zur Zahlung von Schadensersatz (Urteil vom 4.4.2006, Az: 1 S 145/05).

Wann haftet ein Sportkollege?


Bei vielen Sportarten kommt es zu Körperkontakt – zum Beispiel bei Fußball oder Kampfsport. Vor einigen Jahren hat dazu der Bundesgerichtshof entschieden. Im damaligen Fall hatte sich ein Fußballer beim Gerangel um den Ball verletzt. Die Richter erklärten, dass bei einem normalen Aufeinandertreffen im Rahmen des Sports eine Verletzung noch keinen Anspruch auf Schadensersatz begründe. Vielmehr müsse der andere Spieler schuldhaft gegen die Wettkampfregeln verstoßen haben. Auch Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begründen eine Haftung. Die Beweislast trägt der Geschädigte.
Beim Fußball ist den Bundesrichtern zufolge ein Zweikampf um den Ball normal. Kommt es bei einer den Regeln und dem bei jedem Sport zu beachtenden Fairnessgebot entsprechenden Aktion zu Verletzungen, kann der Geschädigte keinerlei Ansprüche geltend machen (Urteil vom 27.10.2009, Az. VI ZR 296/08).

Was ändert eine Haftpflichtversicherung?


Im gleichen Urteil räumte der Bundesgerichtshof auch mit einer Rechtsansicht auf, die bis dahin von diversen Gerichten niedrigerer Instanzen vertreten worden war: Dass nämlich das reine Bestehen einer Haftpflichtversicherung beim Schädiger zur Anerkennung eines Schadenersatzanspruches führen könne. Die Richter stellten nun klar, dass es für einen solchen Anspruch nicht relevant sei, ob der Verantwortliche versichert sei oder nicht.

Was bringen Sportversicherungen?


In aller Regel haben Sportvereine eine Sportversicherung. Diese deckt Unfälle von Vereinsmitgliedern und -Mitarbeitern ab. Solche Versicherungen haben allerdings keinen Standard-Umfang. Es handelt sich vielmehr um Versicherungspakete, die immer individuell auf den Bedarf des jeweiligen Vereins zugeschnitten sind. Meistens gehört eine Unfallversicherung dazu, oft auch eine Haftpflichtversicherung und gelegentlich eine Rechtsschutzversicherung. Einige Sportversicherungen decken sogar Unfälle auf dem Weg zum Training ab.

Urteil: Autounfall auf dem Weg zum Fußball


Mit einem speziellen Fall musste sich der Bundesgerichtshof im Juli 2015 beschäftigen: Eine Großmutter hatte ihre Enkelin zu einem Mädchen-Fußballspiel gefahren. Auf dem Weg kam es zu einem Autounfall. Die Fahrerin erlitt erhebliche Verletzungen. Sie versuchte zunächst, die Versicherung des Vereins in Anspruch zu nehmen. Diese verweigerte jedoch eine Zahlung, weil die Großmutter gar nicht Vereinsmitglied oder offizielle Mitarbeiterin war. Diese verklagte daraufhin den Sportverein. Durch das Herumfahren der Spielerin habe sie selbst eine „Geschäftsführung ohne Auftrag“ für den Verein durchgeführt. Daher verlange sie nun Behandlungskosten und Schmerzensgeld als Aufwendungsersatz.
Der BGH sah dies anders: Hier habe es sich um eine reine Gefälligkeit für das Kind und dessen Eltern gehandelt (Urteil vom 23. Juli 2015, Az. III ZR 346/14).

Wann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?


Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur bei Unfällen, die im Zusammenhang mit der Berufsausübung, also der versicherten Tätigkeit eines Arbeitnehmers, stehen. Dazu gehört grundsätzlich auch der Betriebssport, aber keine privaten Sport-Aktivitäten oder Wettkämpfe.
Uneinheitlich ist die Rechtsprechung der Gerichte bei Firmenläufen. Hier kommt es auf eine Vielzahl von Faktoren an, zum Beispiel darauf, ob die Veranstaltung allen Mitarbeitern offen stand. Ein häufiges Gegenargument der Gerichte ist, dass nur eine geringe Anzahl von Mitarbeitern teilgenommen hat und es sich deshalb nicht um eine betriebliche Veranstaltung handeln konnte. Das Sozialgericht Detmold hat eine Einladung an alle Mitarbeiter ausreichen lassen, zumal die Laufstrecke auch einfach genug für Ungeübte war (Urteil vom 19.3.2015, Az. S 1 U 99/14).

Was zahlt die private Unfallversicherung?


Für viele Sportunfälle zahlt auch eine private Unfallversicherung – insbesondere bei dauerhaften Schäden. Der Zahlungsumfang hängt dann davon ab, welche Gliedmaßen zu wieviel Prozent ihre Funktion verloren haben. Auch eine Unfallrente kann im Versicherungsvertrag vereinbart werden, ebenso wie ein Krankenhaus-Tagegeld oder kosmetische Operationen, die die gesetzliche Krankenkasse nicht immer bezahlt. Hier kommt es also in erster Linie auf den Vertragsumfang an. Ausgeschlossen ist jedoch meist alles, was mit dem Flugsport zusammenhängt, auch Unfälle beim Paragliding oder beim Rennsport mit Fahrzeugen. Klettern oder Eishockey und andere Risikosportarten können ebenfalls ausgeschlossen sein – hier sollte man sehr genau den Vertrag lesen.

Praxistipp


Insbesondere bei einer verletzungsgefährlichen Sportart sollte man sich vorher darüber informieren, inwieweit der Verein eigene Versicherungen für seine Mitglieder unterhält. Auch die eigene Versicherungslage sollte genau geprüft werden. Ab Juli 2019 gibt es in Deutschland voraussichtlich die Qualifikation des Fachanwalts für Sportrecht – ein solcher Experte ist besonders qualifiziert, im Ernstfall rechtlichen Rat und Hilfe zu leisten.

(Bu)



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